|
2007 Teil 7:
San Blas mit Jo-Svenda

"In Panama", sagte er, "ist alles viel schöner, weißt du.
Denn Panama riecht von oben bis unten nach Bananen. Panama ist das Land unserer
Träume, Tiger. Wir müssen sofort morgen nach Panama..."
Janosch
Es gibt heutzutage nur noch
wenige reizvolle Länder, die nicht von Urlaubern überschwemmt sind, keine
touristisch maßgeschneiderten, künstlichen Welten haben und nicht vom
Tourismuskommerz und -konsum geprägt werden. Panama ist eines davon. Panamas
machen es zu einem der letzten Paradiese auf der Erde, zu einem jungfräulichen
Land in jeder Hinsicht.
In
Kuna Yala finden wir die
ungeahnten Schönheiten, die Panama (das kleine Land im Südosten Zentralamerikas,
das meistens in einem Atemzug mit dem Panamakanel erwähnt wird) zu bieten hat:
viele palmengesäumte, menschenleere Strände, mehr Inseln, als das Jahr Tage
zählt, ehrwürdige historische Stätten und Natur in Hülle und Fülle.
Diese
paradiesischen Inseln bilden die
Heimat der Kuna. Sie sind einer
der wenigen ursprünglichen Kulturen des amerikanischen Kontinents, die von der
kolonialen Epoche und ihren Folgen kaum berührt wurden. Zu deren Territorium
gehört ein schmaler Kontinentalstreifen entlang der nordöstlichen Karibikküste
und zahlreiche, dem Festland vor gelagerte Inseln. Die Kunas haben ihre
Welt gut im Griff, was ihnen den Respekt bei den anderen Bewohnern des Landes
eingebracht hat. Jahrhunderte lang waren die Kunas durch die Serrania de San
Blas und die Serrania del Darién vom Rest des Landes abgeschnitten,
wodurch sie ihre Kultur weitgehend beibehalten konnten.
Bis
heute ist diese Gegend schwer zugänglich für Fremde. Es gibt nur wenige
Hotels, die im Ortsbild integriert sind und von den Kunas selbst
betrieben werden. Kuna Yala ist mit kleinen Flugzeugen oder per zu Schiff zu
erreichen. Der Tourismus auf den Inseln wird zum Schutz der Kuna-Kultur in
bewussten Bahnen gelenkt. Generell sind die Touristen nur auf bestimmten Inseln
willkommen.
Wer individuell eine Insel besuchen möchte,
der benötigt eine Erlaubnis des jeweiligen Dorfrates oder der Kaziken. Bei den
Seglern ist das ein wenig anders. Wir dürfen die Inseln ohne große vorherige
Erlaubnis besuchen, müssen jedoch eine Inselgebühr bezahlen und die jeweiligen
Regeln der Insel neben den 52 generellen Regeln ( z.B. Segler dürfen kein
Chartergeschäft betreiben, es darf nicht getaucht werden, FKK sowie mit Bikini
auf eine Inseln zu gehen ist verboten ) beachten. Diese wurden 1999 beschlossen,
um die Überfremdung zu verhindern. In den Jahren davor mussten die Kunas immer
wieder beobachten, wie spärlich bekleidete Touristen mit Video- und Fotokameras
respektlos durch die Dörfer zogen oder nackt im Meer badeten. Wer nun als
Tourist eine dieser Regeln nicht beachtet, wird schonungslos von der Insel
verwiesen.
Das
Kuna Volk zeigt nur wenig Bedarf an dem Lebensstil des 20. Jahrhunderts, obwohl
sie die moderne Welt auf der anderen Seite der Serrania de San Blas kennen. Auf
den Inseln läuft das Leben seit jeher im selben Rhythmus ab. Am Morgen fahren
die Kuna mit ihren Einbaumbooten zum Fischen oder auf das Festland, um Süßwasser
zu holen und dort ihre Felder zu bestellen. Die Frauen konzentrieren sich neben
ihrer Hausarbeit auf den Verkauf der Mola, die sich zu einem begehrten Souvenir
entwickelt hat.
