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2006 Teil 7: Ledernackenschildkröten in Trinidad
Nach unserem 4 wöchigen Aufenthalt in Deutschland sind wir wieder zurück
auf der UPPS in Trinidad! Egal wie lange wir in Deutschland sind, haben
wir jedes Mal das Gefühl, dass es doch zu kurz war und die Zeit viel zu
schnell vorüber ging. Wir
verbrachten viel Zeit mit Familie und Freunden - lieben Dank für die
unvergesslichen Stunden!
Wir genossen den Beginn der Spargelzeit, die
kalten Tage und Nächte Anfang April, die Helligkeit bis spät in die
Abendstunden und das Weizenbier!
Mein
Rückflug mit Condor von Frankfurt nach Tobago war sehr anstrengend!
Alleine mein Gepäck wog 66 Kilo ohne Handgepäck, da ich meine
Taucherausrüstung und eine Mikrowelle mitgenommen habe. Dank des netten
Bodenpersonals war dieses dann kein Problem, jedoch die Schlepperei war ohne Bernd sehr
anstrengend! Die Flugstrecke wurde von Condor ohne jegliche Erklärung
geändert, sodass ich erst nach Isla Margarita (Venezuela) geflogen bin,
dort 2 Stunden Aufenthalt hatte, um dann meine Reise nach Tobago
fortzusetzen. Mein Flieger Richtung Trinidad war dann auch weg, jedoch
bekam ich ohne Probleme einen Anschlussflug. Der Zoll fand mein Gepäck auch sehr interessant und ließ mich eine Runde
auspacken! Aber was
soll das Gejammer, ich bin dann irgendwann mit all meinen Gepäck gut in
Trinidad angekommen und wurde von Bernd am Flughafen abgeholt!
Die ersten Tage in der Werft, wo die UPPS noch an Land
stand, waren sehr heiß und ich kämpfte mit einem Jetlack! Montags wurde
die UPPS dann ins Wasser geliftet und somit konnten wir Dienstag endlich
los! Wir haben nun Zeit bis zum 22. Mai, um die Nordküste von Trinidad
und Tobago zu erkunden.
Das Highlight
dieser Reise war die Nacht am Strand von Grand
Riviere im Norden von Trinidad, wo Ledernackenschildkröten von März
bis August ihre Eier ablegen. Der Strand ist abends von 18.00 Uhr bis
morgens 6.00 Uhr für die Öffentlichkeit gesperrt. Bei einer
Schutzorganisation der Regierung bekommen
Besucher jedoch eine
Erlaubnis, die 5 TT kostet und einen Führer für 60 TT pro Person, der
uns an dem Abend für 1,5 Stunden lang alles für die
Ledernackenschildkröten und den Ablauf des Eierlegens erzählte. Gegen
21.00 Uhr kam die erste Ledernackenschildkröte aus dem Wasser gekrabbelt!
Sie war die erste von den 200 Stück, die in dieser fast Vollmondnacht
erwartet wurden! Die besten Bedingungen um die Tiere in Grand
Reviere zu sehen, sind Vollmond, Hochwasser (damit der Weg vom Meer an den
Strand kurz ist) und Regen (die Tiere mögen es lieber kühler).
Die Ledernackenschildkröten sind faszinierend, sehr groß und schwer. Wir
haben sie schon mittags in der Bucht schwimmen sehen, manchmal kam ein
Kopf oder ihr Panzer zum Vorschein, da meinten wir, ein kleines Beiboot
schwimmt herum.
Hier ein paar Fakten über die Ledernackenschildkröte.
Sie werden bis zu 100 Jahre alt und bis zu 3 Meter groß und bis zu
1500 Pfund schwer. Wenn sie auf die Welt kommen, sind sie so groß wie ein
Finger und handeln vom ersten Moment an aus Instinkt. Ihre Brutzeit dauert 60 Tage, dann legen die Kleinen den Weg vom Strand zum Meer alleine
zurück. Bis heute wissen die Wissenschaftler nicht, wo sie dann hin
schwimmen. Der Führer sagte uns, dass sie davon ausgehen, dass von 100
Eiern nur eine kleine Schildkröte überlebt. Nach 15 Jahren sind die
weiblichen Schildkröten geschlechtsreif und legen das erste Mal Eier! Sie
essen täglich doppelte so viele Qualen wie ihr Körpergewicht ist. Sie
können 45 Minuten unter Wasser schwimmen ohne Luft zu holen und bei einem
Haiangriff tauchen sie in Sekunden senkrecht bis zu 400 Fuß tief. Sie
halten sich gerne in kalten Gewässern auf und kommen nur zum Eierablegen
in die warmen Gewässern.
