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2007 Teil 4: Guanaja bis Bocas del Toro

Ausfahrt GuanajaDie Überfahrt von Guanaja/Honduras nach San Andrés/Kolumbien dauerte von Samstag bis Donnerstag. Überraschenderweise konnten wir hauptsächlich segeln, obwohl es bei normalen Wetterbedingungen 200 Meilen gegen Wind und Welle geht. Wir hatten Glück, mit viel Schräglage hoch am Wind meisterten wir unseren Weg.

Montagnacht verbrachten wir im Virillio Reef, wo uns ein zahnloser einsamer Inselbewohner nach Zigaretten fragte. Ich fragte mich, was dieser Mensch auf einer kleinen Insel, wo es nur Palmen, Sand und Meer gibt, den ganzen Tag macht und isst. Vor allem jedoch, wie er überhaupt dorthin gekommen ist... Leider bekam ich keine Antwort auf meine Fragen.

Varillo RiffDonnerstagabend erreichen wir den Haupthafen von der kolumbianischen Insel San Andrés vor der Küste Nicaraguas. San Andrés ist 13 km lang und 3 km breit. Sie hat 70.000 Einwohner und ist die Ferieninsel der reichen Kolumbianer, die seit den 50er Jahren hier herkommen, um das Trinken, Baden und das Einkaufen (San Andrés ist Freihandelszone) zu verbinden.

Es gibt hier zollfreie Markenartikel, die gerne ausgeführt werden. Auch ich freue mich auf einen schönen Shoppingtag, denn Marken wie Tommy Hilfiger oder Ralph Lauren sind hier zu finden. Jedoch müssen wir erst einmal ausschlafen, die Behördendinge erledigen und einen Überblick über die Insel gewinnen. Sehr hilfreich war Werner von der deutschen Tauchschule, alle Fragen hatte er uns in wenigen Minuten beantwortet. Er bot uns an, unsere Wäsche waschen zu lassen, erklärte uns, wo wir gute Restaurants finden und Supermärkte zum Einkaufen. Ein Internetcafe mit einer guten bzw. schnellen Leitung mussten wir jedoch einen halben Tag lang suchen, aber das gehört ja zu unserem Alltag.

San AndresDie Upps liegt unterdessen sicher im Hafen vor Anker, d.h. Hafen ist einfach eine Bucht im inneren der Rifflandschaft. Ca. 20 Tonnen zeigten uns den Weg durch das Riff, die Farben innerhalb des Riffes sind spektakulär. Kleine Inseln, flaches hellblaues Wasser umgeben uns, wir können vom Schiff aus schwimmen gehen. Es ist halt eben die Karibik von ihrer schönsten Seite. Wir liegen hier mit nur vier anderen Schiffen, was in der Ostkaribik undenkbar wäre. Dort würden wir an so einem Ort wie San Andrés mind. 50 Segelschiffe vorfinden. Aber hier her kommen nur wenig Segler, da es fernab von der Barfußroute liegt.

Wir verweilen eine Woche auf San Andrés, gehen einkaufen und genießen den europäischen Flair. Leider war die Sicht fürs Tauchen zu schlecht, da starker Ostwind herrschte. Wir sind einmal mit Werners Tauchschulboot zu einem Steilhang im Meer herausgefahren. Ralf, ein Freund von Werner, hat den Tauchgang geführt. Wir waren uns alle einig, dass bei diesen Sichtbedingungen ein weiterer Tauchgang keinen Sinn macht und haben die Tagestour nach dem ersten Tauchgang abgebrochen. Echt schade!

Ausfahrt San AndresDer Wind bläst mit 20 Knoten von 90 Grad, wir holen unseren Anker auf und segeln Richtung Bocas del Toro, Panama. In den ersten 24 Stunden segeln wir im Durchschnitt 7 Knoten, dementsprechend verkürzt sich unsere Überfahrt um eine Nacht. Leider mit Sonnenaufbruch geht der Wind weg, wir müssen die letzten 50 Seemeilen motoren.

Während wir auf die Riffeinfahrt zufahren, unterhalten Bernd und ich uns über die Ähnlichkeit der hiesigen Landschaft mit Tobago, wo wir vor einem Jahr waren. Die Gegend erinnert uns an die Bucht, wo wir damals die Eiablage der Ledernackenschildkröten beobachtet haben. Wie der Zufall es will, taucht in diesem Moment eine Ledernackenschildkröte an unserem Bug auf. Auch hier kommen sie her, um ihre Eier abzulegen.

Dazu ein kleines Märchen aus unserem Reiseführer:

LeguanDie Schildkröte und der Leguan

Dieses uralte Märchen der Indigenas der Provinz Bocas del Toro erzählt die Geschichte, wie die Schildkröte eigentlich zu ihrem Panzermuster kam. Und wie so viele Märchen beginnt auch dieses mit: Es war einmal...

... ein Leguan, der eine Schildkröte zu einer Wette überredet, um zu sehen, wer von beiden der Mutigste sei. Um das herauszufinden, mussten beide von einem Baum in einen Fluss springen. Der Leguan war als Erster an der Reihe, er atmete tief ein, hielt die Luft an, sprang tollkühn in das Wasser und kletterte mit einem Grinsen im Gesicht an der anderen Flussseite wieder an Land. Dank seines schlanken, gelenkigen Körpers hatte er den Sprung unverletzte überstanden.

