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2008 Teil 4: Tauchen an
der Cocos-Insel
Nach
ca. 600 Seemeilen erreichen wir früh morgens die
Chatman Bay der Cocosinsel oder
auf spanisch Isla del Coco. Mit 8 km Länge und 3 km Breite ist sie die größte
unbewohnte Insel der Erde und Natur pur. Die Cocosinsel entstand vor 2,5 Mio.
Jahren durch vulkanische Aktivität. Das spiegelt sich in den abschüssigen
Klippen und kahlen Felsgraten wider, die vier Berggipfel formen, von denen der
Cerro Yglesias der höchste ist.
Man erzählt, dass der Capitän Thompson – ein Bandit, der
die Spanier um eine Menge Reichtümern erleichterte – den größten Piratenschatz
der Welt auf der Cocosinsel versteckt haben soll. Und als ob das noch nicht
genug wäre, soll ein anderer Pirat namens Benito Bonito hier auch einen Schatz
vergraben haben. Doch insgesamt etwa 300 Suchexpeditionen konnten weder den
einen oder den anderen finden. Wir sind hier auf dieser Insel aber nicht auf der
Schatzsuche, sondern möchten gerne tauchen gehen, denn der Ruf der Cocosinsel
ist untern den Tauchern legendär.
Schon
während wir uns der Insel nähern, erleben wir bereits diese
gigantische Natur.
Wir sehen im Wasser ein wildes Treiben oder Jagen, an dem Haie, Delphine und
Vögel beteiligt sind. Die armen Fische, die gerade gejagt werden, sind wie wild
am hin und her springen. Die Insel ist mit einem saftigen grünen Regenwald
überzogen (hier wurde der Film von Jurassic Park gedreht), eine wilde Natur, die
man mit Worten nicht beschreiben kann. 1978 wurde die Insel zum Nationalpark
erklärt, und heute gehört sie zum UNESCO Weltnaturerbe.
In der Chatman Bay liegt bereits die
Julie Marie ein 100
Fuß Segelschiff,
bei dem die Ranger gerade an Bord sind. Es liegen Bojen aus, weswegen wir bei
dem anderen Segler vorbeifahren und nachfragen, welche der Boje wir nehmen
könnten. Wie es der Zufall will, ist es auch ein deutsches Segelschiff und somit
ist die Verständigung sehr einfach. Leider sind alle Bojen vergeben, somit
gehen wir vor Anker. Während des Ankermanövers schwimmt ein großer Manta an der
UPPS vorbei, ein beeindruckendes Erlebnis.
Die
Rangers kommen dann eine halbe Stunde später an Bord der UPPS und sind sehr
freundlich. Sie informieren uns über den Naturpark, erklären uns die
Bestimmungen, geben uns eine Informations-DVD und fragen, wie lange wir gedenken
zu bleiben. Im Grunde können wir so lange wie wir wollen auf der Insel
verweilen, jedoch sind die Gebühren pro Tag 25 Dollar pro Person, 25 Dollar fürs
Schiff und 10 pro Taucher happig. Somit haben wir pro Tag unsere 95 Dollar zu
bezahlen. Es ist viel Geld, aber wenn man in einem solchen Tauchparadies tauchen
möchte, ist es für ein einmaliges Erlebnis einfach so. Wir verstehen auch, dass
sie diese hohen Gebühren nehmen, denn somit wird die Zahl der Schiffe klein
gehalten. Man will die Natur schützen, und dafür sind die hohen Kosten das beste
Mittel.
Den ersten Tag auf der Insel gehen wir gemütlich an. Wir
gehen Schnorcheln und entdecken, dass unter unserem Schiff bereits die
ersten Weissspitzenriffhaie liegen. Viele Fische tummeln sich
und somit ist die Neugierde geweckt und wir fahren mit unserem neuen Beiboot zu
den Tauchspots, um diese vom Beiboot aus mit Taucherbrille zu betrachten. Es
dauert nicht lange und da entdecken wir auch die
ersten Bogenstirn-Hammerhaie,
die ein Wahrzeichen für Cocos sind. Wir fahren zurück zur UPPS und packen die
Tauchsachen aus. Morgen in aller Frühe werden wir den ersten Tauchgang starten.