Unser Führer hieß Garving. Wir können ihn nur
wärmstens weiterempfehlen, er hat uns den gesamten Ablauf der Eierlegung
gezeigt und viel wissenswertes berichtet. Die Führungen macht er
freiwillig. Sie sind 15 Führer, die auf dieser Basis
die Schildkröten beschützen, hinzu kommen 4 von der Regierung
bezahlte Aufpasser, die nachts die Schildkröten für eine Statistik
zählen, Ausmessen und Plaketten anbringen. Diese dient dazu zu sehen,
ob die Schildkröten immer zu dem gleichen Strand zurückkehren bzw. dass an
anderen Strände die Mitarbeiter sehen, dass diese Schildkröte auch schon
in Trinidad war. In Grand Reviere sollen angeblich die meisten
Schildkröten ihre Eier ablegen, es sind ca. 5000 Schildkröten.
Natürlich möchte jeder Ort dieses behaupten, denn sie legen auch
in Mexiko, Tobago, Miami und viele mehr ihre Eier. Die
Ledernackenschildkröten kommen zum Teil aus Südafrika und Madagaskar.
Der
Prozess der Eierlegung dauert in der Regel 1,5 Stunden. die Schildkröten
krabbeln vom Meer hinaus auf den Strand und suchen sich dort den sie für
geeigneten Platz zum Ablegen. Sie handeln rein aus Instinkt und
somit schauen sie auch nicht, ob dort schon Eier vergraben sind, sondern
buddeln ein Loch bis zu 2 Fuß tief. Sollte ihnen ein Stein im Weg sein,
kann es passieren, dass sie das Loch wieder schließen und eine neue
Stelle suchen. Wenn sie mit ihren Flossen keinen Sand mehr aus dem Loch
schöpfen können, beginnt die Phase der Eierlegung. Hier sind sie wie im
Trance, Garving erlaubte uns die Schildkröte zu streicheln und er hob
ihre hintere Flosse, um uns die Eier zu zeigen. Sie legen 80 bis 100
Tischtennisball große Eier und das 10 mal in einer Saison.
Dann kommt
eine Ruhephase von 2 Jahren, wie Garving es nannte: No boyfriend for 2
years. Aber zurück zum Ablauf: Nur in dieser Eierlegphase darf man sie
berühren, so bald sie sich wieder bewegen, hat sie ihre Eier abgelegt und
möchte nicht mehr angefasst werden. Mit äußersten Vorsicht bedeckt sie
dann wieder die Eier mit Sand und drückt diesen fest. Es ist
beeindruckend zu sehen, wie sie dies alles rein aus Instinkt macht und
dabei genau weiß, wie viel Gewicht sie bei jeder Schicht Sand zum
Festdrücken auf die Flossen geben darf. Am Ende versucht sie
ihre Spuren zu verwischen, damit die Feinde nicht wissen, wo sie ihre Eier
abgelegt hat. Völlig erschöpft tritt sie ihren Weg zurück ins Meer an
und ist schnell in den Fluten verschwunden. Wir waren bis 23.00 Uhr am
Strand und haben alleine in dem Abschnitt, wo wir uns aufhielten, 27
Schildkröten gezählt.
Leider dürften wir nachts keine Fotos machen, denn das
Blitzlicht würde die Tiere irritieren. Somit sind wir am nächsten Morgen
um 5.00 Uhr früh noch einmal mit unserem Beiboot zum Strand
gefahren, um die letzten 10 Schildkröten zu fotografieren, die in dieser
Nacht an den Grand Reviere Strand kamen, um ihre Eier abzulegen.
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