Ledernackschildkröte vor Bocas del ToroJetzt war die Schildkröte an der Reihe. In tausend Ängsten schwebend, die Augen geschlossen, sprang auch sie in das tosende Wasser des Flusses. Dabei schlug sie an einen Felsen und ihr Panzer zerbrach in viele Stücke. Ein Fisch und eine Languste, die die Wettkämpfer beobachtet hatten, eilten der Schildkröte zu Hilfe. Die Languste schenkte der völlig verzweifelten Schildkröte ein Stück ihres Fühlers als Draht, vom Fisch bekam sie eine Gräte als Nadel, damit sie ihren Panzer nähen konnte. Als die Schildkröte mit dem Flicken ihres Panzers fertig war und das Muster ansah, sagte sie mit Tränen in den Augen: „Wenn mich der Leguan so sieht, wird er mich sicher auslachen und verspotten. Ich bleibe von nun an für immer im Wasser...“

Einfahrt Bocas del ToroWir erreichen die Einfahrt von Bocas del Toro, wieder zeigen uns die roten und grünen Tonnen den Weg in die Rifflandschaft bzw. Insellandschaft. Die Provinz Bocas del Toro liegt in der nordwestlichen Ecke von Panama, ca. 30 Meilen von der Grenze zu Costa Rica entfernt. Die Provinz umfasst zwei große Buchten oder Lagunen: Bahia Almirante und der Laguna de Chirique mit 8 Hauptinseln, 51 kleinen Inselchen und über 200 Miniinseln. 

Christoph Columbus entdeckte Bocas del Toro auf seiner vierten oder letzten Reise. Er war fasziniert von der Schönheit der Gegend, was sich bis heute bei den Reisenden nicht geändert hat. Die Gegend wird gerne von Backpackern und Seglern besucht.  

Im Nordwesten der ruhigen Bahia de Almirante liegt die ca. 15 km lange Isla Colón, wo auf dem Südzipfel die Provinzhauptstadt Bocas del Toro liegt. Vielleicht ist Hauptstadt eine etwas üppige Bezeichnung für den Ort, der von einem lässigen Karibikflair geprägt wird. „Nur keine Hektik“ scheint hier die Devise der freundlichen Bevölkerung zu sein. Die drückende Schwüle lässt eben keine schnellen Bewegungen zu und verführt öfters zum Nichtstun. 

Mit dem Abzug der Amerikaner, die heute ihre Bananengeschäfte von Changuinola und den USA aus führen, wurden die Häuser ihrem Schicksal überlassen. Naturkatastrophen wie der Wirbelsturm im Jahr 1962 oder das Erdbeben von 1991 haben den Verfall beschleunigt.

Bocas del ToroMittlerweile sind aber viele europäische und amerikanische Touristen dem karibischen Flair der Insel erlegen, haben alte Häuser gekauft, renoviert oder durch modernere ersetzt, und sie versuchen sich mit Hotels, Pensionen, Kneipen und Restaurants eine Existenz unter der Sonne aufzubauen. Somit entdecken wir auch ein Hotel Heike und eine deutsche Bäckerei mit dunklem Brot. Sehr lecker! Wir finden auch einige schöne Restaurants und dürfen thailändisches Essen genießen.

Übrigens wird das Dingi an der Pirates Bar festgemacht, dort liegt ein Dingi Dock. Bei der Einreise haben wir die beschriebene Pier beim Hafenmeister nicht gefunden, aber dieser ist sehr freundlich und spricht sogar ein paar Worte deutsch. Über Funk teilte er uns mit, dass er und seine Kollegen von den anderen Behörden zu uns ans Boot kommen. Wir sollen vor den Ort vor Anker gehen.

Eine unerwartete Einklarierung, die einige Stunden in Anspruch nahm, begann. Wegen Regen kamen die 3 Herren und eine Dame nach ca. 3 Stunden an die Upps. Es wurde sich umgeschaut, Lebensmittel kontrolliert, der Müll durchgeschaut und eingepackt und viele Papiere ausgestellt. Jedoch mussten wir später ins Büro des Hafenmeisters kommen, um unser Cruiserpermit letztendlich zu erhalten und unser Wechselgeld abzuholen. Wir haben 72 US Dollar für Taxiboot, Immigration, Lebensmittelkontrolle und 69 US Dollar für den Hafenmeister bezahlt.

Die UPPS hat die Genehmigung für einen 90-tägigen Aufenthalt bekommen, wir als Crew jedoch nur für 30 Tage. Dann müssen wir eine Verlängerung beantragen, die wiederum Geld kosten wird. Zudem müssen wir uns eine Zarpe für jeden Hafen holen, was auch wiederum Geld kostet. Das hatten wir vorher nie in unseren Pilot gelesen und auch nicht gehört. Haben sie somit nur uns über das Ohr gehauen oder ist das nun für alle Segler die Realität?  Wir werden es in wenigen Wochen erfahren, wenn unsere Freunde  in diese Gegend reisen werden. Über Funk waren sie von unseren Beschreibungen sehr erstaunt.                                       

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