| |
2008 Teil 07: auf den Marquesas (
Mai 2008 )
Die
Marquesas, bestehend aus 10 Inseln und diversen Felsbrocken, sind die
abgelegensten bewohnten Inseln der Welt – 1.600 km entfernt vom Rest der Welt.
Sie gehören zu den landschaftlich schönsten Plätzen von ganz
Französisch-Polynesien: unberührte Tropen, wo bewaldete Klippen steil ins Meer
abfallen und unheimliche vulkanische Felstürme in den Wolken verschwinden. Von
den sechs bewohnten Inseln gilt Fatu Hiva als die schönste, hauptsächlich wegen
der traumhaften Bay of Virgins, deren steilen Klippen übersät sind von üppigen
Mango-, Orangen- und Guavehainen. In dieser Bucht sind wir am 6. Mai 2008 nach
einer 19-tägigen Überfahrt nachts im Dunkeln eingelaufen.
Fatu
Hiva, die südlichste Insel der Marquesas, bat uns am nächsten Morgen einen
umwerfenden Anblick, den selbst Hollywood nicht schöner hinbekommen hätte. Eine
einmalige Kulisse, für die sich die weite Reise in die Südsee bereits gelohnt
hat. Staunend sahen wir uns um, die Felsformationen weisen verschiedene
Steingesichter auf, ein saftiges grün überzieht das ganze zu einem Bild des
Paradieses. In Worten kann man diesen Anblick nicht beschreiben. Jack London
sagte treffend: „Man hielt den Atem an und fühlte ein Stich, der beinahe
schmerzte, so bezaubernd war ihre Schönheit.
Aus segeltechnischen Gründen steuern die meisten
Segelschiffe diese Bucht als erstes an, da man von ihr ausgehend mit dem Wind
weiter nach Hiva Oa oder Tahuata segeln kann. Aber ans Weitersegeln denken wir
noch nicht, sondern genießen den ersten Tag in der Bucht, sehen uns immer wieder
ihre Kulisse an, gehen schwimmen, schlafen uns aus und machen die ersten nötigen
Reparaturen am Schiff. Immer wieder laufen neue Segelschiffe ein, die wie wir
ihre Pazifiküberfahrt hier beenden. Es ist jedes Mal wieder schön die freudigen
Gesichter mit dem Ausdruck der Erleichterung beim Werfen des Ankers zu sehen.
Jeder ist stolz auf sich, dass er die längste Passage der Welt gemeistert hat.
Am
zweiten Tag verlassen wir nun endlich die UPPS für einen Landgang. Neugierig
erreichen wir die Hafenmauer und legen das Beiboot an. Meine Vorstellung von den
Pazifikinseln war eine völlig andere, als der Anblick, der mir nun geboten wird.
Hier waren wir nicht in der Wildnis angekommen, wo die Menschen noch in
Bambus-Hütten lebten, sondern wir waren in einer Art französisches Kleindorf mit
einem exotischen Stich.
Ich nenne es das Paradies! Hier ist die Welt noch in Ordnung. Es gibt eine klein
Dorfkirche, einen kleinen Laden, der das nötigste zum Kauf anbietet, eine kleine
Poststelle, eine Telefonzelle und viel tropische Natur. Es wachsen verschiedene
Früchte an den Bäumen, ausgehend von der Brotfrucht über Bananen, Mangos,
Orangen, Pampelmusen, Limetten und andere, die wir gar nicht kennen.
Es
wachsen viele verschiedene Blumen, die ein buntes Farbspiel abgeben, ein kleiner
Fluss durchzieht das Tal, in dem das kleine Dorf liegt. Pferde, Schweine und
Hühner sind neben dem Fluss festgebunden oder laufen herum. Die Menschen sehen
sehr glücklich aus, lachen, begrüßen uns freundlich (sind Fremden sehr
aufgeschlossen) und Stress ist hier ein Fremdwort. Man sitzt zusammen, redet und
lacht, die Fischer kommen im Hafen an, die Kinder rennen und schwimmen am Strand
und die Frauen waschend die Wäsche. Kann das real sein?
Eine weitere Frage stellen wir uns immer wieder: Wie
verdienen diese Menschen ihren Lebensunterhalt? Sie haben moderne Häuser und
Autos (Pick-up Trucks aus Amerika), obwohl es nur eine Straße gibt. Ums tägliche
Essen müssen sie sich keine Sorgen machen, das sehen wir in ihren Gärten, aber
die Waren im Dorfladen haben die Preise, vor denen wir bereits gewarnt wurden.
12 Eier kosten hier 5 Euro, ein Liter Wein 10 Euro, . Obst können wir Segler nur
bei den einheimischen gegen Parfüm, Ohrringe, Leinen oder Fender getauscht
werden, an Geld sind sie nicht interessiert.
