|
2007 Teil 5: Bocas del Toro
bis Colon
In unserem Seglerleben gibt es täglich
immer wieder neues zu entdecken und neue Gegenden zu erkunden. Diesmal führte
uns unsere Reise von Bocas del Toro
nach Colon, der Stadt am Eingang des Panamas Kanals auf der karibischen bzw.
atlantischen Seite.
Bocas del Toro ist eine sehr schöne
Segelgegend, in der man sich leicht einen Monat aufhalten könnte. Eine Bucht an
der anderen reihen sich aneinander, klares Wasser und Regenwald vervollständigen
das schöne Bild.
Eigentlich wollten wir nur Wasser in der
Marina in Bocas del Toro aufnehmen, aber die Marina bot uns am Dingisteg eine
wunderbare Gelegenheit unser Leck im Beiboot zu reparieren und schon blieben wir
in dieser wunderschönen Marina für zwei Tage.
Die Mitarbeiter waren sehr freundlich und
hilfsbereit und die Anlage ist sehr gepflegt. Einfach eine der schönsten Marinas
unserer Reise. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und für mich persönlich habe ich
eine unvergessliche Begegnung gehabt.
Als ich gerade unsere Wassertanks mit
Wasser füllen wollte, sprach mich unser Schiffsnachbar an, und wies mich darauf
hin, dass ich besser einen Filter benutzen sollte, denn das Wasser beinhalte
viele Sedimente.
Guter Tipp, aber leider bringt Jo erst
nächste Woche so einen Filter mit. Somit bot der nette amerikanische Nachbar mir
seinen Filter an und wir kamen ins Gespräch. So lernte ich meinen ersten
Kreuzfahrtschiffs-Kapitän kennen.
Leider war die Zeit mit Steven,
viel zu kurz, denn ich hätte ihn stundenlang über seine Tätigkeit und sein Kreuzfahrtschiff
befragen können. Aber, wir waren ja in der Marina zum
Arbeiten, somit hatte ich nur beim Abendessen im Restaurant die
Gelegenheit. Schade!
Wenn man nur wenig Zeit für die
Provinz Bocas del Toro hat, so sollte man auf jeden Fall auf den Weg nach
Colon einen Stopp an den
Cayos Zapatilla
einplanen. Es sind zwei kleine Inseln umgeben von glasklaren blauen Wasser, die
man in einer halben Stunde zu Fuß umrunden kann. Bernd und ich haben sogar das
Glück einen Tag mit blauen Himmel und Sonne trotz Regenzeit an den Cayos zu
erwischen, so dass wir ewig im Wasser schwimmen, am Strand Beachball spielen und
einen Strandspaziergang einlegen.
Am
nächsten Tag ist der Himmel wieder Wolken verhangen und wir liften den Anker und
nehmen Kurs auf die Insel
Escudo de
Veraguas. Hier leben zwei Familien, ansonsten eine sehr wilde Natur.
Irgendwie ist diese Insel unheimlich. Wie fühlen uns bei unserem Landgang wie
Columbus bei der Entdeckung der karibischen Inseln. Wir haben das Gefühl,
das gleich die Krieger aus den Büschen gesprungen kommen, was vielleicht daran
lag, dass wir am Strand ein Skelett vom einem großen Fisch gefunden haben.
Mit groß meine ich wirklich groß. Die Wirbelsäulenknochen
entsprachen denen eines Menschen. Der Kopf lag
auch
gleich dabei. Somit wussten wir, dass es eine Fischart war. Die Kopfgröße
entsprach auch einem Menschenkopf, aber wies eine Schnabelform auf. Der
Ankerplatz ist für ruhiges Wetter gut geéignet, kann aber rollig werden. Da wir
am nächsten Morgen 10 - 15 Knoten Wind aus Westen haben, legen wir ab und segeln
zum ersten Mal mit unserem neuen Genacker. Selbst bei wenig Wind schaffen wir es
mit 6 Knoten zu segeln. Das ist ein Spaß, hätten wir doch dieses Segeln schon
auf dem Atlantiküberquerung gehabt, dann hätte Bob nicht gewonnen.
Kurz vor Colon beschließen wir noch einen
kurzen Abstecher in die Natur einzulegen und ankern im
Rio Chagres, einem Fluss,
der aufgestaut wurde, um den künstlichen See für den Panama Kanal zu speisen.
Man kann bis zu 6 Seemeilen Flussaufwärts bis zur Staumauer fahren. Das wollen wir dann mit Jo
erleben, da der Rio Chagres durch den Regenwald
führt, was eine schöne Abwechselung sein wird.
Über uns fliegen Papageien, Brühlaffen hören wir aus dem dichten Grün, das uns umgibt. Wir sind mitten im
Regenwald, jedoch hören wir in der Ferne die großen Schiffe hupen und abends
sehen wir am Himmel die orange Beleuchtung des Hafens. Komisches Gefühl mitten
in der Natur und doch in der Nähe eines der wichtigsten
Schifffahrtswege der Welt zu sein.
