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2008 Teil 08: Tauchen in den Tuamotus (
Juni 2008 )

Die Tuamotu Inseln (too-ah-moh-toos) sind 77 Atolle, die
sich wie Konfetti über eine Fläche von 1500 km von Nordwesten nach Südosten und
500 km von West nach Ost erstrecken. Die naheste Insel liegt 300 km von Tahiti
entfernt. 45 Inseln sind bewohnt und die Menschen hier leben hauptsächlich von
der Perlenzucht.
Die Tuamotus waren und sind ein gefürchtetes Gebiet für die
Schifffahrt, da hier die Navigation sehr schwer ist. Es ist ein mit Riffen
durchzogenes Gebiet, bei dem schon manch ein Schiff aufgelaufen ist und somit
seine Fahrt beendet hat.
Am 25. Mai nachmittags nehmen wir unseren Anker in Oa Pou /
Marquesas auf und segeln Richtung Tuamotus. Wieder haben wir eine traumhafte
Überfahrt mit einer ruhigen See und guten Segelwind. Nur am letzten Segeltag
wird es ein wenig schaukelig, der Wind nimmt bis zu 20 Knoten zu und ermöglicht
uns somit noch bei Tageslicht den Pass „Arikitamiro“ von Kauehi zu erreichen.
Wir müssen ehrlich gestehen, dass wir vor unserer ersten Passeinfahrt nervös
sind, obwohl sie sehr einfach sein soll. Wir sehen deutlich die ausgehende
Strömung und somit fährt Bernd mit beiden Maschinen Vollgas auf die Einfahrt zu.
Das Schiff fängt durch die Strudel an zu rollen und Bernd hat
alle Hände voll zu tun. Wir haben nur noch eine Geschwindigkeit von 2 Knoten,
aber nach einiger Zeit haben wir es geschafft. Wir fahren quer durch das Atoll
Richtung den kleinen Ort „Tearavero“. Gegen 18 Uhr erreichen wir unseren
Ankerplatz, es ist bereits ziemlich dunkel, aber dank der Segelyacht Shiva haben
wir einen Anhaltspunkt. Wir lassen den Anker fallen.
Die Tuamotos sind das krasse Gegenteil von den Marquesas
Inseln. Es sind flache kleine Sandinseln mit einer Vielzahl von Palmen. Außer
Kokosnüssen und ab und zu eines Brotfruchtbaumes wächst hier nichts. Für uns ist
es ein typischer Anblick von der Südsee, so wie man es sich eben vorstellt.
Mit Rudy und Lilian besuchen wir am nächsten Tag den Ort.
Die Menschen sind uns Fremden gegenüber wieder sehr aufgeschlossen, grüßen
freundlich und unterhalten sich gerne. Es gibt einen kleinen Laden, der zwei Mal
die Woche durch ein kleines Flugzeug aus Tahiti beliefert wird (auch mit
frischen Baguette). Wir lernen bei einer Familie die Kunst des
Palmblätterflechten kennen. Diese Familie hat einen Auftrag von einem Hotel aus
Tahiti 3000 Palmblätter zu flechten, die zur Abdeckung der Dächer einzelner
Bungalows dienen.
Eine andere Dame trocknet Kokosnussfleisch, um es zu
Kokusrasperln zu verarbeiten. Sie verkauft es dann nach ebenfalls nach Tahiti.
Wir werden vom Dorfpolizisten gebeten, eine Ankergebühr von
2,50 Euro zu bezahlen. Es war ihm sichtlich unangenehm, uns danach zu fragen und
somit entschuldigte er sich auch und erklärte uns, dass der neue Bürgermeister
diese Gebühr eingeführt hätte. Sie wollen eines Tages Mooringleinen ausbringen.
Wie auch immer, wir haben gerne die Gebühr bezahlt und dürften uns dann auch ins
Gästebuch der Gemeinde eintragen, was ich persönlich eine sehr schöne Geste
fand.
Wir verweilen bis zum 3. Juni in Kauehi, gehen an
Traumstränden schwimmen, Bernd bekommt von Lilian die Haare am Strand
geschnitten, was ein einmaliger Friseurbesuch bei einer Ärztin war. Aber
Kompliment, sie hat ihm eine tolle Frisur verpasst!
Aber dann wird es wieder Zeit weiterzusegeln, es gibt ja so
viel zu sehen! Zudem suchen wir immer noch die Einsamkeit des Pazifiks, die wir
bisher nicht gefunden haben. Wo immer wir unseren Anker fallen lassen, sind
früher oder später 10 bis 15 Schiffe neben uns, aber die Hoffnung stirbt ja
immer zuletzt.
