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2005 Atlantiküberquerung

( Alle Bilder beinhalten einen Link zum Bildarchiv! )

Sa 19. Nov 2005  
Heute laufen die letzten Vorbereitungen für die große Überquerung unseres ersten Ozeans. Mittlerweile finde ich das Projekt keine Kunst mehr, aber vielleicht werde ich meine Meinung im Laufe der nächsten 3 Wochen wieder ändern.

 Auf jeden Fall kam heute morgen um 10.00 Uhr unsere Obst und Gemüselieferung am Schiff an:

                12 kg Orangen,
                2 Salate,
                100 Äpfel,
                50 Zitronen,
                20 Kiwis,
                7 kg Mandarinen (da uns das zu wenig vorkam, ließen wir weitere 5 kg liefern),
                4 Kg Bananen,
                20 Mangos,
                1/2 kg Karotten ( es waren 3 Karotten in einer Tüte, was zu einem großen Lacherfolg an der Pier führte,
                      ein weiteres Kilo wurde daraufhin nachbestellt!),
                2 kg Zucchini,
                1 kg Aubergine,
                10 kg Kartoffeln,
                5 kg Zwiebeln,
                10 kg Tomaten,
                3 Weißkohl (angeblich guter Salatersatz, mal schauen!),
                1 kg Knoblauch,
                130 Eier,
                20 Salatgurken!!!  

 

Na dann mal schauen, wo wir das gut und sicher verstauen. Zum Glück haben wir eine Werkstatt an Bord, die für unsere Überfahrt als Lagerraum umfunktioniert wurde. Kiste über Kiste verstauen wir all die Sachen, wobei zu bedenken ist, dass die Kartoffeln nicht in der Nähe der Zwiebeln liegen dürfen, sonst können wir in 2 Wochen getriebene Kartoffeln im Ozean versenken.  

Unsere Eier kommen in Plastikschachteln und werden auch in einer Kiste in der Werkstatt gelagert. Jeden Tag wenden und sie bleiben auch ohne Kühlschrank frisch!  

Sehr wichtig ist, dass weder das Gemüse, noch Obst oder Eier vorher gekühlt waren, sonst klappt der ganze Plan nicht. Alle Einkäufe werden an der Pier ausgepackt, keine Papierkartons an Bord, die Schädlinge wollen wir in Gran Canaria an der Pier lassen.

Obst und Gemüse soll nicht gewaschen werden, bevor es nicht gegessen wird, sonst beginnt der Reifungsprozess ab dem Waschvorgang, also vertrauen wir dem Tipp und nehmen alles ungewaschen an Bord.

Während unsere Verstauungsaktion muss  Bernd weg, um den von der ARC vorgegebenen Termin zum Auschecken aus der EU einzuhalten. Während ich mich von Kiste zu Kiste durchwühle, steht plötzlich der Herr für den Sicherheitscheck von der ARC vor mir. Er möchte nun die letzten offene Punkte unsere Liste mit mir überprüfen, damit wir morgen auslaufen dürfen. Schön, dass er nun auch endlich kommt, nachdem wir am Donnerstag den ganzen Tag auf ihn gewartet haben.  

Natürlich hatte ich kaum Ahnung, was er noch sehen will, da Bernd das mit ihm durchgehen wollte. Aber der nette Herr der ARC konnte nicht später wiederkommen, bestand auf eine sofortige Kontrolle. Nachdem ich mich nicht sehr willig zeigte, eine Kontrolle ohne den Skipper des Bootes durchführen zu lassen, drohte der nette Herr mit den Rauswurf aus der ARC. Da war mein Limit erreicht, erst kommen die hochnäsigen Schnösel nicht wie vereinbart, dann legen sie am letzten Tag vor Abfahrt mehrere Termine in den Tag und wundern sich, dass nicht jeder an Bord ist.

Bernd musste somit zurückkommen, worauf eine halbe Stunde später das ARC Auscheckbüro ihn nicht mehr auschecken lassen wollte. 10 Minuten zu spät, war die Begründung und somit kommen sie doch morgen früh wieder! Somit war meine Meinung über diese Veranstaltung letztendlich gefallen: Man zahlt pro Crew Mitglied 300 Dollar, für was?  

