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2008 Teil 06: von den Galapagos zu den Marquesas ( April 2008 )

Donnerstag, 17.04.2008 

Heute müssen wir leider die Galapagos-Inseln verlassen, unsere Aufenthaltsgenehmigung ist abgelaufen. Wir gehen morgens noch mal in das kleine Dörfchen, um die letzten Besorgungen zu erledigen. Wir kaufen Brot, Stückchen und Obst sowie Gemüse und gehen ins Internetcafe. Leider sind hier die Internetleitungen nicht schnell, so dass das Telefonieren mit Deutschland wieder etwas schwierig ist. Nachdem wir in drei verschiedenen Internetcafes waren und es schon 16.00 Uhr am Nachmittag ist, gehen wir zurück zur UPPS. Wir möchten gerne noch bei Tageslicht auslaufen, um die Riffe zu erkennen. Während wir zurücklaufen, sehen wir, wie bereits unsere Freunde von der Sappho und der Kurtisane ablegen.

wir verlassen GalapagosUnd dann ist es soweit, wir nehmen den Anker auf. Um 17.30 Uhr verlassen wir die Bucht von Isla Isabela und segeln Richtung Marquesas. Es liegen 2940 Seemeilen vor uns, wir werden schätzungsweise für die nächsten 4 Wochen auf dem Meer sein. Die Fischer im Hafen winken uns zum Abschied zu, sie wissen, was für ein langer Weg vor uns liegt. Ich denke zurück an unsere Abreise in Gran Canaria, um den Atlantik zu überqueren, damals mit der ARC 2005. Es  war so ein Trubel und Aufregung, heute ist es total anders. Es ist ruhig, kein weiteres Schiff verlässt den Hafen, und für uns fühlt es sich an, als würden wir kurz nur in die Nachbarbucht fahren. Ist das jetzt schon Routine? 

Schon nach 2 Stunden sehen wir am Horizont die Sappho und Kurtisane und bis zur Mitternacht haben wir beide erreicht und überholen sie. Kurt und Joachim haben gleichzeitig mit mir Nachtwache, wir funken per VHF ein letztes Mal. Wir sind zu schnell für die beiden, unser Tempo können sie mit ihrer Schiffgröße nicht mithalten. Sie wünschen uns eine gute Reise und ich sehe noch lange den Lichtern der beiden Schiffen nach. Auf bald!

der friedliche PazifikFreitag, 18.04.2008, Position um 12.00 Uhr: 2°12,7 S  92°26 W

Morgens gegen 5.00 Uhr entdecke ich backbord von uns ein weiteres Schiff. Wie sich später herausstellt, ist es die Aquila, die gestern von Santa Cruz mit zwei weiteren Schiffen zur Überfahrt gestartet ist. Somit sind wir nun 6 Schiffe, die ziemlich eng beisammen liegen und diese Überfahrt angehen.

Täglich um 14.000 Uhr sind wir mit den 5 anderen Schiffen per Funk verabredet, um unsere Positionen und Wetter bzw. Windstärken auszutauschen und um zu quatschen. Es ist hier draußen eine schöne Abwechselung und es tut unserer Psyche gut, dass noch andere unterwegs sind.

Passatsegeln ist wunderbarNatürlich stellt sich bei Bernd das Regattafieber ein. Es macht Spaß zu vergleichen, wie die anderen voran kommen und wie man selbst liegt. Die Aquila liegt den gesamten Tag parallel zu uns, abends segeln wir - im Gegensatz zu allen anderen Schiffen - mehr in Richtung Süden.

Ich selbst bin gesamten Tag im Schiff unterwegs und suche immer wieder etwas zum Essen bzw. Naschen, eine tolle Beschäftigung. Das muss die Psyche sein, ich befürchte, wenn das so weiter geht, dann werde ich am Ende der Reise ein paar Kilos mehr wiegen. Das kann doch nicht sein, aber es fällt mir echt schwer von der Naschkiste fern zu bleiben.

