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2008 Teil 9: Gesellschaftsinseln ( Juli 2008 )

Wir haben Euch das wahrscheinlich am meisten
gespielte Lied des Heiva-Festivals eingestellt.
Durch einen Klick auf die Schaltfläche
Die
letzte Berichterstattung von unserer Reise ist bereits 2 Monate her, viel zu lange
ließen wir nun auf unseren neuen Bericht warten. Das lag daran, dass wir immer
themen- bzw. revierbezogen berichten und seit dem 17. Juni uns hier
zwischen Tahiti und Bora Bora bewegten. Der lange Aufenthalt begründet sich zum
einem an den wunderschönen Inseln, aber zum anderen an Jos 4-wöchigen Aufenthalt
und meinem Heimaturlaub in Deutschland. Nun befinden wir uns aber auf unseren
Absprung von den Gesellschaftsinseln und somit Französisch Polynesien nach
Aitutaki ( Cook-Island )
und es wird Zeit die schönen und unvergesslichen Wochen in Worte zu fassen.
Am 15. Juni verließen wir die Tuamotus um nach Tahiti, den
Gesellschaftsinseln, zu segeln. Die Wettervorhersage meldet keinen Wind,
weswegen wir eigentlich nicht abreisen wollten, aber da wir Jo am kommenden
Wochenende in Tahiti erwaten haben, nahmen wir den Anker in der Erwartung auf,
dass wir die nächsten 2 Tage motoren müssen. Aber wie immer kommt alles ganz
anders als gedacht. Den Sekt, den Bernd schon im Kühlschrank kalt gelegt hatte,
um auf unsere halbe Weltumsegelung anzustoßen, blieb verschlossen. Das heißt
nicht, dass wir nicht geschafft haben, die halbe Welt zu umsegeln, sondern
vielmehr hatten wir unseren ersten Sturm nach einer halben Weltumsegelung, der
uns die nächsten 48 Stunden mehr als beschäftigte.
Es
war mein erster Sturm, Wind durchschnittlich von 35 Knoten, manchmal auch bis 45
Knoten, wir trugen unsere Ölkleidung und im Großsegel hatten wir zum ersten Mal
Reff 3 eingebunden. Das Vorsegel hatte nur noch die Größe eines kleines Handtuchs. Die
Wellen waren ca. 3 Meter hoch, und unser Beiboot hatten wir leider nachgezogen,
da unsere Davids gebrochen waren. Das sollten wir bitter bereuen, denn unser
neues Beiboot reißt sich los, wird nur noch durch eine Sicherungsleine gehalten
und der Augbolzen reißt auf und das Boot droht zu sinken. Mit einem Münchner
Manöver stoppen wir die UPPS und holen das Beiboot an Deck. So schnell übt man
ein Mann über Bord Manöver!
Stunden später hören wir einen lauten Schlag im
Maschinenraum und beim Nachsehen entdecken wir, dass der Generator durch den
Maschinenraum geflogen und auf unserer linken Maschine gelandet ist. Kurzum,
diese Überfahrt war schrecklich und der Pazifik zeigte sein unschönes Gesicht.
Am
17. Juni kommen wir in Tahiti an und kaum vor Anker weht kein Lüftchen mehr. Wo
war bloß der Wind geblieben?
Wir verbrachten die folgenden Tage mit Reparaturen und
bereiteten das Schiff auf Jos Besuch vor. Samstagabend ist es dann soweit, das
Flugzeug aus L.A. kommend landet pünktlich in Tahiti Faaa Airport. Gott sei
Dank geht es ihr nicht so wie den
Passagieren des ( Unterwaaser-) Flugzeuges.
;-)
In den nächsten 4 Wochen reisen wir zusammen von Tahiti
nach Moorea, Huahine, Reiatea, Tahaa bis Bora Bora und zurück nach Tahiti. Wir
besuchen mehrere Veranstaltungen des Heiva, ein polynesisches Fest. Wir gehen
Schnorcheln, lernen andere deutsche Crews von Charterschiffen und den Besuch der
Saphoo kennen und verleben mit ihnen eine unvergessliche Zeit am Strand von
Huahine. Das Grillen am Strand bei Vollmond war nur eines von vielen Highlights
und unvergesslichen Momenten.
Hier
ist ein Überblick über die Inseln, die wir besucht haben:
Tahiti, die Hauptinsel von Französisch Polynesien
und Zentrum des Geschehens. Von hier aus gehen alle Versorgungsschiffe zu den
kleinsten Inseln, hier befinden sich der internationale Flughafen und die
Hauptstadt Papeete. Für Segler ist es das Zentrum zum Reparieren, Besorgen, denn
es gibt mehrere Marinas und eine Werft, Nauticgeschäfte, Gasfüllstation u.s.w..
Ein großes Ankerfeld bietet viel Platz für alle Schiffe. Wir hätten in der
Marina pro Tag ca. 50 Euro zahlen müssen, da blieben wir doch lieber vor Anker.