Die drei Partys waren einfach nur lächerlich. In der Beschreibung stand, dass "Dinner will be served at 8.30pm", tja vielleicht ist ja mein Englisch zu schlecht, denn anstatt einem Abendessen wurden ein paar Schnittchen - so genannte Tapas - gereicht. Diese stellte man dann an zentralen Plätzen auf Tischen, so dass eine Herde ausgehungerte Segler darüber fallen dürften. Sehr appetitlich!

Außer den freien Getränken war nichts erwähnenswertes bei den Parties. Die Crewdinner, die an anderen Abenden stattfanden, kosteten dann 25 Euro pro Person, also auch nicht interessant. Und überhaupt, die Szene der Menschen, die an einer ARC teilnehmen, sind reiche Leute, die ihre neue Schiffe präsentieren wollen und in ihrem Club (Tennis, Golf, Segelclub oder was auch immer) erzählen möchten, dass sie die ARC mitgesegelt sind.

Meiner Meinung nach, sollten die Fahrtensegler diesem Event fern bleiben. Es spart viele Nerven und Geld und neues Wissen bekommt man auch nicht. Da seid ihr weitaus besser informiert als die dortigen Teilnehmer. Oder macht ihr Euch erst 3 Tage vor Abfahrt Gedanken, wie man an Bord Brot backen könnte? Das war eine Frage bei den Seminaren zur Vorbereitung: Haben vielleicht ein Brotbackrezept? Da musste ich echt lachen.  

Das Skipperbriefing war okay, da wurde der Ablauf des Starts erklärt, die Ankunft in St. Lucia, das bevorstehende Wetter und ......  

Am Nachmittag kam dann auch unsere Fleischlieferung und ich fing an, drei mal Bolognese vorzukochen, backte einen Marmorkuchen und putze das gesamte Schiff. Die letzte Wäsche wurde gewaschen. Dann schnell zur Marinabar, um das Wireless Lan zu benutzen, um letzte Telefonate zu führen.

Um 20.30 Uhr war alle Arbeit getan und wir bekamen Besuch von Michael und Heike (s. www.weltumsegelung.net ) . Wir gingen in eine Pizzeria zum Abendessen. Sehr lecker! Das ARC Feuerwerk war der Abschluss des Abends und dann schlafen, letzte Nacht vor der Abreise.  

So 20. Nov 2005
Erik, Bernds Onkel weckte uns am Morgen per Telefon. Er wollte uns eine gute Reise wünschen, bevor wir losfahren. Und schon stieg die Nervosität und ein Halten im Bett war unmöglich. Also los, ab 10.30 Uhr dürfen die Schiffe die Marina verlassen. Wir hatten uns intern auf 11.00 Uhr geeinigt.  

Davor musste die UPPS seefest gemacht werden, letzte Erledigungen, die mir schon gar nicht mehr einfallen. Bob, unsere nette Marinanachbar verabschiedet uns, in der Hoffnung, wir sehen uns wohlbehalten in St. Lucia wieder. Es war ein buntes Treiben im Hafen und schon um 10.25 Uhr kreisten die ersten Schiffe um die Marinaausfahrt.

Der Skipper wurde immer ungeduldiger und nachdem das letzte Crewmitglied von den der Rückgabe unseres Marinas Toilettenschlüssels zurück kam, gingen auch bei uns die Leinen los! Es war soweit und wir fuhren Richtung Marinaausfahrt, wo eine Menschenmenge stand und zum Abschied winkte. Der öffentliche Hafen war für die Berufsschifffahrt an diesem Tag von 10.00 bis 14.00 Uhr gesperrt, denn dort tummelten sich nun bald 250 Segelschiffe, wartend auf den Startschuss, der um 13 Uhr erfolgen sollte.  

Bernd segelte das Revier ab und überlegte sich die beste Taktik um schnell über die Startlinie zu kommen. Klaus filmte alles und Udo und ich warteten auf die Segelkommandos von Bernd. 12.40 Uhr fiel der Startschuss für die Racing Devision, somit waren die ersten 20-50 Schiffe losgefahren.  