Samstag, 19.04.2008, Position um 12.00 Uhr: 3°28,1 S 94°29,3 W

im PassatHeute Morgen nach dem Aufstehen wartet eine herrliche Dusche auf mich. Bernd hat in der Nacht mehrere Eimer Wasser sammeln können, da es  geregnet hat und er wurde durch und durch nass. Ich muss fest geschlafen haben, denn ich habe von allem nichts mitbekommen. Er ist müde, die Nacht muss  mit Kursänderungen und Segeltrimmen sehr anstrengend gewesen sein.

Um 12.00 Uhr mittags ist unser erstes Etmal 144 Seemeilen. Um 14.00 Uhr beim Funken erfahren wir, dass es den anderen Schiffen nicht anders ergangen ist. Sie mussten teilweise die Segel bergen und motoren. Gott sei Dank hat Bernd es irgendwie immer anders gemeistert. Seit unserer Abreise von Isla Isabela hatten wir bisher keinen Motor gebraucht und die Segel sind zur Steuerbordseite ausgebracht und werden von ihm ständig getrimmt, aber noch nie mussten wir sie wechseln oder schifften. Das nennt man wohl wirklich nun Passatsegeln.

Sonntag, 20.04.2008, Position um 12.00 Uhr: 4°12,4 S 97°38,8 W

Anruf zu HauseRufe heute Mama per Satellitentelefon für 2 Minuten an, um ihr zu berichten, dass wir bisher eine perfekte Überfahrt haben und unwahrscheinlich gut vorankommen! Alles bestens an Bord!

Unser Etmal mittags um 12.00 Uhr beträgt stolze 194 Seemeilen. Das ist neuer UPPS-Rekord!!! Wir hatten bisher nur am 8.11.2005 bei der Atlantiküberfahrt einmalig ein Etmal von 188 Seemeilen. Wir laufen zwischen 8 und 9 Knoten, glatte See. Unglaublich, von mir aus kann es so weitergehen, dann sind wir in 2 Wochen am Ziel. Bisher find ich den Pazifik einfach nur toll! 

Montag, 21.04.2008, Position um 12.00 Uhr: 4°51,2 S und 100°34,6 W

Freiwache auf dem GenackerEs war eine sehr angenehme und ruhige Nacht. Das Meer war sehr glatt ohne Wellen und wir mussten die gesamte Nacht keine Segeln wechseln. Das Schiff läuft wie von alleine und das Tempo ist weiterhin unglaublich schnell. Wir haben besten Passatwind und einen traumhaften schönen Segeltag. Die Sonne scheint und ich beginne den Tag mit einer Lümmelstunde im Bett. Ich lese und Bernd bringt mir einen Kaffee, so macht das Seglerleben bei einer Überfahrt richtig Spaß! Bernd hatte in der Nacht unsere Stereoanlage wieder zum Laufen gebracht und somit hören wir den ganzen Tag laut Musik – hier stört es ja keinen. 

Unser Etmal beträgt heute 179 Seemeilen – nicht ganz so gut wie gestern, aber wir sind wieder sehr zufrieden. Der gesamte Tag verläuft sehr ruhig. Wir funken wie immer um 14.00 Uhr mit den 5 weiteren Schiffen, die kurz vor uns gestartet sind. Mittlerweile führen wir die Gruppe an.  

Wir spielen Kniffel, lesen Bücher, Bernd erledigt kleinere Reparaturen und ich räume auf, bringe die Küche in Ordnung und wische bei dem milden Wellengang das Schiff auf.  

Heute findet das Pacific Island Net mit Contadora-Günther zum ersten Mal um 2.00 UTC statt. Da nun ziemlich viele Schiffe in Richtung Westen zu den Marquesas unterwegs sind, wurde der Termin der  Zeitverschiebung angepasst. Das heißt, nach unserer Bordzeit funken wir nun um 14.00 Uhr mit der Sappho, Kurtisane, Aquila, Golden Tilla und Ontrack. Abends um 20.00 Uhr findet dann die große Runde mit Günther statt, es sind zur Zeit 15-20 deutschsprachige Schiffe auf dieser Route unterwegs. Insgesamt werden 45 Schiffe von Günther in 2008 betreut. 

