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2008 Teil 2:
Panama-Kanal: Transit der UPPS

Es ist Freitag der 7. März 2008 um 15.00 Uhr, Bernd und ich rennen zum letzten Mal durch die Marina um uns bei dem einem oder anderem zu verabschieden bzw. letzte Erledigungen zu machen. Jeder von uns hatte seinen eigenen Stress in den letzten Tagen und unsere Anspannung vor der Panamakanaldurchfahrt ist deutlich zu merken.  

Kurt und Doris von der KurtisaneUnsere Leinenhändler Eva, Doris und Kurt kommen pünktlich an Bord und wir haben eine kleine Besprechung über den Ablauf der Kanaldurchfahrt. Zudem zeigen wir ihnen unser Schiff und was sie wo finden und erklären, wie die Toiletten funktionieren.  

Um 15.30 Uhr werfen wir die Leinen los, Horst von der Albatros II steht an der Pier zur Verabschiedung. Kaum zu glauben, wir verlassen die Shelterbay Marina nach 6 Monaten Aufenthalt. Heute sind wir das Schiff, auf das alle schauen und denken, guck mal, die gehen heute durch den Panamakanal. Wie oft sah ich den anderen Schiffen zu, wie sie mit ihren Reifen am Rumpf den Hafen verließen und Richtung Panamakanal fuhren! Heute aber nicht, heute bin ich auf diesem Schiff! 

Kaum haben wir den Marinabereich verlassen, fahren wir durch das Ankerfeld des James Bond Films, der gerade hier und n. Woche in der Marina gedreht wird. Unsere Freunde von der Vonnie-T sind auch von der Partie, denn die James Bond Crew hat händeringend Schiffe gesucht, die zur Kulisse vor Anker liegen und dafür bekommen sie nun täglich 100 Dollar. Nicht schlecht, oder? 

Advicer PhillipoHeike und Wolfgang stehen an Deck und winken zum Abschied! Sie wünschen uns eine gute Durchfahrt und hoffen, sie werden uns eines Tages wieder sehen. Wir steuern auf das offizielle Ankerfeld zu, wo unser CanalAdviser um 16.45 Uhr an Bord kommen soll. Aber wir sind hier ja in Panama und somit ist klar, dass er nicht pünktlich kommen wird. Wir kreisen unsere Runden und um 17.30 Uhr hält das Lotsenboot auf uns zu. Unser Canal Adviser Phillipo kommt an Bord!

Er stellt sich vor und versucht sich alle Namen der UPPS Crew zu behalten, denn er möchte uns in den folgenden Stunden so persönlich und direkt wie möglich ansprechen, damit wir schnell reagieren. Er ist ein sehr netter Kerl mit lustigen Sprüchen auf der Lippe, der mit uns auch als erstes eine Besprechung macht. Wir gehen theoretisch den Ablauf der Durchfahrt durch und er gibt uns Tipps, auf was wir achten sollten. Dann legt Bernd den Gang ein und wir fahren Richtung erster Schleuse, der Gatun-Schleuse. 

Auf dem Weg besprechen Phillipo und ich den Ablauf wegen dem Abendessen (jedes Segelschiff ist verpflichtet, dem Canal Adviser ein Abendessen zu servieren) und schon bricht bei mir die Panik aus. Irgendwie haben wir wohl aneinander vorbei kommuniziert, da ich dachte, er will sofort essen. Also renne ich in die Küche und bereite das Abendessen vor. Voller Panik, da ich dachte, es geht gleich in die erste Schleuse. Aber schnell sind die Soße und die Nudeln gekocht, und wir kreisen immer noch vor den Schleusen.

Nesten in der SchleußeDie Schiffe, die herausgeschleust werden, haben Verspätung, bei einem Autofrachter ist der Ingenieur während des Schleusens gestorben, so dass nun ein kleiner Stau entsteht. Hinter uns bildet sich ein Schiffsstau mit ca. 7 großen Frachtern, wir müssen ganz links in der Fahrrinne bleiben, damit sie uns nicht rammen. Sie haben keine Chance uns zu sehen, wissen jedoch aufgrund des Funkkontaktes, dass wir da sind. Die beiden anderen Segelschiffe sind nun auch an der Schleuse angekommen. Nun werden wir zu einem Päckchen gepackt, zum Glück liegt die UPPS in der Mitte, da wir das größte Schiff sind. Damit haben wir Leinenhändler wenig Arbeit, aber Bernd um so mehr, da er alle drei Schiffe von der UPPS aus fährt. Erst legt der Katamaran an uns an und dann ein kleiner Segler. Hier in der Fachsprache heißt das Nesten!