Nun waren wir an der Reihe, Udo zählte die Sekunden runter, aber genau vor dem Startschuss dreht der Wind und macht unsere Taktik kaputt. Wir machen das Beste aus der Situation und gehen etwas später als gewünscht über die Startlinie. Dennoch ist der größere Teil des Feldes hinter uns. Zwischen uns und der Startboje drängeln sich 4  weitere Schiffe, die dann auch ineinander fahren. Wir weichen zähneknirschend aus und segeln los. 1 Stunde hatte wir ein traumhaftes Wetter und guten Wind und dann ging es los mit dem ungewollten Wetter.  

Es war starker Wind, Wellengang und raue Bedingungen, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Klaus wurde sehr seekrank, so dass er leider nicht mehr die Kamera bedienen konnte. Schade, denn es gab eine Menge zu filmen, schließlich kämpften 200 Schiffe mit dem Wetter. In Regenklamotten eingelümmelt und etwas geschafft aßen wir unser Abendessen.  

Abendessen: so gut wie keines, da der erste Tag unerwartet hart und anstrengend war! Wir haben eine Suppentasse schnell heiß gemacht, das hat uns gereicht! Die erste Nachtschicht begann...

Mo 21. Nov 2005
Bernds Gambaspfanne zum Abschied von Spanien. Sollte es eigentlich schon am Sonntag geben, aber keiner hatte Lust auf Essen. Klaus war schwer seekrank!

Wir sind froh Spanien verlassen zu können. Jedes Land hat Vor- und Nachteile, aber von Spanien hatten wir nun genug! Die Menschen sind für unsere Verhältnisse zu laut und teilweise sehr unfreundlich. Im Straßenverkehr geht es nur darum dem anderen bloß nicht einfädeln zulassen und die Hupe betätigen zu können.

Landschaftlich finde ich die Mittelmeerküste vom Festland einfach nur grausam, die Atlantikküste lohnt sich für einen Urlaub! Ich weiß nun, warum Mallorca die beliebte Insel der Deutschen ist, denn auch ich muss sagen, es ist die Perle Spaniens. Die Kanaren sind ganz nett für einen Wochentrip in die Sonne, jedoch gefiel mir Madeira viel besser!  

Habe das Weihnachtsgeschenk für meine Oma und Petter zusammengestellt. Dabei kamen wir viele Erinnerungen an unseren Hochzeitstag zurück. Es war meine Traumhochzeit - einfach perfekt! Wie gerne würde ich diesen nochmals erleben! Aber zum Glück gibt es die schönen Erinnerungen.  

Di 22. Nov 2005
Spagetti Bolognese und einen schönen Salat! Heute geht es Klaus schon besser. Wie wir immer wieder feststellen können, dauert die Seekrankheit 2 Tage an, aber dann geht sie weg. Zum Glück!

Mi 23. Nov 2005
Abendessen: Bratkartoffeln, Schnitzel in Pilzsahnesoße, viele Störungen beim Kochen. Da macht das Kochen keine Freude, wenn der Wellengang und die Schräglage zu extrem sind. Als meine heiße Pfanne mit angebratenen Zwiebeln vom Herd flog und dann später auch noch die Pilzsahnesoße durch die Küche flog, um am Schrank zu landen und die gesamte Küche in einen reinen schmierseifenglatte Fußboden verwandelte, hatte ich keinen Bock mehr. Klaus war so lieb und hat sich der Misere angenommen und trotz Schräglage auf allen Vieren geputzt.  

Do 24. Nov 2005
Unsere Warnmeldungen und Wettebericht wurden von dem GMX-Spamfilter abgefangen. Da wir nur E-Mail, aber kein Internet hatten brauchten wir Hilfe, die wir wie immer sehr schnell und sicher, vor allem immer sehr unkompliziert von Petra bekamen. Bernd rief sie für 2 Minuten per Satelliten-Handy an und eine Stunde später war alles okay. Vielen lieben Dank Petra!

Nun können wir endlich das Wetter und die Platzierungen per Email empfangen und unseren täglichen Positionsreport verschicken.

Abendessen: Blumenkohlauflauf mit Kartoffeln und Schinken! Gestern hatte ich mich tierisch über den Blumenkohl geärgert, da er einfach nicht gar wurde und dann auch noch drohte vom Herd zu rutschen, aber heute war es mein Glück. Die Kartoffelreste und den Blumenkohl verarbeiteten Klaus und ich zu einem guten Auflauf und somit war das Abendessen schnell gezaubert.

