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2007 Teil 08: Panamakanal mit S/Y Sabbatical

Einfahrt in die Gatun-Schleuße

Auf unserer Rückreise von den San Blas haben wir beim Schwimmen am Strand von Isla Grande Chanel und ihre 4-jährigen Zwillinge ( Evie und Pjotre ) aus den Niederlanden kennen gelernt. Wir kamen ins Gespräch, eine typische Seglerunterhaltung: Wo kommt ihr her? Wie lange seid ihr schon unterwegs? Wo wollt ihr als nächstes hin? Geht ihr durch den Panamakanal? Dabei stellten wir fest, dass wir beide auf den Weg nach Colon zur Shelter Bay Marina waren. Ein heftiges Gewitter unterbrach uns dann, so dass wir schnell zu unseren Schiffen zurück eilten.

Nachdem Bernd und ich von Panama City in der Marina zurückgekehrt sind, bekommen wir abends von Chanel Besuch. Sie berichtete uns, dass sie ihre Kanaldurchfahrt vorbereiten und fragte uns, ob wir Lust und Zeit hätten mit ihnen durchzugehen. Wir freuten uns und sagten sofort zu. Wir hatten bereits geplant, dass wir die erste Durchfahrt als Leinenhändler auf einem anderem Segelschiff machen wollen, sozusagen einen Probelauf, bevor wir die UPPS durchbringen.

Einfahrt in die Gatun-SchleußeJedes Segelschiff benötigt für die Durchfahrt einen Kapitän und 4 Leinenhändler und einen Panama Canal Adviser. Somit ist es gang und gebe, dass die Segler sich untereinander helfen. Zudem ist ja eine Panamakanal-Durchquerung ein einmaliges Erlebnis! Drei Tage später sollte es losgehen, wir beschlossen die UPPS in der Shelter Bay Marina zu lassen, dort liegt sie sicher und gut geschützt.

Vorab möchte ich jedoch erst einige Daten und Fakten zu dem Panamakanal geben, sozusagen alles auf einen Blick: 

Gatun-SchleußeDer Panamakanal besteht aus 3 Schleusen auf der atlantischen Seite, die so genannten Gatun-Schleusen. Nach den Schleusen durchfährt man auf einer Strecke von ca. 21 Seemeilen einen künstlich aufgestauten See, dem Gatun-See. Von dem Gatun-See wird man dann in der Pedro-Miguel-Schleuse in den Miraflores-See geschleust, den man auf einer Länge von 1,6 km durchquert. Am Ende kommen die beiden Miraflores-Schleusen, die dann den Weg in dem Pazifik eröffnen. Die Durchfahrt dauert in der Regel 8 bis 10 Stunden.

Kanalfahrrinnen: 81,6 km lang, 153 m breit, 12 m tief
Schleusenkammer
: 305 m lang, 35,5 m breit, 24,5 m tief
Gatun-Damm
: Länge 2,4 km, Breite 800 m unten, 30 m oben 

Gesamtbauzeit: 10 Jahre (1904-1914)
Gesamtbaukosten
: 387 Mio. US-Dollar
Erdbewegungen
: unter den Franzosen (1881-1898) 23 Mio. Kubikmeter, unter den USA (1904-1914) 177 Kubikmeter

Eingesetzte Arbeitskräfte: ca. 75.000
Tote
: durch Krankheiten und Unfälle: ca. 25.000
Gegenwärtig eingesetzte Arbeitskräfte: 7500, davon 90% Panamaer

Schiffe pro Tag: durchschnittlich 38
Schiffe pro Jahr
: durchschnittlich 14.000 

Webpage: www.pancanal.com (bei den Miraflores-Schleusen befinden sich Webkameras!)

Für die Segelschiffe beginnt die Durchfahrt in der Regel gegen 16.00 Uhr am Nachmittag. Wir nahmen unsere zwei Kanal Adviser auf, die natürlich zu spät kamen, denn in Südamerika hat man es nicht mit der Pünktlichkeit. Gegen 18.30 Uhr fuhren wir dann hinter einem Frachtschiff in die erste Schleuse. In unserem Fall wurden wir mit einem anderem Segelschiff geschleust, so dass nur an einer Seite Leinhändler benötigt wurden, denn unsere Schiffe wurden vor der Schleuse aneinander gebunden. Kaum waren wir gemeinsam in die Schleuse eingefahren, schlossen sich hinter uns die Toren und der Wasserspiegel stieg. Ich dachte, dass dies der kritische Moment sei, da das einlaufende Wasser für Unruhe sorgen würde, aber dem war nicht so.

In wenigen Minuten hatten wir die 8m Anhebung geschafft und das vordere Schleusentor öffnete sich, weiter geht es in die nächste Schleuse. Der Frachter vor uns fuhr sehr langsam an, sein Pilot wurde vorher informiert, dass Segelschiffe hinter ihnen in der Schleuse sind. Seine Schraube könnte uns bei schnellerer Anfahrt ziemliche Probleme bereiten.   