Am nächsten Morgen liften wir unseren Anker
und motoren nach Colon. Schon aus der Ferne sehen wir 5 große Schiffe auf
Reede
vor der Hafeneinfahrt in Colon liegen. Mit jedem Meter, den wir uns der
Einfahrt nähern, tauchen mehr Schiffe auf. Uns wird klar, wir sind am Ende des
karibischen Meeres angelangt sind. Wir nähern uns dem nächsten Tor zu einer uns
unbekannten und großen neuen Welt, dem Pazifik.
Irgendwie liegt das gewisse Etwas in der
Luft, dieses etwas, das man spürt, wenn ein neuer Abschnitt beginnt. Am liebsten
wären wir den Frachtern gefolgt zur ersten Schleuse des Panama
Kanals. Gleich los und durch – so nach dem Motto: Hallo, Pazifik hier sind wir!
Wir
befahren den ersten Kilometer des Kanals. Aber dann müssen wir
leider nach links ins Ankerfeld der Segler abbiegen und
ankern. Der Frachter zieht weiter... aber ich rede hier von Schiffen, die
Hochhäusern entsprechen. Ich meine, ich habe ja schon einige Schiffe aus diesen
Weltmeeren gesehen, aber hier ist die Creme del Creme – riesig!
In den nächsten Tagen bräuchte ich nichts
anderes zu tun als dem Treiben des Hafens zu zusehen oder zu beobachten, welche
Schiffe aus bzw. in die Schleuse fahren. Aber dafür ist nur selten Zeit, da wir
zum einem Colon, die Stadt bzw. die Supermärkte und Einkaufgegebenheiten
entdecken wollen, die Marinas erkunden müssen und neue Batterien kaufen wollen.
Unsere geben ihren Geist nun endlich auf und haben es verdient, den Dienst auf
der UPPS zu quittieren.
Colon, so wurden wir schon vorher mehrmals
gewarnt, ist ein Drecksloch – und das ist es wirklich! Den Ankerplatz finden wir
voll o.k., da haben wir schon schlimmeres erlebt, aber die Stadt ist echt das Übelste, was wir bisher auf unsere Reise
gesehen haben. Hier sollte man wirklich nicht zu Fuß unterwegs sein, sondern für
jeden Weg und sei er noch so kurz, ein Taxi nehmen, das aber auch nur 1 Dollar
im Stadtgebiet kostet.
Wir fangen mit unserer
Erkundungsjagd beim Panama Yacht Club an. Laut Buchbeschreibung sollen die Mitarbeiter der Marina sehr
hilfsbereit und freundlich sein, was wir weiß Gott nicht bestätigen können.
Oh
Mann, so einen schlechten Service haben wir uns lange nicht mehr erhalten. Maria
ist einfach eine arrogante Zicke. Ohne Worte!
Nach langem hin und her, legen wir zwei Tage später in der
Shelter Bay Marina
an, einer neue sehr schöne Marina, die mitten im Naturschutzgebiet liegt.
Nur
der Preis ist entsprechend, diesen haben sie seit dem letzten Jahr
verdoppelt. Wir sollen pro Nacht 50 US Dollar zahlen, was dann doch dem Rahmen
sprengt. Schließlich entdeckt Bernd, das der Wochenpreis erheblich billiger ist,
selbst 5 Tage wären teuerer als eine Woche. Mathematik a la Panama!
Wir wollen eine Woche bleiben, um unsere neuen Batterien an Bord zu nehmen,
die Seewasserpumpe zu reparieren und
Jo, die hier ihre Ferien verbringen wird, aufzunehmen.
Dank des Transports der Batterien von Colon zur
Shelter Bay Marina, die uns der freundliche Geschäftsführer des Ladens mit
dem Auto zu unserem Schiff gefahren hat, konnten wir das erste Mal einen näheren
Blick auf den Panama Kanal und die Schleusen werfen.
Bernd und mir blieb die Spucke weg! Das
kann nicht wahr sein, dass wir da durch sollen!!! Die
Schleuse entspricht einer Schleuse am Main, die großen Schiffe erscheinen
eingequetscht. Wo sollen wir denn da noch hin?
Als wir durch bzw. über die
Schleußenausfahrt fahren, hängt neben uns ein riesiges Schiff in der Schleuse. Schade, dass ich
kein Fotoapparat dabei hatte. Stellt Euch vor, dass ca. 100 Meter neben Euch
ein riesiger Frachter scheinbar über Dir
schwebt.
Ich meine, das ist einfach Wahnsinn! Ich traue meinen Augen nicht und
tröste mich damit, dass wir ja nicht so bald da durchgehen. Wenn es soweit sein
wird, kann ich immer noch nervös werden. Für heute war es sehr interessant, den Panama Kanal persönlich
kennen gelernt zu haben. Ich meine, bisher kannten wir ihn ja nur von Bildern
und Beschreibungen.
Weiter
zu den Bildern dieser Reise
Weiter zum Reisebericht
2007 Teil 06: Panam City bis Miramar
zurück zu
2007 Teil 04: Guanaja bis
Bocas del Toro
|