Platz 60 war die erste Platzierung, die wir nun endlich erhielten.

Fr 25. Nov 2005
Abendessen: Calamar in einer Soße aus frischen Mangos. Für mich war sozusagen Feiertag, da ich an diesem Tag kochfrei hatte und Bernd in der Küche zauberte; Platz 57

Sa 26. Nov 2005
Wenn man nicht gleich das Tagebuch schreibt, hat man echt Probleme die Highlights des Tages zu behalten. Mir fällt zumindest eines ein und das war unser Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Spiel, wo ich heute 2mal gnadenlos verloren habe und mich natürlich überhaupt nicht geärgert habe! :-)

Heute war Duschtag, endlich!!! Wir müssen mit dem Wasser gut haushalten, wer weiß, wie lange die Reise dauert! Selbst zum Kochen und Spülen nehmen wir teilweise das Atlantikwasser, das hier draußen klar und sauber ist. Frage mich wirklich, wie andere Schiffe wie Bob mit 200 Liter Süßwassertank für 5 Personen zurecht kommt. Zum Glück haben wir 1200 L Wassertank!

Abendessen: Auflauf mit Nudeln, Hackfleischsoße, Karotten und Zucchini, überbacken mit Käse

Platz 38!!!!!!!!!!!!!!! Da waren wir echt baff und überrascht und total erfreut! Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet! Nun packt uns alle das Rennfieber, auch Klaus, der vorher nie gesegelt war, ist voll dabei.  

In Gedanken war ich die eine oder andere Minute zuhause, denn heute wurde mein Erich-Petter 82 Jahre alt! Wie gerne hätte ich ihm persönlich gratuliert!

So 27. Nov 2005
Morgens Brot gebacken, bevor die Schieflage so extrem wurde, das das Stehen in der Küche zur wahren Kunst wurde.

Den Tag verbrachten wir dann alle gemeinsam mit Reparaturen, wobei Bernd ist meiste Arbeit hatte. Die Genuaschot war in der Nacht gerissen und hatte sich mit der anderen völlig verwickelt. Somit mussten wir trotz rauer See und unter Fock und Großsegel, die Genua richten. Klaus hat alles gefilmt und hatte Bernd ein Mikro gegeben, welches jedoch durch die rauen Bedingungen erst nass wurde und dann über Bord fiel. Pause war angesagt, bevor wir das Fockfall versorgten. Die Rolle im Mast scheuert am Fockfall und kann ggf. dieses durchschneiden. Somit müssen wir das bei der Überfahrt unter Beobachtung behalten und ständig kontrollieren. Bernd ist am Ende des Tages ausgepowert und erschöpft. Er hatte die letzte Nacht nicht geschlafen, da ihn das Rennfieber gepackt hatte. 

Abendessen: Zucchinipfanne und Brot, da bei dieser Schräglage und dem anstrengende Nacht und Tag keine Energie und Lust für ein Festmahl zu kochen.

Platz 42, was ja keine Überraschung ist mit all den Reparaturen!  

Mo 28. Nov 2005
Abendessen: Spaghetti Carbonara und ein griechischer Salat

Habe fast den ganzen Tag geschlafen, da ich mit den altbekannten Nackenverspannungen und somit Kopfschmerzen zu kämpfen hatte. Dafür bin ich nun für die Nachtschicht ab 1.00 Uhr fit genug, um bis ca. 6.00 Uhr morgen früh durchzuhalten. Den heutigen Tag haben wir alle genossen, viel geschlafen und rumgelungert, nachdem der gestrige Tag doch mit viel anstrengender Arbeit und Energie wegen unseren Reparaturen verbracht wurde. Bernd und ich gönnten uns eine zweite Dusche, wir waren gestern vom Salzwasser geduscht worden uns hatten extrem geschwitzt. Udo und Klaus holen diese Dusche morgen nach!