Außer
einer Wanderung zu einem Wasserfall (Dauer 2 Stunden) oder in den Nachbarort
Omoa (einfach 4-5 Stunden) mit einer 10-minütige Rückreise per Boot für 60
Dollar pro Person bietet Fatu Hiva keine Sehenswürdigkeiten. Die Sensation ist
die Bucht, in der wir eine Woche verweilen.
Samstagmittag lud der Bürgermeister, der gerade neu gewählt
wurden war, die Dorfbewohner und uns Segler zum Mittagessen ein. Als wir den Ort
des Geschehens erreichten, gab man uns in einer Plastikschachtel verpackt ein
halbes Hünchen mit Reis und ein Getränk. Die Dorfbewohner waren alle mit ihren
Essen wieder nach Hause gegangen, so dass wir Segler auf der Wiese zusammen
saßen und erstaunt feststellten, dass wir das Essen mit den Händen einnehmen
sollen. Ja, nun mussten wir, warum der Reiseführer ausdrücklich darauf hinwies,
dass man sich immer die Hände waschen soll, da es hier in Südpazifik bei den
Einheimischen Tradition sei mit den Händen zu essen.
Wir wandern zum Wasserfall, der eine steile Felsmauer ist,
von der ein Rinnsal an Wasser heruntertropft. Wir heißen unsere befreundete
Segelboote von der Funkrunde willkommen , die nach und nach eintreffen. Jeder
von ihnen bekommt von uns einen „goldenen“ Lutscher als Belohnung der gut
überstanden Pazifiküberfahrt überreicht.
Sonntags
morgens um 8 Uhr gehen wir zur Kirche, da wir gehört hatten, dass sie einen
wunderschönen Gottesdienst mit viel Gesang veranstalten. Und wir müssen sagen,
er war wunderschön. Auf diesen Weg lernten wir auch die einheimische Sprache
kennen, die hauptsächlich aus Vokalen besteht.
Einige Frauen im Dorf bieten den Seglern ein Abendessen für
12 Euro pro Person an, was wir auch dann Sonntagabend mit der Aquila, Golden
Tilla und Sappho genießen. Erstens ist es noch eine relativ preiswerte
Möglichkeit im Pazifikraum Essen zu gehen (andere Segler sagten uns, dass alles,
was danach kommt, noch teuerer wird) und auch die Menschen und ihr Leben kennen
zu lernen. Hier herrscht eine völlig andere Kultur als in Süd- und
Mittelamerika, die Lebensart hier sagt mir persönlich aber viel mehr zu.
Erstaunlicherweise
gibt es im Hafen gutes Trinkwasser, so dass wir wieder unsere Wassertanks voll
tanken können, bevor wir unsere Reise nach Hiva Oa, der Hauptinsel der südlichen
Marquesas, zum Einklarieren fortsetzen. Zur Information für andere Segler,
möchten wir erwähnen, dass es illegal ist, Fatu Hiva als erste Station
anzulaufen, denn man kann dort nicht einklarieren. Wir hatten Glück und wir
wurden nicht erwischt, aber unsere Freunde wurden ein paar Tage später in Fatu
Hiva von dem einzigen Zollboot von Französisch-Polynesien besucht und mussten
eine Strafe von 200 Dollar bezahlen, da sie nicht einklariert waren!
In Hiva Oa bleiben wir nur einen Tag und zwei Nächte. Den
Tag nutzen wir zum vorläufigen Einklarieren, dass bei uns Europäern problemlos
in 10 Minuten erledigt ist. Dann suchen wir ein Internetcafe, das es jedoch
nicht gibt und landen letztendlich bei Sandra in ihrem Privathaus in der Küche
und nutzen ihren Internetanschluss für 8 Euro die Stunde. Früher haben wir einen
Dollar für die Internetnutzung bezahlt, aber egal, nach 4 Wochen ohne großen
Kontakt nehmen wir alles in Kauf, um unsere Emails abzurufen, unsere Homepage zu
aktualisieren, und unsere Bankverbindung zu haben. Auch ein Telefonat mit Hause
ist möglich, jedoch mit sehr schlechter Verbindung.
Nachmittags
sehen wir uns den Ort an und besuchen den ersten Supermarkt. Hier finden wir
alles, was das europäische Herz begehrt. Die besten französischen Markenprodukte
sind hier für teures Geld zu bekommen. Aber das Beste ist das typische
französische Baguette. Die Nacht vor Anker wird unruhig, es kommt Schwell auf
und somit reisen wir am nächsten Tag nach Tahuata ab. In der Baie Hanamoenoa
fällt wieder unser Anker. Laut Eric Hiscock ist es eine der drei schönsten
Ankerplätze in Polynesien. Hier haben wir endlich wieder einen weißen Sandstrand
mit Palmen und glasklares blaues Wasser. Am Sonntagmorgen fahren wir mit unserem
Beiboot in die Nachbarbucht Baie Vaitahu, wo sich das größte Dorf der Insel mit
einer wunderschönen Kirche befindet. Wir gehen wieder in den Gottesdienst. Der
Altar ist mit Blumenschmuck geschmückt, die Fenster hinter dem Altar runden das
Bild ab.