Rippchen aus GalapagosAbends koche ich Kartoffelsalat und brate die Rippchen aus Galapagos in der Pfanne.  Mitten auf dem Pazifik essen wir ein typisches deutsches Gericht, das tut gut! Die UPPS segelt weiterhin mit 7,5 Knoten durch die Nacht – gut, dass mein bester Freund, der Vollmond, heute bei mir ist!

Dienstag, 22.04.2008, Position um 12.00 Uhr: 6°06,8 S und 103°10,2 W

Das Wetter ist weiterhin perfekt. Wir haben kaum Wellengang und der Passatwind weht mehr oder weniger mit 15 Knoten. Die Segel fassen wir seit gestern nicht mehr an. Wir laufen zwischen 7 und 8 Knoten. Unser Etmal heute um 12.00 Uhr beträgt 172 Seemeilen, wir haben bereits nach 5 Tagen 806 Seemeilen hinter uns gelassen. Somit haben wir noch 2132 Seemeilen to go!  

Passatsegeln ist wunderbarWir haben letzte Nacht um 3.00 Uhr Wachwechsel gehabt, während wir die Übergabe machten, klopfte es auf dem Cockpitdach. Kurze Pause, dann wieder ein Klopfen. Wir schauen heraus und sehen, dass dort ein fliegender Fisch liegt, der um sein Leben zappelt. Bernd reagiert schnell und wirft ihn zurück ins Wasser. Dabei entdeckt er, dass eine große Herde von Delphinen beim Schiff schwimmt – schade, dass es nicht Tag ist.

Ich habe heute lange geschlafen, diese Nachtwachen sind einfach nicht mein Ding. Nach einem leckeren Brötchen mit Schinken, Käse und Tomate, trinken wir einen Bananenshake. Bernd baut den reparierten, hydraulischen Schiffsautopiloten ein, und ich schreibe an den  Berichten. Der Galapagosbericht muss noch fertig gestellt werden.  

Telefonat nach HauseWir haben heute 3 Stunden probiert, Bernds Vater anzurufen, aber diese blöde Satellitentelefon wollte einfach keine Verbindung herstellen – entnervt gaben wir schließlich auf, da es in Deutschland bereits Nacht war.

Mittwoch, 23.04.2008, Position um 12.00 Uhr: 07°06,44 S und 105°48,3 W

Heute um 17.00 Uhr haben wir die ersten 1000 Seemeilen geschafft!!! Und das nach nur 6 Tagen, hoffentlich bleibt es so! Das musste natürlich gefeiert werden, der Sekt lag schon im Kühlschrank bereit!  

jeden Abend das gleiche Bild :) Bernd hat abends dann noch gekocht, es gab Rinderfilet in Rotweinsoße mit Nudeln und Salat! Er hatte wirklich schwer in der Küche zu kämpfen, da UPPS in der Zeit starke Schräglage geschoben hat! Aber das Ergebnis war einfach nur gut!

Ich habe in der Zeit mit Günther gefunkt, sozusagen haben Bernd und ich mal die Rollen getauscht. Es machte mir echt Spaß mal wieder quatschen zu können. Wie gerne hätte ich hier an Bord ein Telefon mit dem ich öfters mal telefonieren könnte, Männer reden ja nicht viel.

Bei Günthers Funkrunde ist das Fisch und die Fangquote täglich ein Thema, bei dem wir gewöhnlich nicht mitreden können, da wir ja nicht fischen. Heute war es anders, denn wir fanden 8 Fische und ein Tintenfisch bei uns an Deck. Wie kommt bitte ein Tintenfisch zu uns aufs Deck? Wären es doch bloß ein paar mehr gewesen, dann hätten wir eine leckere Speise gehabt.

die tägliche Funkrunde mit anderen dt. SchiffenDonnerstag, 24.04.2008, Position um 12.00 Uhr: 07°33,28 S und 107°58,09 W

Letzte Nacht mussten wir das erste Mal, nachdem wir den Hafen von Isabela verlassen hatten, wieder den Motor laufen lassen. Wir hatten für ca. 16 Seemeilen keinen Wind, die Segel schlugen und uns blieb nichts anderes übrig, als die Genua zu bergen, das Großsegel dicht zu holen und den Motor anzuwerfen. Nach 6 Tagen puren Segel musste dann doch mal eine Änderung her, die Batterien haben sich gefreut!  