Platz 48

Di 29. Nov 2005
Bin um 6.00 Uhr nochmals ins Bett gegangen. Um 9.00 Uhr war dann die Nacht vorüber und ich stand wieder mit Kopfschmerzen auf. Da der Wind weg war und wir motoren mussten, war es die Gelegenheit eine gründliche Reinigung vom Schiff vorzunehmen. Somit backte ich erst ein Brot und dann schwang ich den Feudel für die n. 3 Stunden. Danach war ich fix und alle, da soll sich noch mal eine Frau, die die Wohnung oder Haus putzen muss, beklagen. Die nehme ich glatt mit aufs Schiff und lass sie auf dem Atlantik unter den gewöhnlichen Wellengang (wie gesagt, wir motorten) putzen. Dann hat sie wenigsten einen Grund sich zu beschwerden!

Mittlerweile merkt man deutlich, dass wir weiter westlich kommen. Die Tages- und Nachttemperaturen nehmen deutlich zu. Noch vor 3 Nächten saßen wir mit unseren Regenklamotten da und nun reicht ein T-Shirt und Hose. Tagsüber vermeide ich in der Mittagszeit die Sonne, da sie zu heiß ist. In diesen Momenten ist es schon komisch, wenn man dann eine Email von Hause bekommt, wo von Schnee und Weihnachtszeit berichtet wird. Dieses Jahresgefühl stellt sich bei mir überhaupt nicht ein.  

Nach meiner Putzaktion war ich dann wieder reif fürs Bett. Werde einfach die Kopfschmerzen und somit die Verspannungen nicht los.

Abendessen: Heute gab es Kartoffelgratin von Klaus und Steaks mit einer Rotweinsauce von Bernd. Das Braten von Fleisch ist immer wieder ein Abendteuer mit dem Schwingherd, da sind mir zur zeit die Aufläufe lieber. Alles was in den Backofen verschlossen werden kann, ist sicher.

Heute war die komplette Crew bis 22 Uhr wach, extreme Ausnahme! Wir haben uns die neue Rangliste der Platzierungen geladen: Platz 49! Da waren wir froh, denn aufgrund des Wetters und der Reparaturen dachten wir, dass wir nach hinten durchgereicht werden.

Mi 30. Nov 2005
Heute hat Bob Geburtstag, der nette Marinanachbar von Las Palmas! Bei Bob würde ich sogar meinen Segelschein machen, denn er ist in England Segellehrer. Er hat herzlich gelacht als ich ihm dies mitteilte. Er fragte mich, was er mir noch beibringen könnte... wie recht er hatte, denn trotz Racingboot ist sein Schiff auf Platz 148 und die UPPS... wie er doch immer an der Pier betonte, dass er uns St. Lucia erwarten würde. Bin nun echt gespannt, wer wen in St. Lucia erwartet!!! :-)

Der Tag war extrem entspannend! Hier lagen in der Sonne, schwatzten und lasen.

Mit dem Sonnenuntergang kann dann - wie so oft - eine Wetteränderung. Der Wind ging weg und eine seitliche Wellenbewegung brachten das gesamte Schiff in eine Schaukelstube. Bernd fing an zu kochen und musste dann mal wieder ein Wunder vollbringen. Beide Töpfe fielen vom Herd, zum Glück an die Wand. In diesen Momenten könnte man gerade mal aus der Haut fahren, wenn man Töpfefangend in der Küche steht... Es gab zum Abendessen Nudeln mit einer Soße aus frischen Tomaten mit Oliven u Knoblauch

Unsere heutige Platzierung haben wir nicht abgerufen, machen wir morgen!

Der Bericht der Yacht 166, die langsam am Sinken war und gegen den Einbruch von Wasser kämpfte, während andere Yachten zu Hilfe eilten, saß uns in den Knochen.

Fr 2. Dez 2005
Abendessen: Spaghetti oder Kartoffelgratin mit Bolognese

Sa 3. Dez 2005
HURRA, wir haben endlich Passatwind! Nun beginnt hoffentlich der angenehme Teil der Reise!

Abendessen: Reis mit Hühnerfleisch in einer Soyasosse mit Soyasprossen (Bernd hat gekocht - ein Genuss!)