Gesagt
getan und schon um 8.00 Uhr starten wir zu dem „einfachen“ Tauchgang. Die
Rangers hatten uns eine Karte mit allen Tauchplätzen gegeben und uns
ausdrücklich gesagt, dass wir nur auf der nord-westlichen Seite der Insel zu zweit
tauchen gehen können, da die Strömung dort nicht so groß sei. Aber der gute Rat
half uns nicht weiter, selbst bei dem einfachsten Tauchspot ist die Strömung so
groß, dass ich es kaum zurück zum Beiboot schaffe. Bernd bemerkt unter Wasser
die Strömung und bricht deswegen schnell den Tauchgang ab, was sicher eine sehr
gute Entscheidung war. Zurück in unserem Beiboot sind wir erstmal glücklich,
dieses wieder erreicht zu haben, sind aber zugleich sehr gefrustet, denn wie sollten
wir hier zu zweit ohne Begleitung in einem Boot tauchen gehen?
Am Morgen war eine Luxusjacht neu angekommen und sie gingen
parallel zu uns tauchen. Ich sagte Bernd, dass sie unsere Lösung sein könnten
und somit fuhren wir zu ihnen. Drei Angestellte holten gerade die Tauchsachen
der Gäste aus dem Beiboot und somit haben wir sie gleich angesprochen und
gefragt, ob es möglich wäre, dass wir mit ihnen tauchen gehen könnten. Ich
erklärte unsere Schwierigkeiten mit der Strömung und wie der Zufall es wollte,
stoßt der Kapitän des Schiffes zu unserem Gespräch und gab sofort sein
Einverständnis. Sie boten uns auch gleich an, dass sie unsere Tauchflaschen
füllen könnten, sie hätten sowieso ihre eigenen zu füllen und eine große Station
dafür. Das ist wohl unser Glückstag, besser hätte es nicht kommen können. Wir
gaben ihnen somit unsere Flaschen und sie sagten uns, dass sie uns anfunken
würden, wenn sie zum nächsten Tauchgang starten.
Zwei
Stunden später sind wir wieder bei ihnen und gehen mit ihnen tauchen. Wir lernen
die Tochter des Eigners des Schiffes namens Turmoil kennen und reden mit dem
Kapitän. In Begleitung eines Tauchlehrers, den sie in Galapagos angeheuert
hatten, gehen wir tauchen, während ein Angestellter an der Oberfläche auf uns wartet und unser Dinghi mitversorgt. Wie wir erfahren, ist das Schiff Turmoil in Privatbesitz,
hat 11 Angestellte an Bord und zurzeit ist die Tochter des Eigners mit Mann und drei Kindern
sowie Kindermädchen auf Besuch.
Manche Menschen müssen wohl Geld wie Heu haben, aber das
ist ja gerade heute unser Glück. Leider war auch dieser Tauchgang nicht
erfolgreich, denn Bernd bekommt Probleme mit seinem Ohr und kann keinen
Druckausgleich machen, wir müssen somit frühzeitig abbrechen. Das war sehr
ärgerlich, aber wieder werden unsere Flaschen gefüllt und wir werden zu weiteren
Tauchgängen eingeladen. Aber für heute reicht es uns, wir gehen an Bord der
UPPS. Aber morgen werden wir wieder dabei sein.
Abends gehen wir auf einen Drink zu dem deutschen
Segelschiff, dass wir am Vortag kennen gelernt hatten. Die Besitzer Bernd und
Barbara haben sich dieses 100 Fuß Segelschiff „Julie Marie“ extra für diese
Reise bauen lassen und sind nun mit ihren zwei Kindern, vier Angestellten und
einem Lehrer für 9 Monate auf einer Reise in dem Pazifik.
Im
Laufe des Abends besprechen wir den berühmtesten
Tauchspot “Baja Alcyone“ der Cocosinsel, Baja Alcyone ist ein großer unterseeischer Berg im offenen Ozean, der durch
Jacques
Cousteau Berühmtheit erlangte. Man benötigt einige Erfahrung, um durch die
starke Strömungen hinab zu tauchen, sich ins Riff zu klemmen um dann ein grandioses
Schauspiel betrachten zu können. Die Crew der Julie Marie würde dort gerne morgen früh noch
tauchen gehen, bevor sie dann weiter zu den Galapagos-Inseln reisen werden.