Heute habe ich den ganzen Tag an unserem zerrissenen Genacker genäht, dieses Segel könnten wir gut gebrauchen. Aber ich werde noch ein paar Tage mit Nähen beschäftigt sein, bis es wieder einsatzbereit sein wird.

Wir hatten kein gutes Etmal, vergleichsweise zu den vorigen Tagen haben wir nur 131 Seemeilen gut gemacht. Wir sind nun schon eine Woche unterwegs, sie ging wirklich schnell rum. Es war eine traumhaft schöne Segelwoche, so tolles Wetter mit so beständigem Wind hatten wir noch nie!  

Freitag, 25.04.2008. Position um 12.00 Uhr: 08°15,6 S und 110°30,79 W

Tanja näht unseren Genacker zusammenIch versuche heute den Genacker zu nähen und bin somit den ganzen Tag damit beschäftigt. Da ich mich konzentrieren muss, rede ich heute sehr wenig, was Bernd sofort auffällt. Aber es ist nicht einfach ein Tuch von 145 qm mit einer Menge Risse in einem Cockpit bei Seegang zu nähen. Überall ist Stoff und Bernd findet kaum ein Plätzchen zum Sitzen. Um 12.00 Uhr mittags haben wir ein Etmal von 157 Seemeilen. 

Samstag, 26.04.2008. Position um 12.00 Uhr: 08°46,0 S und 112°53,03 W

Ich nähe und nähe, langsam werden es immer weniger Löcher im Genacker, aber die Arbeit wird noch eins bis zwei weitere Tage dauern. Der Wind und der Wellengang machen aber zum Glück keine Schwierigkeiten, so dass ich in Ruhe mit der Nähmaschine im Cockpit sitzen kann. Über Funk erfahre ich, dass auch die Sappho die Nähmaschine auspacken und ihren Blister nähen musste. Na, da bin ich ja wenigstens nicht alleine! 

Bernd hat im Maschinenraum nach endlosem Suchen ein Dieselleck am Generator gefunden! Der Magnetschalter zum Abstellen zeigt Dieselspuren, wir hoffen, dass wir damit endlich Ruhe in dem Maschinenraum bekommen. ( Anm.: die Ruhe haben wir nicht gefunden, es gibt weitere Lecks ). 

Der Achterholer des Gross braucht UnterstützungUnser Abstand zu den anderen Schiffen wird immer größer, Gerd von der Aquila versteht nicht, wieso der gute Wind bei uns immer zu sein scheint. Er fragte uns, wie wir das immer machen würden? Bernd glaubt, alle anderen Schiffe seien zu weit nördlich - wie wird das wohl ausgehen ?  Etmal: 144 Seemeilen.

Sonntag, 27.04.2008, Position um 12.00 Uhr: 08°49,5 S und 115°25,0 W

Heute haben wir uns hier an Bord mal richtig auf Sonntag gemacht, d.h. im Cockpit rumgelümmelt und Bücher gelesen bzw. Hörbücher gehört. Eigentlich hätte ich immer noch am Genacker zu nähen, aber heute haben wir guten Wind und die UPPS läuft zwischen 7 bis 9 Knoten. Ab und an kommt mal eine Welle quer und dann haben wir kurzweilig Schräglage. Es wäre heute nicht einfach die Arbeit fortzusetzen, sondern echt anstrengend. Also genießen wir den Sonntag und sagen uns, was wir auch morgen besorgen können, müssen wir ja nicht schön heute erledigen.