Mit der Schweizer Segelyacht Shiva zusammen segeln wir nach
Fakarava weiter. Bei der Ausfahrt des Passes können wir das erste Mal die Gewalt
des Wassers erleben. Als Rudy sein Schiff Shiva durch den Pass fährt, werden sie
mit einem Ruck um 90 Grad gedreht, es sah aus, als hätte jemand das Schiff
gerade mal hochgenommen und wieder abgesetzt. Beeindruckendes Vorgehen, zum
Glück waren wir vor ihm herausgefahren! Es ist aber nichts passiert, dank der
Genua war er schnell wieder auf Kurs.
Der heutige Segeltag war für pazifische Verhältnisse
außergewöhnlich unruhig. Wir hatten mehrere Squalls und unruhigen Seegang.
Vielleicht war es aber auch ein ganz gewöhnlicher Segeltag und wir sind einfach
zu verwöhnt durch den Pazifik. Auf jeden Fall waren wir gut beschäftigt mit den
Segeln rein- und rausholen.
Eine weitere Passeinfahrt namens Pass Tumakohua im Süden
von Fakarava fordert erneut am Ende des Tages unser Können, dass noch mehr
gefragt ist, als uns mitten bei der Passdurcheinfahrt ein Charterschiff entgegen
kommt, das genau auf uns zuhält. Um 17 Uhr fällt der Anker.
Rudy und Bernd ziehen gleich am Morgen los und fahren mit
dem Beiboot zur Tauchschule. Wir wollen den Südpass durchtauchen, eines der
schönsten Spots. Bernd ist alleine schon von dem Anblick des Riffes (kleine Haie
schwammen in einer Wassertiefe von einem halben Meter am Strand lang) vor der
Tauchschule begeistert und wäre am liebsten gleich tauchen gegangen, jedoch
wurde ihm gesagt, dass dies Strömung nun zu gefährlich sei und er bis mittags
warten müsse.
Den Strömungstauchgang durch den Pass legten sie für den nächsten
Tag fest. Wir gingen mittags Schnorcheln. Noch nie hatte ich so ein gesundes
Riff gesehen. Das Wasser war klar und viele bunte Fische schwammen herum. Auch
die Haie waren da, was mir an diesem Tag gar nicht gefiel. Ich fühle mich als
Taucher sicherer und nachdem ein Hai uns umkreist und seine vorderen Flossen
nach unten streckt, gehen Bernd und ich schnell ins Beiboot. Haien warnen so
ihren Beute vor einen Angriff, den wir jedoch nicht erleben wollten.
Der Tauchgang am nächsten Tag war super schön – wir tauchen
durch eine Wand von 100 Haien. Es sind Schwarzspitzhaie, Grauhaie, und
Weißspitzhaien. Das Riff leuchtet in allen Farben und viele bunte Fische
schwimmen um uns herum. Die Unterwasserwelt des Pazifiks unterscheidet sich
deutlich von der Karibik und wir wissen gar nicht, wo wir zuerst hinschauen
sollen. Zu viele neue Eindrücke!
Leider war unserer Tauchguide mehr als
schlecht und nicht zu empfehlen. Er ist schlicht weg verantwortungslos, was sich
nicht nur bei unserem Tauchgang zeigte.
Bei einem Segelschiff, Name wird nicht
genannt, ging er mit dem Skipper tauchen (Strömungstauchgang im Südpass), obwohl
dieser noch nie zuvor getaucht war und keinen Tauchschein hatte. Uns fragte er
auch nicht nach unseren Tauchpässen, sprang ohne die Gruppe ins Wasser und
tauchte ab. Hinterher sagte er uns, dass wir ein Viertel des Tauchganges
verpasst hätten, da wir so lange gebraucht hätten ins Wasser zu kommen. AHA!!!
Gerne hätten wir diesen Tauchgang ein zweites Mal gemacht,
wenn man zur richtigen Zeit geht, kann man ihn auch ohne Tauchlehrer mit einem
begleiteten Beiboot machen. Aber das Wetter ist grau in grau und wir
entschließen uns in den Norden von Fakarava weiterzusegeln.
Dort ist der Tauchgang durch den Nordpass Garue für
fortgeschrittene Taucher ein MUSS!!! Es war der beste Tauchgang meines Lebens
und Bernd meint, es sei eines der besten Tauchgänge. Die Tauchschule vor Ort ist
sehr professionell, sofort wollten sie unsere Tauchscheine sehen und unser
Können testen, bevor sie mit uns durch den Pass tauchen. Das fand ich sehr
positiv.
Mit einem detaillierten Briefing wurden wir auf den
Tauchgang vorbereitet und 2 Tauchlehrer gingen mit uns 5 Tauchern durch den
Pass. Vielleicht sollten wir erwähnen, dass hier schon ein Taucher verloren ging
und nie mehr gefunden wurde. Wie auch immer, diesen Tauchgang kann man nicht
alleine machen, sondern er sollte auf jeden Fall mit der örtlichen Tauchschule
gemacht werden!