Und schon fahren wir auch los in die erste von drei Schleusen. Unser Canal Adviser hat das Kommando über alle drei Schiffe übernommen, die anderen beide halten sich zurück und schauen, dass alles reibungslos geht. Schon kommen die Wurfleinen auf uns nieder und das Schleusentor schließt sich hinter uns! Ein letzter Blick auf das karibische Meer! 

Das Wasser beginnt zu sprudeln und langsam werden wir in der 8m Schleuse geliftet. Bernd ist hoch konzentriert, sobald wir zu einer Schleusenwand gedrückt werden, muss er reagieren. Er hat die Verantwortung über drei Schiffe. Die Anspannung jedes einzelnen liegt in der Luft, alle sind aufgeregt.  

Richtung AnkerplatzAber da ertönt schon das Signal, dass sich das n. Schleusentor öffnet und der Frachter vor uns nimmt seine Fahrt in die zweite Schleuse auf. Leinen locker, damit die Leinenhändler der Schleuse diese lösen können und zusammen fahren wir weiter in die zweite Schleuse. Das Schleusentor schließt sich hinter uns und das Wasser beginnt zu steigen. Die Leinen werden gleichmäßig rangeholt und wir meistern auch diese Schleuse ohne Probleme.  

So nun noch die letzte Schleuse für heute und dann geht es auch schon Richtung Ankerplatz. Auch hier verläuft alles reibungslos, der Frachter vor uns fährt sehr vorsichtig, um das Wasser nicht mit der Schraube aufzuwühlen und  schon öffnet sich das letzte Schleusentor der Gatun-Schleusen. Die zwei Schiffe werden nacheinander von der UPPS losgebunden und wir alle fahren zu dem Ankerplatz.

Phillipo kann nun auch relaxen, alles hat gut geklappt und somit serviere ich ihm sein Abendessen. Wir anderen warten ab, bis wir vor Anker liegen bzw. an der Boje. Kurt springt auf die Boje, nimmt die Festmacher an und schon liegen wir sicher im Gatun-See. Es ist 20.30 Uhr und das Lotsenboot ist sofort da, um Phillipo abzuholen. Eine schnelle Verabschiedung und schon ist es um uns herum ruhig. Eva, Doris, Kurt, Bernd und ich setzen uns erstmal ins Cockpit und genießen jeder ein kaltes Getränk. Die erste Hälfte haben wir problemlos geschafft, na dann mal Prost!!!

Sonnenaufgang im Gatun-SeeNach einem gemütlichen Abendessen sind wir alle sehr müde, so eine Kanaldurchfahrt ist immer wieder super anstrengend! Wir gehen um 22.30 Uhr zu Bett, dann schon am nächsten Morgen zwischen 6.30 und 7.00 Uhr wird der nächste Canal Adviser an Bord kommen. Die Nacht ist für mich sehr unruhig, ich kann kaum abschalten, zudem halten die Brülaffen einfach nicht ihr Maul und brüllen was das Zeug hält. Ich drehe mich von einer Seite auf die andere und wühle mich so durch die Nacht. Der Wecker klingelt und schon springe ich auf.

Erstmal Kaffee kochen für die Crew, die langsam aus ihren Kojen krabbeln. Es ist 6.30 Uhr und die Sonne geht wunderschön am Horizont auf! Wie ihr Euch sicher denken könnt, kommen wieder mal die Canal Adviser zu spät, so dass wir in Ruhe unseren Kaffe trinken können und wach werden dürfen. Es ist ein optimales Timing, denn kaum sind die Tassen leer, sehen wir das Lotsenboot zu uns kommen.  

Elvir besucht unsHeute kommen zwei Canal Adviser an Bord, Walter und Rubin. Walter befindet sich zurzeit in der Ausbildung zum Lotsen und Rubin muss ihm heute eine Trainingstunde geben. Die beiden sind sehr freundlich, stellen sich kurz vor und schon fahren wir auch los. Unser Slot an der Pedro Miguel Schleuse ist für 12.30 Uhr angesetzt, also in 4 Stunden. Rubin bittet Bernd so schnell wie möglich zu fahren. Wir fahren in der Regel zwischen 6 und 7 Knoten und liegen gut in der Zeit. Das Wetter ist heiß und sonnig, die Landschaft wieder wunderschön und die Stimmung an Bord ist gut. Wir schwätzen, essen Frühstück und schauen ab und zu in den Maschinenraum. Alles bestens mit den Motoren, das ist eine Erleichterung.