Habe heute mal wieder mit meinen Eltern telefoniert, zum Glück hielt die Verbindung für die wenigen Minuten! Wir haben ein Etmal von 150 Seemeilen. 

Bergfest nach 2000 smAbends feiern wir unser  Bergfest nach, das hatten wir letzte Nacht gegen 0.30 Uhr. Bernd hatte geschlafen, aber ich wollte ihn nicht wecken. Wir haben die Hälfte geschafft, nun liegen nur noch 1480 Seemeilen vor uns. Und da es jetzt auch nur noch "bergab" geht, sollten wir ja schneller vorankommen! Mit einem Glas Sekt zu einem ungewöhnlich schönen Sonnenuntergang betrinken wir das große Ereignis und anschließend genießen wir ein Drei-Gänge-Menü! 

Montag, 28.04.2008, Position um 12.00 Uhr: 09°17,8 S und 118°13,3 W

Ein weiterer Tag mit guten Passatwind und angenehmen Wellengang. Wir scheinen Glück zu haben, denn die uns folgende Schiffe beklagen sich über Squalls und Gewitter, sowie wechselnde Winde um die 30 Knoten mit Flauten. Sie müssen ihre Segel immer wieder trimmen oder motoren. Wir hingegen haben bisher nur ein einzigen Mal die Genua einholen müssen und den Motor für 3 Stunden laufen lassen. Unsere Segel stehen ansonsten konstant auf Steuerbordseite und werden nur getrimmt. Pazifik II Plus - unser Steuermann auf den meisten StreckenNachts haben wir sternenklaren Himmel und unser Windpilot steuert tagein tagaus die UPPS Richtung Fatu Hiva / Marquesas.

Inzwischen haben wir nur noch 1170 Seemeilen zu segeln. Das Etmal war 169 Seemeilen.

Dienstag, 29.04.2008, Position um 12.00 Uhr: 09°46,0 S und 120°42,7 W

Heute haben wir ein Etmal von 150 Seemeilen und abends um 21.15 Uhr haben wir nur noch 1000 Seemeilen vor uns. Unsere GPS-Anzeige springt auf 999,9 SM to go, wenn das nicht ein Meilenstein ist. Natürlich wird das gefeiert!

Mittwoch, 30.04.2008, Position um 12.00 Uhr: 10°20,4 S und 123°32,5 W

Nun haben wir auch 2000 Seemeilen geschafft, es geht immer weiter bergab. Tolles Gefühl! Unser heutiges Etmal ist 171 Seemeilen.

Segeln im PassatIch bin mal wieder am Nähen unseres Genackers, aber heute macht es kein Spaß, es ist einfach keine Ende in Sicht. Zudem fängt die See an, ungemütlich zu werden. Ab und zu muss ich die Nähmaschine festhalten, damit sie nicht durch das Schiff fliegt.

Heute gibt es an Bord Bratkartoffeln und gebratene Rippchen, diese müssen gegessen werden. Unser Essensplan wird zurzeit von der Verderblichkeit unserer Lebensmittel an Bord bestimmt. Eine Wassermelone musste  entsorgt werden, da sie eine "Flugstunde" durch unser Schiff nahm und unsanft auf dem Boden gelandet ist. Fliegerpech! 

Bei meiner Nachtschicht sehe ich ein helles Licht am Horizont, kann mir gar nicht erklären, was es sein soll. Ich schaue im Computer nach, ob das AIS System ein Schiff bzw. Frachter anzeigt, aber nichts zu sehen. Das Licht bewegt sich auch nicht, echt komische Sache. Wecke sogar Bernd. Umso näher wir kommen, können wir erkennen, dass es sich um ein großes Schiff handelt, das hell beleuchtet ist. Als wir es passieren, sehen wir, dass es sich um ein Marineschiff handelt. Wir vermuten, dass es ein amerikanisches Marineschiff ist. International Gesetze wie der Gebrauch von AIS - gelten nicht für Amerikaner ! 