Mein Bernd hatte sich bereits genausten überlegt, wie wir
zu zweit diesen Tauchgang meistern könnten, aber dann beschlossen wir zusammen
um 6.00 Uhr morgen dort tauchen zu gehen. Der Eigner würde sich mit der Julie
Marie treiben lassen, während wir zu fünft tauchen gehen. Endlich hatten wir
einen schönen Tauchgang, Bernds Ohr hat zum Glück keine Probleme gemacht und wir
konnten auf 30 Metern Tiefe die Bogenstirn-Hammerhaie,
die Weissspitzriffhaie,
Rochen, Thunfische und vieles mehr genießen. Es war ein sehr angenehmer
Tauchgang, die Crew von Bernds Boot war sehr professionell und Katrin war Tauchlehrerin. Aber um ehrlich zu sein, alleine auf diesem Schiff für eine
Stunde zum Tauchspot mitfahren zu dürfen, war ein Erlebnis für sich. So ein schönes
Segelschiff hatte ich noch nie gesehen. Normalerweise sind wir immer eines der
größeren Segelschiffe in der Bucht, aber hier auf Cocos sieht die UPPS neben den
beiden Luxusjachten wie ein Beiboot aus.
Nachmittags
gehen wir, nachdem sie unsere Flaschen wieder gefüllt hatten, mit dem
Tauchlehrer, dem Kapitän der Turmoil und den Gästen tauchen. Dies war mit
Abstand der schönste Tauchgang unseres Lebens. Wir ließen uns einfach an der
Riffkante der Insel Manuelita, die gegenüber der Chatman Bay liegt, entlang
treiben. An uns kamen unglaublich viele Meeresbewohner vorbei, angefangen von
große Fischschwärmen, die wie eine Wand vor uns schwammen, Schildkröten,
Muränen, Ammenhai, Bogenstirn-Hammerhai, Weißspitzhai, Stingray,
Adlerrochen,
Mantas, Lobster, Feilenfische, Kugelfische, Papageienfische, Thunfische,
Zackenbarsche und viele andere Fischarten, die wir namentlich nicht kennen.
Alle waren hoch auf begeistert und somit wurde sofort ein
Nachttauchgang beschlossen. Unsere Flaschen werden inzwischen automatisch
von der Turmoil gefüllt und nun bieten sie uns auch noch an, ob wir noch
irgendetwas anderes brauchen wie z.B. Essen, Milch, Eiswürfel. Sie hätten so
viel Essen an Bord und sie würden uns gerne etwas abgeben. Aber wir legen das
super nette Angebot ab, wir waren einfach zu überrascht, so etwas hatten wir
noch nie erlebt. Später fielen uns natürlich Sachen ein, die wir gerne gehabt
hätten z.B. Trinkwasser für unsere Wassertanks. Die Turmoil produziert mit ihrem
Wassermacher 14 Tonnen am Tag! Wir haben einen Tank mit 1,2 Tonnen Wasser und davon
leben wir 6-8 Wochen!
Bernd
und ich kommen kaum zum Essen, denn auf den Rückweg zur UPPS sehen wir ein
Holzbrett im Wasser treiben.
Auf dieses Brett haben sich kleine Fische gerettet,
die um ihr Leben kämpfen, denn unter dem Brett schwimmen Haie und andere große
Fische und über den Brett fliegen die Seevögel und alle wollen nur eines, die
kleinen Fische fressen. Es ist ein wildes Treiben und hochinteressant zu
beobachten.
Der Nachttauchgang wurde dann auf 21 Uhr verschoben
und Bernd und ich waren einfach zu müde, um uns noch mal ins rabenschwarze Meer zu
stürzen. Selbst die Durchsage des Kapitäns, dass mehrere 100 Haie in der Bucht
seien, kann uns nicht bewegen. Somit gingen wir ein letztes Mal am nächsten Morgen mit der Turmoil tauchen, sie füllten erneut unsere Flaschen und dann reisten sie ab.
Bernd und ich machen an diesem Vormittag noch eine
Wanderung mit einem Ranger, um
auch die Landseite der Cocosinsel zu entdecken. Sehr schöne ursprüngliche Natur,
alles ist grüner Regenwald.
Nachmittag legen auch wir um 15 Uhr ab, die Reise geht weiter zu den
Galapagos-Inseln.
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