An der Tankstelle bekommt man steuerfreies Diesel ( ca. 1€ pro Liter ) und
kostenlos Wasser. Der Carrefour liegt um die Ecke und bietet alles, was das
europäische Herz begehrt. Allerdings sind die Preise nicht zu verachten.
Ein
Segelfreund von uns, der sicher wohlhabend ist, meinte, dass selbst er hier
pleite gehen würde. Aber nichts desto trotz: dies ist die Insel, wo man fast
alles erledigen kann.
Auf gar keinen Fall verpassen sollte man das Heiva I
Tahiti. Es findet jedes Jahr zum 14. Juli statt. In diesem Jahr feierten sie das
Fest vom 2. Juni bis 18. Juli. Bei dieser siebenwöchigen Mutter aller Festivals
von Französisch-Polynesien strömen Einheimische von vielen der 115 Inseln nach
Tahiti, um zu singen, zu tanzen und sich in Sportwettkämpfen zu messen – Teil
ihres gemeinsamen Erbes.
Die Stimmung ist mit den Händen greifbar, und
farbenprächtige traditionelle Kostüme werden von Wettkämpfern sowie Zuschauern
gleichermaßen getragen.
Bei
diesem Festival offenbart sich die einheimische Kultur. Einige Wettbewerbe wie
Laufen durch Feuer, Steingewichte heben (haben wir beides leider nicht gesehen)
und Auslegerboot-Regatten sind uralt. Missionare verbaten die zweideutigen
Tamure-Tänze im frühen 19. Jahrhundert, aber sie wurden wiederbelebt – und wie!
Es war eine Pracht das Treiben auf der Bühne zu verfolgen und da wir in der
Festivalzeit auf verschiedenen Inseln waren, nutzen wir die Gelegenheit und
schauten uns das Heiva auch in Bora Bora und Huahine an, wo es uns am
besten gefallen hat. Dort gab es kaum Tourismus, außer wir paar Segler, und
somit konnten wir das traditionelle Geschehen mit den Einheimischen genießen!
Zurück in Tahiti haben wir uns am 18. Juli die
Abschlussfeier mit allen Gewinnern angesehen. Die Karten hatten wir uns schon
Wochen vorher besorgt gehabt.
Moorea, die Nachbarinsel von Tahiti, streitet sich
mit Bora Bora um den Titel der schönsten Insel der Welt. Seine zerklüften
Berggipfel dienten schon oft als Hintergrundkulisse für zahlreiche
Hollywood-Filme, die in der Südsee spielen. Wir liegen mehrere Tage in den
beiden nördlichen Buchten names Cook’s Bay und Opunohu Bay. Mit unserem Beiboot
besuchen wir die Stachelrochen in Stingray World zwischen den Motu Fareone und
Motu Tiahura. Tauchschulen und Hotels haben die Stachelrochen angefüttert, so
dass sie zutraulich geworden sind. Wir konnten sie sogar anfassen.
Huahine
ist tief in Tradition verwurzelt und besticht durch seine
Abwechselungsreiche Landschaft, seine Traumstrände, die zahlreichen
Zeremonientempel, seine pittoreske Hauptstadt Fare und seine kleinen,
bezaubernde Dörfer. Als eine von wenigen polynesischen Inseln würde James Cook
Huahine vielleicht wiedererkennen. Der Tourismus hat die Insel spät erreicht, so
dass sie immer noch hauptsächlich von der Landwirtschaft geprägt ist und oft mit
Bora Bora verglichen wird, bevor die Luxushotels kamen. Es gibt wenig Trubel,
die Einwohner sind sehr freundlich und man lernt die polynesische Lebensart
kennen. Wir bekommen von einem Dorfbewohner Mangos geschenkt, die wir ihm
eigentlich abkaufen wollten, da wir sahen, dass sein Mangobaum voll mit Früchten
hing. Er wollte aber unser Geld nicht.
An
unserem Lieblingsstrand Mt. Teapan liegen wir mehrere Tage vor Anker, lassen die
Seele baumeln und verbringen die gesamten Tage am Strand, was wir nur selten
machen. Wir lernen den einheimischen Philipp kennen, er bewacht den Strand seit
7 Jahren und hält in sauber, pflückt die Kokosnüsse, um sie an die wenigen
Touristen zu reichen, uns zeigt er die einzige Boje, an die wir uns selbst mit
der UPPS wagen festzumachen. Er erzählt uns seine Lebensgeschichte, die
Geschichte der Bucht und dem abgebrannten Hotel, er schenkt uns Vanillestangen,
Pampelmusen, geht mit uns Bananen und Papaya pflücken und zeigt Bernd, wie man
Kokosnüsse einfach und schnell öffnet.