Donnerstag, 01.05.2008, Position um 12.00 Uhr: 10°55,4 S und 126°25,0 W

Heute ist es zu ungemütlich, um am Genacker weiter zu nähen. Der Wellengang wirft die UPPS von einer Seite auf die andere. Wir haben dementsprechend im Cockpit gesessen bzw. uns bemüht uns auf der Sitzbank fest zu halten und zu lesen.

Am späten Morgen hören wir dann einen lauten Schlag. Ich war in der Küche und Bernd hat geschlafen. Wir rennen beide raus und versuchen heraus zu  finden, was da eben passiert ist. Wir finden unsere Genua-Reffleine zerrissen auf dem Boden und im nächsten Moment hören wir den zweiten lauten Schlag und sehen, wie die Genuaschot reißt.

Segeln im PassatNun hat uns doch das Seglerdasein zurück, wir legen die zweite Genua-Schott um und fixieren die Genua. Dann scheren wir die neue Schot ein und reparieren die Reffleine. Wir sind 2 Stunden beschäftigt, bevor alles wieder repariert ist. Wir wechseln zudem nach 2 Wochen zum ersten Mal die Segelstellung und fahren nun Schmetterling. Heute ist es zum ersten Mal ein wenig ungemütlich, das Schiff rollt in den Wellen.

Unser Etmal betrug heute 173 SM, wurde aber begünstigt, da wir unsere Uhr um zwei Stunden zurückgestellt haben, damit die Sonne wieder um 6.00 Uhr morgens aufgeht. Die Zeitverschiebung war nun so deutlich geworden, dass wir nicht weiter auf Galapagos Zeit leben wollen. Zudem müssen wir in den nächsten Tagen nochmals eine Zeitkorrektur vornehmen.

Wir haben noch 700 Seemeilen to go.

Sonnenuntergang der besonderen ArtFreitag, 02.05.2008, Position um 12.00 Uhr: 11°17,45 S und 128°39,43 W

Weiterhin segeln wir einen „Eierkurs“. Der Wind kommt achterlich, wir fahren Schmetterling und die Wellen werfen die UPPS von einer Seite zur anderen. Gutes Bauchmuskeltraining!

Vor dem Wind sind wir langsamer als bei raumen Wind, unser heutiges Etmal beträgt "nur" 134 Seemeilen.

Heute gestalteten ausnahmensweise 5 Frauen die Funkrunde, nur Kurt von der Kurtisane nahm teil und verzweifelte fast. Eine geschlagene halbe Stunde musste er warten, bis er endlich seine Position durchgeben konnte. Vorher werden „typische“ Frauenthemen besprochen. Ich glaube, die Männer machen keinen zweites Mal diesen Fehler und werden morgen wieder selbst funken! 

im PassatSamstag, 03.05.2008, Position um 12.00 Uhr: 11°23,86 S und 131°03,72 W

keine besonderen Vorkommnisse, Etmal 142 sm.

Sonntag, 04.05.2008, Position um 12.00 Uhr: 10°54,12 S und 133°16,0 W

Unsere Gedanken sind heute den ganzen Tag in Deutschland, da Jo ihre Konfirmation hat!

Segeln im PassatIch verliere ständig beim Kniffelspiel. Sehr frustrierend! Dabei spiele ich doch dieses Spiel so gerne, Bernd könnte eigentlich darauf verzichten und den ganzen Tag sein Hörbuch hören. Da werde ich aber immer vor meine größte Herausforderung gestellt, dem Schweigen! Deswegen verziehe ich mich mittags ins Schlafzimmer, um den fehlenden Schlaf der Nacht nachzuholen und meinen Frust zu vergessen.

Unser heutiges Etmal beträgt 117 Seemeilen, mit Abstand das schlechteste Ergebnis der Reise! Abends schauen wir dann eine DVD. Titus -  ein schrecklicher Film, der uns nicht gefällt und somit nach einer halben Stunde abgeschaltet wird.

