Zurück von der Kanaldurchfahrt verbringen wir noch einige Tage in der Marina. Da Volker und Joanna uns erst am 18. September besuchen werden, bleiben uns noch 4 Wochen Zeit. Für einen Marinaaufenthalt ist uns ein Monat - trotz des süßen Faultierbabys - zu lang und auch zu langweilig. Wir möchten lieber die Zeit nutzen, um Cartagena kennen zu lernen. Da wir vor fast einem Jahr von Curacao direkt nach Kuba gesegelt waren, kennen wir Cartagena noch nicht. Viele andere Segler betonten die Schönheit der kolumbianischen Stadt. Also dann mal los!
Ca. 280 Seemeilen trennen uns von Cartagena, der erste Segeltag ist wunderschön. Die Nacht bricht an, sternenklarer Himmel, stilles Wasser. Ich kann gute 4 Stunden schlafen und übernehme die Nachtschicht um 24.00 Uhr.
Kaum ist Bernd eine halbe Stunde im Bett, sehe ich eine schwarze Wolkenfront auf mich zukommen, wieder mal ein Squall. Das sieht nicht gut aus, also muss Bernd geweckt werden. Es dauert keine 10 Minuten, dann sind wir mitten im Gewitter und die Blitze schlagen rechts und links vom Schiff ins Wasser.
Das Radar zeigt im Umkreis von 8 Seemeilen nur weiß, wir sind im Zentrum des Squalls. Damit war für Bernd an Schlaf nicht mehr zu denken, er verbringt sage und schreibe die nächsten 16 Stunden am Ruder, durchnässt vom Regen und durchgefroren vom kalten Wind. Es ist wohl kaum zu glauben, aber auch in der Karibik gibt es sehr schlechtes Wetter. Wir sind überglücklich als es endlich vorbei ist und wir keinen Blitzeinschlag im Schiff erhalten haben.
In der zweiten Nacht auf See setzen wir Ankerlicht, drehen bei und lassen uns treiben. Wir sind zu müde und wollen auch nicht nachts in Cartagena einlaufen. Die Strömung treibt uns 10 Seemeilen unserem Ziel näher! Gut, dass wir 30 Meilen vor der Küste schlafen gegangen sind!
Cartagena de Indias ist eine traumhaft schöne Stadt in Kolumbien – man sagt, sie sei die schönste Stadt in Südamerika, Hauptstadt des Departements Bolívar mit 952.036 Einwohnern (Stand 1. Januar 2005). Der Name der Stadt stammt von der spanischen Stadt Cartagena, welche in der Antike Carthago Nova -- Neu-Karthago hieß. Cartagena ist an der Karibikküste im Norden des Landes gelegen, zum Landesinneren durch eine Bergkette geschützt, mit dem Meer durch die Bucht Bahia de Cartagena verbunden, die durch Inseln begrenzt wird.
Es ist ungefährlich durch die Straßen zu laufen, so dass man schön in der Altstadt bummeln gehen kann. Cartagena ist die Stadt mit den meisten Touristen und nicht zuletzt wegen der geografischen Lage die sicherste und bestbewachte Stadt in Kolumbien. Wie in allen Großstädten ist wegen der Kleinkriminalität trotzdem Vorsicht geboten. Vom bewaffneten Konflikt zwischen Militär, Paramilitärs (AUC) und Guerilla (FARC, ELN) ist Cartagena kaum betroffen. Die kolumbianische Marine hat in Cartagena ihren Hauptstützpunkt.
Das komplett ummauerte alte Stadtzentrum mit Festungsring und den Stadtteilen Centro mit der Kathedrale und zahllosen Palästen im andalusischen Stil, San Diego, dem Viertel der Händler und der zahlenmäßig kleinen Bourgoisie sowie Getsemaní, dem Viertel der kleinen Leute und Handwerker, das aus dieser Zeit stammt, wurde 1959 zum nationalen Kulturerbe erklärt und ist seit 1984 UNESCO-Weltkulturerbe. Auf einer Landzunge neben der ummauerten Altstadt liegt die riesige Hotelzone, Bocagrande.
Wir ankern vor der Hochhauskulisse, im Hintergrund sehen wir die Altstadt. Abends ist die Stadt wunderschön beleuchtet, so dass man stundenlang im seinem Cockpit sitzen und den Anblick genießen kann. Die Altstadt ist nicht nur abends schön zum Ausgehen, es gibt sehr gute Restaurants, Bars und Straßencafes.
Wir freuen uns, unsere Freunde Heike und Wolfgang von der Vonnie-T wieder zu sehen. Wir haben uns das letzte Mal vor einem Jahr in Curacao getroffen. Sie sind sehr überrascht, als wir im Hafen einlaufen und kommen sofort mit dem Beiboot zu unserem Schiff gefahren. Den Rest des Tages verbringen wir zusammen.
Sie benachrichtigen den deutschen Agenten Manfred, der sich um unsere Papiere kümmert (jeder Segler braucht einen Agenten in Kolumbien). Wir können Manfred als Agenten weiterempfehlen! Er macht seine Arbeit sehr gut und hilft bei allen Schiffsproblemen weiter!
Unser Plan war nach einer Woche wieder aus Cartagena abzureisen! Aber wie immer haben wir unseren Plan schnell geändert und blieben letztendlich über 2 Wochen. Trotz schlechten Ankergrund und den kurzen, aber sehr heftigen Gewittern, zieht die Stadt uns in ihren Bann.