Gatun-SeeSo wurden wir noch durch die zwei weitere Schleusen geschleust und schon waren wir im Gatun-See. Der Frachter fuhr schnell davon, und wir lösten die beiden Segelschiffe voneinander. Da wir bei uns die erste heikle Situation, mit der niemand gerechnet hatte. Alle waren schon in bester Laune und glücklich, dass wir die ersten drei Schleusen so gut gemeistert haben. Jedoch beim Lösen der Springs wird der vordere Festmacher aus Versehen losgelassen, so dass die beiden Schiffen vorne auseinander treiben, aber hinten noch miteinander verbunden sind. Jetzt bricht Hektik aus, aber wir schaffen, einen Zusammenstoss zu vermeiden. PUH!

Wir fahren zu unserem Ankerplatz und die Canal Adviser gehen für heute von Bord. Vorher warnen sie uns allerdings noch, dass wir auf keinen Fall im See schwimmen gehen sollen, denn es gibt hier Krokodile bis zu einer Größe von 8 Metern! Vor 4 Wochen wurde ein Angler, auf einem Stein am Rande des Kanals saß, von einem Krokodile ins Wasser gezogen und war nie mehr gesehen. Alles klar, das waren deutliche Worte, wir hielten uns vom Wasser fern! 

Gatun-SeeAm nächsten Morgen sollte es um 6.00 Uhr weitergehen, aber wie immer, die Adviser kamen viel zu spät und erschienen erst um 10.30 Uhr. Das andere Segelschiff fuhr volle Fahrt voraus und bald konnten wir es nicht mehr sehen. Wir fuhren unsere 6,5 Knoten, der Adviser meinte, die Geschwindigkeit sei in Ordnung. Leider war dem nicht so, denn wie sich später herausstellen sollte, haben wir unseren Slot in den weiteren Schleusen verpasst und mussten vor der Pedro-Miguel-Schleuse ankern. Allerdings ist die Durchfahrt durch den Gatun-See traumhaft schön. Man fährt durch den Regenwald, unbeschreiblich ist das Erlebnis! Vielleicht geben die Fotos einen Eindruck wieder! 

Unser Adviser wollte zwar seinen Fehler nicht zu geben, wir sind hier ja in Südamerika, aber ein zweiter Adviser, der noch angelernt wurde und vor der Schleuse zu uns an Bord kam, sagte uns, dass wir viel zu langsam waren. Nun begann eine lange Warterei, denn wir konnten erst abends geschleust werden. Am Nachmittag werden die "großen" Schiffe geschleust, bei denen kein Platzt mehr in der Schleuse für uns ist. Sie kommen in der Regel früh Morgens im hellen in die erste Schleuse und werden bei Tageslicht durch den gesamten Kanal geschleust, da es sich hier um Maßarbeit handelt. Oft sind nur weniger Zentimeter zwischen Schiff und Staumauer. 

So warteten wir von mittags 14.00 Uhr bis abends 20.00 Uhr an der Schleuse bis endlich der Frachter auftauchte, mit dem wir durch die Schleuse gehen dürften. Der Adviser, der gerade angelernt wurde, sagte uns, dass wir Glück hätten, denn normalerweise schicken sie die Segelschiffe in so einem Fall wieder zurück zum Ankerplatz und Schleusen am nächsten Tag erst wieder. Bei Dunkelheit fuhren wir nun vor dem Frachter in die Schleuse, d.h. wir mussten mind. 5 Knoten fahren, damit er uns nicht überfuhr. Er kann uns nicht sehen! 

Schleußen-AmpelDie erste Schleuse ging ohne Probleme, und somit schnell durch den Miraflores See, damit der Frachter uns nicht überfahrt. Dann kommen die Miraflores Schleusen und hier beginnt die Schwierigkeit, denn es mischt sich das Süßwasser mit dem Salzwasser und es entstehen Strudel! Der Kapitän muss beachten, dass wir nicht an eine Seite der Staumauern betrieben werden. Zudem schiebt der hereinfahrende Frachter eine Menge Wasser vor sich her, wodurch eine starke Strömung einsetzt. Da müssen die Leinen beim ersten Werfen sitzen, sonst hat man ein Problem. Es sind spannende Minuten und beeindruckende Momente. Wir haben alle immer wieder nach hinten geschaut und gehofft, dass der Frachter rechtzeitig zum Stehen kommt.

Balboa-YachtclubUnd dann ist es endlich soweit, wir erreichen den Pazifik! Wir sind im nächsten Ozean angekommen und ein neuer langer Weg liegt vor uns! Aber erst einmal ist für heute genug und wir gehen an die Mooring im Baboa Yachtclub.

Wir freuen uns, dieses Erlebnis mit der Upps bald wiederholen zu können.

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