Schätzungsweise 50 San-Blas-Inseln und wenige Siedlungen
auf dem panamaschen Festland sind bebaut mit kleinen traditionellen Häusern aus
Bambus, Schilf und Palmblättern. Jede Insel bietet Unterkunft für Hunderte von
Menschen. Die Gemeinschaft wird vom Kaziken und vom Dorfratangeführt, die
gemeinsam über den traditionellen Lebensstil nach alten, ungeschriebenen
Gesetzen wachen.
Unsere
Reise mit Jo führt uns in den Westteil der San Blas, wo man
traumhafte
Ankerplätze vorfinden kann, menschenleere Inseln und einige Kuna Dörfer. Mit Jo
hielten wir uns weitgehend auf den äußern Inseln auf, wo man im glasklaren
Wasser baden gehen kann. Jo bevorzugte die unbewohnten Buchten, wo keine Kunas
mit dem Boot vorbeikamen um Molas zu verkaufen.
Uns wurde von anderen Seglern berichtet, dass die
Kuna sehr
zurückhaltend wären, jedoch sehr neugierig sind und auch schon die
Annehmlichkeiten der Segler kennen gelernt haben. Das können wir nur bestätigen,
müssen zudem feststellen, dass sie den Dollar kennen und schätzen gelernt haben.
Ihre Zurückhaltung nimmt immer mehr ab und es kann gut passieren, dass sie zum
Schiff kommen, um ihr Handy geladen zu bekommen. Ja, sie haben Handys, aber ja
kein Strom!
Ohne
Frage, sie leben noch sehr traditionell, jedoch sind wir der Meinung, dass der
Einfluss der Segler bzw. des Westens deutlich merkbar ist. Nach unserer
Erfahrung im Orinoco Delta leben die Menschen dort weitaus traditioneller als
die Kunas, oder sollte man sagen, im Orinoco hat man noch nicht entdeckt, dass
der Doller und nicht das Tauschgeschäft die Welt regiert. Die Kokosmuss ist bis
heute bei den Kunas heilig, weswegen man sie besser nicht berührt, aber sie ist
nicht mehr ihre Währung!
Wir besuchten
3 Dorfgemeinschaften, was Jo interessant
fand, diese Lebensart war ihr doch sehr fremd und ungewohnt. Mindestens 3
Generationen leben unter einem Dach, kein eigenes Kinderzimmer, kein Strom.
Toiletten bestehen aus einer kleinen Bambushütte, die übers Meereswassers gebaut ist,ohne Toilettenschüssel, sondern stattdessen zwei Bambusstäbe. Nachdem Jo bei
einem gemeinsamen Abendessen mit anderen Seglern in einem Kuna Restaurant
erfährt, dass es Krokodile in Festlandnähe gibt, hat sie genug gesehen und
gehört. Da bevorzugte sie eher unser Grillabend am Strand weit weg vom
Festland, die Strandspaziergänge und DVD Abende!
Zurück
in der Marina, wird Jos Laune sichtlich besser. Eine schöne Dusche,
Internetanschluss und ein schönes Restaurant bringen den westlichen
Lebensstandard zurück. Jo meinte, sie hätte all das in Kuna Yala nicht vermisst
und wäre gerne länger geblieben, aber jetzt, wo sie es zurück hat, weiß sie es
zu schätzen.
Wir fahren zurück nach Panama und gehen zum Leidwesen von
Bernd die restlichen zwei Tage ausgiebig Shopping in der Mall. 4 Wochen sind
vorbei und der Abflug steht an. Mit der Kinderbetreuung verschwindet Jo ins Gate,
wir bleiben einsam und traurig zurück!
Lieben Dank Jo für die schöne Zeit mit Dir!
Weiter
zu den Bildern dieser Reise
Weiter zum
Reisebericht 2007 Teil 08: Panama-Kanal mit S/Y Sabbatical
zurück zu
2007 Teil 06: Panama City bis Miramar
|