Ein besonderes Erlebnis war unser Besuch auf dem Fort San Felipe de Barajas. Diese gewaltige Festung beherrscht das Bild der Stadt. Sie liegt auf dem San Làzaro Hügel, den sie vollständig bedeckt. Das Fort erstreckt sich über mehrere Etagen, die mit Treppen verbunden sind.
Trotz Mittagshitze steigen wir diese Treppen hinauf und befinden uns schnell in einer Gruppe Jugendlicher. Hier sind mehrere Schulklassen unterwegs und wir haben kaum eine Chance diesen Jugendlichen auszuweichen. Sie finden auch schnell großes Interesse an uns mehr als an dem Fort und somit umringen sie uns, um mit uns zu reden. Leider ist unser Spanisch für eine Unterhaltung nicht gut genug, aber Englisch verstehen sie nicht. Ich weiß nicht, warum sie uns so interessant fanden, aber wir kamen uns wie Popstars oder königliche Berühmtheiten vor.
Bernd wurde von den Mädels rumschwärmt, da er – so sagten sie – so tolle blauen Augen hat. Wir hatten unsere Fans in Kolumbien gefunden, Bernd teilte unsere Visitenkarten aus. Als wir den Teenies endlich entkamen, mussten wir echt lachen. Gott sei Dank sind wir keine Berühmtheiten, der Trubel für eine halbe Stunde hat uns gereicht.
Wir konnten einige Reparaturen oder Verbesserungen am Schiff vornehmen, wie z.B. den Ausbau unserer Tiefkühltruhe. Hier in Cartagena findet man viele Materialien und Handwerker, wie man dies zuletzt in Trinidad hatte. Es gibt viele große und gute Supermärkte.
Als Segler sollte man Cartagena auf jeden Fall in seiner Routenplanung nicht auslassen. Cartagena ist einzigartig und eine schöne Abwechselung zu den vielen Inseln in der Karibik.
Nun heißt es aber schnell zurück nach Colon, denn schon in einer Woche sollen Volker und Joanna in den San Blas ankommen und vorher wollen wir noch unseren neuen Kühlschrank in der Shelter Bay Marina einbauen! Seit Kuba war unser alter Kühlschrank, der dort von Bernd beim Abtauen erstochen worden war, tot. Nun freuen wir uns wie kleine Kinder auf unseren neuen Kühlschrank und somit führt kein Weg am Zurücksegeln vorbei.
Leider überhitzen unsere Maschinen vor der Riffeinfahrt bei den Rosario Inseln, was uns sehr ins Schwitzen bringt, da wir auf das Riff zu treiben. Aufgrund des schweren Bewuchses aus Cartagena bringen die Schrauben kaum Vortrieb. Also verbringen wir den nächsten Tag mit Reinigen des Unterwasserschiffes.
Die Wetterverhältnisse sind auf unserer Rückfahrt genauso schlimm wie auf der Hinfahrt. Die Gewitter ziehen immer wieder blitzschnell auf, und eines erwischt uns mit mehr als 50 Knoten Wind. Die Genua schaffen wir noch einzuholen, aber für das Großsegel ist es zu spät. Bernd versucht zwar vor dem Wind zu segeln, aber wir tragen dennoch einige Schäden am Segel davon.
So ein Gewitter hatte ich noch nie zuvor erlebt und das erste Mal in meinem Seglerleben habe ich richtig Angst. Ich liege auf dem Boden im Cockpit, während die Blitze knapp neben dem Schiff ins Wasser gehen und der Wind die UPPS wie ein Spielzeug vor sich her schiebt. Nach 1 oder 2 Stunden kehrt wieder Ruhe ein, zum Glück.
In den San Blas Inseln legen wir einen Tag Pause ein und reparieren die ersten Schäden. Wir haben wirkliches Verlangen nach der Pier der Marina, denn auch in der Nacht vor Anker werden wir von Gewittern heimgesucht. Wir wissen, es ist Regenzeit, aber diese Gewitter, vor allem aber die Blitzeinschläge, zerren uns an den Nerven. Ein Grund um diese Jahreszeit nicht in diesem Gebiet unterwegs zu sein.
5 Tage vor der Ankunft meines Bruders erreichen wir die Marina. Endlich, aber nun heißt es echt dalli dalli. Trotz Erkältung (ich habe keine Stimme, so dass ich nicht telefonieren kann) dürfen wir keine Zeit verlieren, jede Minute müssen wir nutzen. Erst mal einen Mechaniker für unsere rechte Maschine finden, die nicht mehr anspringt. Dann der Einbau des neuen Kühlschranks. Da dies eine Maßarbeit ist, verbringen wir einen kompletten Nachmittag, bis er endlich eingebaut ist. Aber er ist so schön und verbraucht viel weniger Strom als der alte Kühlschrank. Eine wahre Freude!
Der Mechaniker kommt am Samstag und dann wieder Montagabend. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit, wir proviantieren in der Zwischenzeit und waschen die Wäsche, räumen auf, putzen und bereiten alles für unseren Besuch vor. Montagabend 22 Uhr läuft dann endlich wieder die rechte Maschine wieder. Es ist nur eine notdürftige Reparatur, aber hoffentlich hält sie für die Zeit, in der Volker und Joanna bei uns sind.
Der Mechaniker geht um 23 Uhr von Bord und wir legen morgens um 5 Uhr zu den San Blas Inseln ab. Diese müssen wir abends erreichen, da Volker und Joanna am nächsten Morgen um 6.30 Uhr mit dem Flugzeug ankommen werden. Und da will einer noch behaupten, dass wir keinen Stress im Seglerleben haben?