Montag, 05.05.2008, Position um 12.00 Uhr: 10°44,25 S und 135°24,2 W

noch 250 sm bis Fatu HivaWir mussten heute Morgen unsere Bordzeit um eine weitere Stunde korrigieren, so dass wir nun 11 Stunden hinter deutscher Zeit sind. Wir kommen immer weiter in den Westen und unserem Ziel entgegen. Wenn sich unsere Windbedingungen nicht verschlechtern, laufen wir morgen Abend in Fatu Hiva ein. Kaum zu glauben, dass dann die längste Überfahrt unserer gesamten Reise beendet sein soll.

Bernd und ich genießen die letzten Stunden unserer unglaublich schönen und angenehmen Überfahrt. Sie war wie aus einem Bilderbuch, einmal Segel hoch und dann mit dem Passatwind immer Richtung Westen – so richtiges Passatsegeln!

Unsere Etmale der letzten Tage sind nicht mehr der Rede wert, heute hatten wir 142 Seemeilen!

Segeln im PassatGegen Abend dreht der Wind zu unseren Gunsten, wir kommen schneller zum Ziel und unsere Segel schlagen nicht mehr. Wir wechseln die Segel von Schmetterling auf Backbordbug, so dass auch das Schiff wieder ruhiger liegt.

Abends, als wir vor der Dunkelheit das letzte Mal für diese Nacht die Segel von Steuerbord nach Backbord holen wollen, geschieht die erste Verletzung an Bord. Bernd kugelt sich den kleinen Finger der rechten Hand beim Drehen der Wischkurbel aus. Der Finger hängt ganz schief, aber Bernd schafft es, ihn sich wieder einzukugeln. Und das 24 Stunden vor Ende der Überfahrt!

Dienstag, 06.05.2008, Position um 12.00 Uhr: 10°14 S und 137°55 W

Bay de Virgins ( Fatu-Hiva / Marquesas )Die Meilen werden immer weniger, und wir starten einen Wettlauf mit der Zeit! Um 10.00 Uhr morgens haben wir noch 63 Seemeilen zu segeln. Wir haben guten Wind und fahren Schmetterling mit bis zu 8 Knoten. Wir würden gerne noch vor Sonnenuntergang die Bucht erreichen, aber es wird wieder mal diese „gewisse“ eine Stunde fehlen, so dass wir wohl im Dunkeln ankommen werden.

Der Tag zieht sich unendlich in die Länge, aber das ist ja immer so, wenn man auf etwas wartet. Endlich, um 15.00 Uhr auf der Position 10°17 S und 138°12 W erkennen wir am Horizont Fatu Hiva! "Land in Sicht!", rufe ich Bernd zu und freue mich wie ein kleines Kind! Allerdings haben wir immer noch 29 Meilen to go.

Um 17.00 Uhr ist  Günthers Funkrunde, unsere näherkommende Ankunft ist eines der Hauptthemen. Inzwischen ist klar, dass wir gegen 22.00 Uhr in die Bucht einlaufen werden. Es wird dementsprechend bei einer mondlosen Nacht stockdunkel sein. Aber das österreichische Schiff Ahui liegt in der Bucht. Sie sichern uns zu, dass sie auf uns warten und ihr Schiff hell beleuchten werden.

Gesagt, getan, wir nehmen am Nordkap die Segel weg und laufen die letzten 3 Meilen unter Motor. Wir erreichen die Jungfrauenbucht um 21.15 Uhr. Nun ankern wir sicher in der angeblich schönsten Bucht der Welt  in Fatu Hiva neben der Ahui! Wir haben es geschafft!!! Es liegen 5500 km oder 2960 Seemeilen hinter uns! Diese haben wir in 19 Tagen und 5 Stunden bewältigt, wir sind somit bis jetzt das schnellste Schiff des Pacific Island Net in diesem Jahr! Wir sind insgesamt nur 3 Stunden motort, die restliche Zeit gesegelt und hatten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,4 Knoten.

Todmüde, aber überglücklich lassen wir die Sektkorken knallen! Wir haben es geschafft, wir sind nun wirklich in der Südsee!

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