Unsere To-Do-Liste hatten wir schnell abgearbeitet, somit hatten wir einen entspannten Tag. Ich verbrachte 2 Stunden an der Spitze der UPPS und las und hoffte endlich einen Wal zu entdecken, aber wieder vergeblich! Die Sonne bekommt täglich mehr Kraft, weswegen ich den Schatten aufsuchen musste!

Das Mensch-Ärger-Dich-Spiel dauerte heute eine Ewigkeit und natürlich habe ich nicht gewonnen!

So 4. Dez 2005
Es ist der 2. Advent, wir haben unseren eigenen Adventkranz aus Ikealampen und Spanngurt gebastelt. Dieser Adventskranz gefällt sogar auch den Männern!

Abendesse: Rigatoni mit Steakfleisch und Schweinefleisch in einer Soße mit Tomaten und Käse überbacken (wie schön Bernd hat gekocht!)

Heute um ca. 22 Uhr haben wir die 1000 Meilengrenze erreicht! Der Passat weht wie angekündigt mit 13 - 15 Knoten und die UPPS saust zum Ziel. Wir brauchen noch ca. eine Woche, wenn es so weiter laufen wird!  

Mo 5. Dez 2005
Keine Ahnung mehr, was an diesem Tag war. Mal Klaus fragen, der führt auch Tagebuch über unsere Reise!

Di 6. Dez 2005
Die Nacht war sehr unruhig! Bernd und Klaus haben so gut wie gar nicht geschlafen. Böjen mit 35 Knoten Wind erforderten immer wieder für Arbeit. 2 mal ist uns das Großsegel mit einer Patenthalse auf die andere Seite gedrückt wurden. Keine schöne Nacht, wir sind ok!

Nikolaustag und wir können keinen Schuh rausstellen, denn dieser wäre ratzt fatzt weggeflogen ohne eine Chance auf Füllung zu bekommen! Die Hitze des Süden wird von Tag zu Tag stärker!

Abendessen: Rigatoni mit Gorgonzolasosse! Klaus ist zu müde zum Essen und verabschiedet sich ins Bett!

Mi 7. Dez 2005
HURRA!!! Nur noch 500 Seemeilen bis nach St. Lucia!!!

Seit 3 Tagen haben wir starken Passatwind i. d. R. 20 - 25 Knoten wind und unsere Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt ca. 8 Knoten! Also das ist Passatsegeln! Es hat mir aber keiner gesagt, dass sich das Schiff von einer auf die andere Seite legt, mein Geschirr in den Schränken herumfliegt und man sogar im Sitzen reinste Gymnastikübungen macht! Echt nervig manchmal! Bernd und ich haben uns tagsüber ins Bett gelegt und versucht den Schlafmangel nachzuholen. Aber es war kaum möglich bei dieser Schaukelei und zur Krönung flog Bernd aus dem Bett und hat sich an der Wirbelsäule sehr wehgetan. Er konnte sich kaum bewegen und die Schmerzen dauern an. Da geht man groß auf Segeltour und verletzt sich im Bett!

Abendessen war kurz gehalten: Spaghetti mit Napolisosse, auch da muss man ständig die Teller und Töpfe festhalten, damit sie nicht wegfliegen - nun ist es ruhig an Bord, alle Männer schlafen 

Do 8. Dez bis Sa 10. Dez 2005
Die letzten 3 Tage sind wie im Flug vorüber gegangen! Wir hatten den Sekt für die 500 Meilengrenze kalt gelegt, aber bis wir alle am nächsten Tag ausgeschlafen hatten, waren wir bereits bei der 300 Meilengrenze angelangt. Bob holte weiterhin auf, aber wir hatten den Ehrgeiz als erstes über die Ziellinie zu segeln. Die Chancen standen bis Donnerstagnacht sehr gut, aber dann dürften wir unsere ersten Squalls erleben.  

In dieser Nacht sind wir gleich in 3 Stück geraten und bei dem letzten Squall ist die Genua an einer Naht gerissen. Wir sahen den Schaden am Freitagmorgen und mussten mit Bedauern feststellen, dass diese nicht mehr einsetzbar war. Nur noch 24 Stunden zum Ziel und Bob kommt immer näher bzw. überholt uns, wenn wir nur mit dem Großsegel weitersegeln.

