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2006 Teil 6: Karambolage mit einem Fischtrawler & die Folgen
Wir waren auf den Weg in die Werft "Powerboat" in der Bay
Chaguaramas in Trinidad, um dort die UPPS an Land liften zu lassen. Sie
sollte dort verweilen, während wir 3 bis 4 Wochen in Deutschland
verbringen wollten. Wir hatten bereits in der Karnevalszeit Kontakt mit
Fortress, einer Schreinerei bei Powerboat aufgenommen. Sie bekamen den
Auftrag unser Cockpit, die Badeplattform, das Spülbecken in der Küche,
die Decke im Saloon etc. während unseres Aufenthaltes in Deutschland zu
erneuern.
Eigentlich
wollten wir am Sonntag, eine Woche vor unserem Abflug, bereits auf den Weg
nach Trinidad sein. Aber wir trafen immer wieder befreundete Schiffe, die
uns anboten mit Abendessen zu gehen oder noch einen Tauchgang
einzulegen.
Montagnachmittag ging es aber dann los, wir verlassen
Union Island und segeln bis zur Abenddämmerung nach Sandy Island. Dort
verbringen wir die Nacht. Wir gehen das letzte Mal in dem traumhaften
karibischen Meer schwimmen und am nächsten Morgen legen wir früh wieder
ab, um unseren Weg fortzusetzen. In St. George auf Greneda müssen wir
nachmittags noch einen Stopp einlegen, da wir dort bei Island Water-World
unseren zur Reparatur abgegeben Windgenerator abholen wollen.
Glücklicherweise ist dieser auch nach 6 Wochen wieder
zurück aus dem Werk in der USA, so dass wir uns dort nur 2 Stunden
aufhalten müssen. Ein kurzer Abstecher zum Markt, um Muskatnüsse als
Mitbringsel einzukaufen und schon stechen wir wieder in See. Die Nacht
bricht ein, wir haben bestes Segelwetter - glatte See und guten Wind. Mit
9 Knoten segeln wir unter Vollbesegelung durch die Nacht bis 2.00 Uhr
morgens ein plötzlicher Schlag mich aus dem Schlaf reißt.
Ich renne ins Cockpit und suche nach Bernd, der dort zum
Glück noch steht. Ich hatte ihn schon vom Schlafzimmer aus gerufen und
gefragt, was passiert ist, aber bekam keine Antwort. Doch draußen sah ich
dann die Misere.
Rechts vorne am Bug ist ein großer Fischtrawler, die
Fischer brüllen auf spanisch zu uns rüber. Sie sind uns in den Bug
hinein gefahren, die Genua ist zerrissen, das Großsegel schiebt uns
weiter nach vorne, weitere Schäden können wir in diesem Moment noch gar
nicht sehen. Es herrscht Hektik, was sicher bei so einer ungewöhnlichen Situation, die weiß Gott nicht täglich passiert, wohl
normal ist.
Es ist eine mondlose Nacht, d.h. auf dem Meer ist es
stockdunkel! Bernd versucht die Maschinen zu starten, um die beiden
Schiffe voneinander zu trennen. Der Fischtrawler legt in den
Rückwärtsgang ein und fährt davon! - was wir zu diesem Zeitpunkt nicht
bemerken, da wir mit unserer Genua kämpfen, denn ein Teil wird mit den
Schoten hinter uns im Meer mitgezogen, der andere Teil flattert im
Topp.
Wir versuchen beide Teile an Bord zu bekommen. Die Genuaschiene ist im unteren Teil stark beschädigt und
verbogen, was das Einrollen fast unmöglich macht. Der andere Teil des
Segels im
Wasser ist bei der Fahrt mit Großsegel kaum zu bergen.
Aber wir haben es irgendwann geschafft und gehen dann aufs Vorschiff, um
das Ausmaß der Schäden festzustellen.
Wir sehen, dass der Bugkorb komplett zerstört ist und
nachdem Bernd beinahe über Bord gefallen wäre, stellen wir fest, dass
die Reling fehlt. Es ist zu gefährlich weitere Betrachtungen in dieser
dunkeln Nacht vorzunehmen, so dass wir ins Cockpit zurückkehren. Zudem
stehen wir beide viel zu sehr unter Schock und müssen erst einmal Luft
holen. Das uns so etwas mal passieren wird, hätten wir nicht
gedacht!!!
Bernd kann bis heute nicht sagen, was in dieser Nacht
genau passiert ist. Da wir gerade eine Ölplattform passiert hatten, hatte er
besonders gut aufgepasst. Er hat das andere Schiff nicht gesehen, es hatte
keine Beleuchtung und war von unseren Segeln abgedeckt!
Das volle Ausmaß der Schäden haben wir dann bei Anbruch
der Helligkeit sehen können: Genua ist zerrissen und nicht mehr zu
reparieren, Genuaschiene ist stark beschädigt, ein Anker ist weg, der
Bugkorb ist zerbeult und gebrochen, die Relingsdrähte zerfetzt, die Laufrolle des
zweiten Ankers ist weggerissen, diverse Lackschäden... Später mussten
wir dann noch vom Rigger erfahren, dass unser vorderes Stag bis auf ein
paar Fäden aus der Pütting an der Mastspitze gebrochen war.
Aber bei all den Schäden haben wir noch Glück im
Unglück gehabt!!! Wir sind nicht verletzt und unser Schiff schwamm zum
Glück noch! Wir erreichen am nächsten Vormittag die Bay Chaguaramas und
gehen an die Pier bei Powerboat. Unser Nachbar ist sichtlich
geschockt, als er die Schäden an unserem Schiff erblickt!
Soweit es uns möglich war, versuchten wir vor unserer Abreise noch
entsprechende Vereinbarungen zu treffen, damit die Schäden repariert werden können.
Nachdem
Bernd von Deutschland wieder zurück in Trinidad war, erfuhr er, dass an
der gleichen Stelle ein weiteres Schiff von einem weinroten Fischtrawler
gerammt wurde. Dieses hatte ein Loch in der Bordwand und musste von der
Küstenwache gerettet werden. Und ein schwedisches Paar erzählte mir vor
wenigen Tagen, dass sie per Funk ein Gespräch mitgehört haben (wieder an
der selben Stelle), wo eine Frau ständig eine Fischtrawler fragte, warum
er sie verfolgen würde.
Was der Fischtrawler damit beabsichtigt, wissen wir alle
nicht, denn er hat bei keinem Schiff versucht an Bord zu kommen, sondern
ist immer wieder weggefahren. Wir können nur denjenigen raten, die jetzt
am Ende der Karibiksaison Richtung Trinidad segeln, nachts besonders
aufzupassen und mit Radar zu fahren. Der Fischtrawler war in allen drei
Fällen nicht beleuchtet!!! Auch verschiedenen Handwerker in Trinidad sind
ratlos, denn diese Art der Vorfälle kam zuvor nie vor, unserer war jedoch
der erste einer Serie!
Die vor unserer Abreise in Auftrag gegebenen
Reparaturarbeiten wurden leider nicht ausgeführt, so dass wir ab dem 22.
Mai wieder in die Werft müssen. Wir werden nicht nur den beschädigten
Bugkorb erneuern, sondern die gesamte, bisherige Draht-Reling wird aus V2A
neu erstellt und mit dem Schiff verschweißt.
Nur Fortress - unsere Schreiner - haben ihre Sache
hervorragend erledigt. Die UPPS hat ein neues Cockpit und viele
Verbesserungen im Detail.
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