Wir verbringen mit einer deutschen Chartercrew aus Dortmund und der
Sappho viele Stunden, machen eine Strandparty bei Vollmond und spielen
Volleyball. Wir liegen Stunden im warmen Wasser, Schnorcheln und genießen das
Leben.
Huahine wurde unsere Lieblingsinsel. Auch das Einkaufen bzw.
bunkern für die Weiterfahrt ist hier am einfachsten von allen
Gesellschaftsinseln. Der Supermarkt ist sehr groß, sehr gut sortiert und hat
alles, was man braucht. An der Pier vor dem Supermarkt kann man mit dem Schiff
anlegen und zugleich Wasser in die Wassertanks bunkern. Wir lieben diese Insel
und viele andere Segler sprachen auch nur in den höchsten Tönen von Huahine.
Eine Insel, die man nicht verpassen sollte.
Tahaa
und Reiatea, stehen im Schatten ihrer beiden Nachbarinseln Bora Bora und
Huahine. Sie können diesen einfach nicht das Wasser reichen, obwohl sie sicher
auch ihre schönen Seiten haben. In Reiatea kann man an der Stadtpier anlegen und
ohne Fahrt mit dem Beiboot in die Stadt losziehen. Zudem bietet Reiatea mehrere
Marinas und ist somit eine weitere oder bzw. die zweite Option im Pazifik, wo
man das Schiff lassen kann, wenn man z.B. nach Hause fliegen muss.
Auf Tahaa kann man eine schöne Vanillefarm besuchen. Hier
gibt es mehrere Chartergesellschaften und dementsprechend ist hier auch viel in
den Buchten los. Ein ungewohntes Treiben, was wir gar nicht mehr gewohnt sind.
Hier halten uns nicht lange auf beiden Inseln auf, sondern nutzen die
Riffdurchfahrt bei Tahaa zur Durchreise nach Bora Bora.
Bora
Bora, in unterschiedlichen Reiseführern lasen wir, dass sie die schönste
Insel der Welt sei. Nun gut, ich kann nicht behaupten, dass ich alle Insel der
Welt kenne, aber für mich ist sie die schönste Insel der Welt. Sie liegt 270
Kilometer nordwestlich von Tahiti entfernt. Die Hauptinsel ist nur 9 Km lang und
4 Km breit und fast vollständig von einer breiten Lagune umgeben, die etwa
dreimal so groß ist wie die Insel selbst. Es ist die Trauminsel für Hochzeitsreisen oder einem romantischen Urlaub. Die Hotelpreise pro Nacht und
Zimmer fangen bei 400 Euro an. Ein Ort, den man bestimmt nicht mehrmals im Leben
besucht, zumindest wenn man nicht mehr Geld als Heu hat. Jeden Tag in der
wunderbaren und einzigartigen Rifflandschaft genieße ich, besonderst im Ostteil.
Stundenlang kann ich das türkis Wasser beschauen, im Hintergrund die hohen
Vulkanberge, viel Grün und weiße Strände im Vordergrund. Hier erlebt man die
Südsee! Leider hat der Tourismus die Insel fest im Griff, viele Hotels sind in
die Rifflandschaft auf eine elegante Art gebaut.
Hier
sollte man Urlaub machen, das Leben genießen und nichts mehr reparieren oder
proviantieren. Der Supermarkt ist eher bescheiden. Im Yachtclub kann man gegen
Bezahlung Wasser bunkern, aber leider nur von einer Boje aus, was recht
unkomfortabel ist. Dafür bekommt man aber kostenlos Fahrräder zur Verfügung
gestellt, so dass wir mit unseren Freunden von der Albatros 2 einen Tagesausflug
unternehmen. Wir fahren auf der Küstenstraße rund um die Insel. Die Strecke ist
32 Km lang und bietet eine traumhafte Landschaft. Wir kehren im Bloody Mary
(ein sehr bekanntes Restaurant) zum Mittagessen ein, auch das sollte man in Bora
Bora nicht verpasst haben. Wir können diesen Ausflug nur wärmstens weiter
empfehlen!
Es fällt jedem Segler schwer von hieraus Französisch
Polynesien zu verlassen, so nehmen wir am 22. August mittags um 12.15 Uhr den
Anker Richtung Cook Islands ( Aitutaki ) auf.
Zusammenfassend
kann man Französisch-Polynesien so beschreiben, dass die Marquesas tolle
Vulkaninseln sind, wo es kaum Tourismus gibt. Die Tuamotus sind flache
Palmeninseln mit einer großen Lagune und wenig Tourismus und die
Gesellschaftsinseln sind eine gute Mischung aus beiden. Tolle Vulkaninseln
umrundet von traumhaften Lagunen mit Motus und weißen Traumstränden und mit viel
Tourismus!
Für mich war es das Paradies und schon jetzt ist mein
Traumsegelrevier der Pazifik! Man muss nicht um die Welt segeln, aber den
Pazifik sollte man auf jeden Fall als Segler einmal im Leben durchqueren!
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