Elvir kommt mit einem kleinen Boot bei uns vorbei. Sein Sohn muss für einen Paddelbootrennen, das n. Wochenende auf dem Panamakanal stattfindet, trainieren. Eigentlich sollte sein Team neben unserem Boot paddeln, denn sie schaffen ca. 7 -8 Knoten an Geschwindigkeit, aber wie immer in Panama, sie waren zu spät! Um 11.30 Uhr erreichen wir die Schleuse von Pedro Miguel und gehen ans Dock, da wir noch eine Stunde bis zum Schleusen Zeit haben. Optimal, um nun Mittagessen zu servieren. Ich habe alles vorbereitet, Bernd kocht das chinesische Essen. im Banana-CutAlle sind total begeistert und lasses es sich schmecken. Die Motoren und wir alle können durchatmen, bevor die letzten drei Hürden zu nehmen sind.  

12.20 Uhr legen wir vom Dock ab und fahren Richtung Schleuse. Der Katamaran und das kleine Segelschiff gehen wieder ins Päckchen, aber wir werden an einem Touristenboot anlegen, damit die Canal Adviser nicht viel Arbeit haben. Rubin sagte uns, dass er immer den wenigsten Arbeitsaufwand habe möchte, sollen doch die anderen die Arbeit machen. Wir haben somit keine Leinen zu bedienen und können entspannt das Schleusen genießen. Die Anlegemanöver an das Touristenboot waren allerdings nicht entspannt, denn wir haben eine Strömung von 4 Knoten, die uns in die Schleusen schiebt, so dass die Leinen sofort sitzen müssen, damit die UPPS nicht ins Schleusentor fährt.  

Miraflores-SchleußeAber Bernd hat alles unter Kontrolle und legt die UPPS meisterhaft an das Touristenboot an. Wir reichen die Leinen rüber und ziehen fest. Schon komisch, wenn plötzlich mehr als 100 Leute dabei zu sehen. Auf dem Touristenboot befinden sich auch Deutsche, die uns natürlich sofort ansprechen und wissen wollen, wo wir herkommen und wie  lange wir schon unterwegs sind.  

Wir rufen während der Schleusenzeit meine Eltern an, damit sie wissen, dass wir nun gleich zu den Miraflores Schleusen kommen, wo sich die Webcams befinden. Mama war sofort am Telefon und berichtet, dass sie schon alle warten und zu schauen. 

Besucherterasse an der Miraflores-SchleußeDas Schleusentor öffnet sich und wir bahnen unseren Weg zu den letzten beiden Schleusen. Plötzlich erklingt ein Ruf von der Besucherterrasse der Miraflores Schleusen, ein lautes und klares Tanja kommt rüber. Ich schaue mich um und denke, dass ich ja nicht gemeint sein kann. Hier kennt mich ja keiner! Aber dann erkennen wir mit unserem Fernglas Anette und Sjoerd von der Segelyacht Ayke, die bei uns in der Shelterbay Marina lagen. Das war eine super schöne Überraschung, worüber ich mich unendlich gefreut habe. Wir winken uns gegenseitig zu und dann schaue ich in die Webcam und winke wie wild in der Hoffnung, dass es unsere Lieben zu hause sehen. Schon komisch, da sind wir so viele tausend Kilometer von der Heimat entfernt und trotzdem können sie bei diesem besonderen Ereignis dabei sein. Bernd und ich sind sehr gerührt.  

Das Ablegemanöver in der ersten Miraflores-Schleuse war nicht leicht, da Bernd nach hinten vom Touristenschiff ablegen muss, damit dieses als erstes losfahren kann, aber er hat eine Strömung von 4 Knoten gegen sich. Er meinte später, dass er Blut und Wasser geschwitzt hat, aber auch diese Situation hat er gut geschafft. 

Einfart in den PazifikDie letzte Schleuse schaffen wir ohne Problem und das Schleusentor öffnet sich vor uns! Wir sehen den Pazifik, unsere neue Herausforderung und eine neue Welt!!! Wir legen vom Touristenschiff ab, alle klatschen und die UPPS ist das erste Segelschiff, welches heute in den Pazifik fährt. Alle sind glücklich über die gute Durchfahrt, die Canal Adviser sagen, dass es eine tolle Durchfahrt war und bedanken sich bei uns. Schnell kommt das Lotsenboot und die beiden verabschieden sich. Wir bedanken uns herzlich!

Wir fahren weiter zum Balboa Yacht Club und mit viel Glück oder vielleicht auch Dank Elvir bekommen wir eine Boje. Wir legen an und öffnen den Sekt! Prost auf eine tolle Überfahrt! 

geschafftElvir kommt dann auch an Bord, leider hat es nicht früher geschafft. Wir sitze noch eine halbe Stunde alle zusammen, dann verabschieden sich unsere Leinenhändler Eva, Doris und Kurt. Sie nehmen ein Taxi zurück zur Shelterbay Marina. Elvir bleibt noch und wir genießen den Abend. Aber wir werden nicht alt, wir sind zu kaputt von der Überfahrt und um 22.00 Uhr sieht man kein Licht mehr auf der UPPS brennen.

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