Nachmittags
verlassen wir die Insel um Richtung Nuku Hiva zu segeln. Es liegt 130 Seemeilen
entfernt, so dass wir lieber über Nacht fahren, um bei Tageslicht anzukommen.
Nuku Hiva ist die Hauptinsel der Marquesas mit der sichersten Bucht Baie de
Taiohae. Diese Bucht gefällt uns nicht sonderlich, praktisch sind jedoch das
Städtchen mit den Einkaufmöglichkeiten und ein sehr langsame WiFi-Verbindung vor
Anker. Sie ist so schlecht, dass man nicht mal ein Dokument von einer Wordseite
runterladen kann. Somit verlegen wir, nachdem wir die Wäsche zum Waschen
abgegeben haben, in die Baie de Taioa. Mit dem schweizerischen Paar Rudy und
Lilian von dem Schiff Shiva wandern wir zu zum dritt höchsten Wasserfall der
Erde. Diese Wanderung dauert insgesamt 5 Stunden und ist traumhaft schön. Sie
war für uns eines der Highlights der Marquesas. Beim Wasserfall angekommen, kann
man baden gehen und sollte durch das kleine Loch am Ende des kleinen Sees
klettern, denn danach ist ein weiterer See, in den der Wasserfall herab stürzt
und die Felswände steil hinaufragen.
Die
Bucht, in der man ankert, ist ein unvergessliches Bild. Man meint, man liegt in
einem Bergsee in Bayern. Hier könnte man sich locker 1 Woche aufhalten, aber
leider drängt ja in der Pazifiksaison immer die Zeit, so dass wir nach 2 Tagen
weiter nach Oa Pou, der Nachbarinsel im Osten reisen. Von dort kann man gut
Richtung den Tuamotus abspringen.
Auch diese Insel sollte man auf keinen Fall verpassen. Von
der Ferne sieht sie wie ein Schloss aus. Ihre Felsenstruktur ist wieder einmalig
und das kleine Dorf mit seinen freundlichen Dorfbewohner ein unvergesslicher
Ort. Wir haben hier das Glück, dass in dem College (wo alle Kinder aller Inseln
zur Schule gehen) Tag der offenen Tür ist und traditionelle Tänze aufführt
werden. Ich glaube, hier sagen die Fotos mehr als viele Worte.
Abends
wird der Muttertag im Gemeindehaus gefeiert und wir werden gefragt, ob wir auch
Eintrittskarten kaufen wollen. Es gibt ein Menü und anschließend eine
Tanzaufführung und zum Schluss Bühne frei zum Tanzen. Pauline, die die
Veranstaltung mit organisiert, bemüht sich mit mir englisch zu sprechen und mit
einem Gemisch aus Englisch und Französisch verstehen wir uns bestens. Abends
saßen wir dann mit 10 Dorfbewohnern (alles Frauen!!!) am Tisch und hatten
unseren Spaß. Sie bemühen sich mit uns zu kommunizieren im wahrsten Sinn des
Wortes mit Händen und Füßen! Ihre Kinder sprangen herum und als wir zum Schiff
zurückgehen, sehen wir, dass auf dem Parkplatz alle Trucks geparkt sind mit
Matratzen auf der Ladefläche, wo nun die Kinder in allen Altersstufen schliefen.
Babysitter ist somit nicht nötig! Die Ältern Kinder passten auf ihre Geschwister
auf. So einfach kann es sein!
Sonntags
besuchen wir zum letzten Mal die örtliche Kirche, wo die Kommunion stattfand. Es
war ein schöner Abschluss für unseren fast 3-wöchigen Aufenthalt auf den
Marquesas Inseln. Im Supermarkt holen wir noch Fleisch und dann nehmen wir den
Anker auf, um Richtung den Tuamotus zu segeln. Ich bin mir heute schon sicher,
dass die Marquesas eines der Highlights des Pazifiks sind, die ich gerne länger
besucht hätte. Aber es gibt hier im Pazifik so viel zu sehen, dass man einfach
weiterfahren muss.
Weiter
zu den Bildern dieser Reise
Weiter zum
Reisebericht 2008 Teil 08: Tauchen in den Tuamotus
zurück zum
Reisebericht 2008 Teil 06: von den Galapagos zu den Marquesas (
April 2008 )
|