Das konnte nicht sein und somit begann Bernd eine Notlösung für die Genua zu finden. Mit der Fok probierte er ca. 3 Stunden lang die eine oder andere Konstruktion aus, aber als dann auch noch der Fokbaum an der Schweißnaht bricht, müssen wir uns geschlagen geben. Wir laufen mit nur noch einem Segel auf St. Lucia zu. In der Nacht entdecken wir die Positionslampen weiterer Boote, eines ist bestimmt Bob!

Die Männer sagten, die letzten Stunden haben sich wie Kaugummi gezogen, für mich vergingen sie wie im Flug. Als ich um ca. 7 Uhr Ortszeit aufgestanden war, es war schon tagshell und bei meinem ersten Rundumblick entdeckte ich Land! Am Horizont ist Martinique (Nachbarinsel von St. Lucia) schwach zu sehen.

5 Meilen vor der Ziellinie melden wir uns wie die Vorschriften es vorgeben, bei der Ziellinie per Funk an. Diese ist sehr beschäftig, wie wir später erfahren sollen, kamen an diesem Tag 37 Schiffe im Ziel an. Eine Stunde vorher ziehen wir uns unsere UPPS-T-Shirts an und bereiten alles für die „Ankunft“ vor. Irgendwie besteht eine gewisse Traurigkeit, dass nun alles vorbei ist... Können wir nicht noch weitersegeln?

Nun noch alle Vorgaben beachten, wo ist Pigeon Island? Wo ist die Ziellinie? Ein Fotograph kommt im Beiboot gefahren, um Fotos vom Zieleinlauf zu machen. Wildes Durcheinander, da hinter uns gleich die Moent einlaufen wird.

Die Crew der Ziellinie ist durcheinander, aber der Fotograf regelt alles per Funk. Bernd kämpft wie wild, um die Kreuz zur Ziellinie nur mit dem Großsegeln zu passieren.  

Die Leute an der Ziellinie werden nervös, dachten wir segeln falsch. Aber dann um 10.58 Uhr passieren wir das Ziel und hören über Funk; „Congratulations! You crossed the Atlantic and welcome to the Caribian in St. Lucian!!! Das Gefühl in diesem Moment ist unbeschreiblich!!! Es herrscht große Freude und gefolgt von Unfassbarkeit und Rührung. Wir haben es wirklich geschafft!

In Hafen angekommen, bekommen wir unseren Platz zugewiesen. Mit wilden Gehupe und Sirenen werden wir begrüßt! Alleine für diesen Moment lohnt es sich mit der ARC den Atlantik zu überqueren! Als ich den Festmacher werfen möchte, sehe ich direkt in ein grinsendes Gesicht – es ist Bob – der mich Willkommen heißt und den Festmacher entgegen nimmt. Er kam eine Stunde vor uns an!

Nachdem wir unseren Rumpunch getrunken hatten, zogen wir zur Bar los, wo Bob und seine Crew schon am Feiern war. Große Wiedersehensfreude und dann ein wilder Austausch an Gesichten, was jeder in den letzten 3 Wochen erlebt hat! Vor allem Bob konnte es nicht fassen, dass wir solange vor ihm lagen. Natürlich wusste er den Grund – da wir am Anfang nach Westen gesegelt sind und sie Richtung Süden, weswegen sie 3 Tage in einer Windstille vor den Cape Verden lagen.

Bob und seine Crew hatten auch viele Probleme mit ihrem Schiff und mussten alleine 4 mal in den Mast um das Fockfall zu reparieren. Dafür haben sie aber auch Wale gesehen und eine schöne Geschichte erlebt:

Als Sam auf die Toilette gehen wollte, öffnete er die Luke für frische Luft und den Toilettendeckel. Beim Öffnen seiner Hose kam ein fliegender Fisch durch die Luke direkt in die Toilette geflogen – der Arme!!!

Wir hätten am liebsten die Nacht durchgefeiert, aber wir mussten doch ein wenig das Schiff aufräumen, mal eine Dusche uns genehmigen und wie bei allen Crews kommt spätestens um 21 Uhr die unendliche Müdigkeit, die einen einfach nur umhaut. Wir sind alle um 22 Uhr im Bett und fallen in einen absoluten Tiefschlaf!  


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