Als die Gruppe komplett fertig war, zählte der Tauchlehrer
bis 3 und wir sprangen zusammen ins Wasser und tauchten sofort auf 30 Metern ab.
Die Strömung trieb uns ans Riff, wo wir uns festhielten und ca. 5 Minuten das
Treiben um uns herum beobachten. Dabei sahen wir unseren ersten Malin! Die Haie
brauche ich wohl nicht mehr zu erwähnen. Dann zogen wir uns auf Kommando über
den Grund bis der Tauchlehrer das Zeichen zum Loslassen gab.
Und dann sausten
wir durch eine unbeschreiblich schönen Rifflandschaft! Ich kam mir vor wie „Allis
im Wunderland“! Am Ende des Tauchganges habe ich nicht auf die Tiefe geachtet,
die die Tauchlehrer vorgaben und schon sauste die Gruppe ab und ich hatte Mühe
schwimmend hinterher zu kommen. Da sieht man, wie wichtig die Wassertiefe ist,
denn die Strömung kann innerhalb von ein paar Metern ganz anders sein.
Da uns dieser Tauchgang so gut gefallen hat, wiederholen
wir ihn am nächsten Tag. Aber wir müssen gestehen: You never
get a second chance to make the first impression! Das zweite Mal war bei weitem nicht so gut wie das erste
Mal. Die Strömung war viel weniger, so dass wir gleich beim Abtauchen schwimmen
mussten, um nach 3 Minuten das Riff in 30 Metern Tiefe zu erreichen...
Am 9. Juni verlassen wir Fakarava Nord und segeln nach Toau
zur Anse Amyot Bucht. Dort wartet Lilian und Rudy auf uns, denn Lilian feiert
heute einen runden Geburtstag.
In dieser Bucht leben das Ehepaar Valentine und Gaston,
zwei liebenswerte Menschen, die den Seglern einen unvergesslichen Aufenthalt
bieten. Es ist ein Ort, denn man auf keine Fall verpassen sollte, wenn man die
Tuamotos besucht. Wir lernen nicht nur das Leben der Menschen dort kenne,
sondern wir bekommen die Chance es mit zu leben. Valentine und Gaston beziehen
die Segler in ihr tägliches Leben ein und lassen sie mitarbeiten und miterleben!
Gaston hat Moorings für die Segelboote ausgebracht, für die
Nutzung wollen sie keine Bezahlung, sondern hoffen, dass die Segler zum
Abendessen zu ihnen kommen. Obwohl sie nicht viel besitzen, tragen sie immer
tolle traditionelle Gerichte auf und man wird mehr als satt. Zur Feier des Tages
haben sie Lilian einen Geburtstagskuchen gebacken und mit einer Blume und einer
schwarzen Perle verziert. Der Kuchen schmeckt fantastisch und der Abend ist
unvergesslich schön! Damit ihr ein bisschen miterleben dürft, hat Valentine uns
das Rezept des Cocosnusskuchen verraten:
Valentines Kuchen „Le Gateau Coco de Valentine“
400 g Mehl
1 Päckchen Backpulver
200-300 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
1 Schuss Rum
150 g Butter
3 Eier
1,25 Gläser Milch
1 Glas Cocosraspeln
1 Glas Bananen zerdrückt
Zucker und folgende zutaten mischen; zum Schluss Mehl und
Backpulver zufügen!
50 – 60 Minuten Backzeit, bei 200 C
Wenn der Kuchen abgekühlt ist, kommt noch eine Kaffeecreme
darauf:
2 EL Zucker
2 EL Butter
1 Tasse Caro-Kaffee
Alles aufkochen und den erkalteten Kuchen damit bestreichen
Cocosraspeln darüber streuen und eine Blume als Deko!
Wir fahren einen Tag mit ihnen auf ihr Motu und lernen
alles über die Perlenzucht kennen. Wir gehen im Außenriff tauchen und genießen
die Gesellschaft mit der Shiva und Kira von Celle. Wir lachen
viel mit Valentine und Gaston, ich glaube, ich habe noch nie so viel gelacht wie
dort. Es war fantastisch zu sehen, wie sie über alles und nichts Spass haben
konnten.
Die Tage dort vergingen viel zu schnell – wie immer hier im Pazifik und
somit müssen wir an unsere Weiterreise denken. Nur noch eine Woche bis Jo in
Tahiti ankommt. Es liegen 230 Seemeilen vor uns, um Tahiti zu erreichen. Wir
wollen nicht auf den letzten Drücker dort ankommen, so dass wir sonntags nach
dem Gottesdienst Valentine und Gaston verlassen. Am Ausgang der Bucht setzten
wir Segel und eine Herde von Delphinen schwimmen um unser Schiff. Es wäre eine
einmalige Chance gewesen mit Delphinen in freier Natur zu schwimmen, aber
leider zu spät, die UPPS segelt in die Ferne.
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