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SY Upps: Panama City bis Isla de Coco ( März 2008 )

Seit rund zwei Wochen befinden wir uns im Pazifik! Wir haben inzwischen auch mit dem ersten Teil unserer großen Überfahrt begonnen, so dass ich mich gerade mitten auf dem Meer befinde und unser Weg führt zu der Cocosinsel. Laut unserer Durchschnittsgeschwindigkeit sollen wir in ca. 24 Stunden das Ziel erreichen. Wir motoren gerade, was für diese Gegend sehr typisch ist. Gestern hatten wir großes Glück, da wir den ganzen Tag 15 Knoten Wind hatten und somit segeln konnten. Mit ca. 7 Knoten sind wir auf das Ziel zu gesegelt, es war ein herrlicher Segeltag!

 

Aber schauen wir zurück nach Panama City, wo wir mit der UPPS am Samstag 8. März 2008 angekommen waren. Den Sonntag hatten wir auf unserem Schiff verbracht und einfach nur rumgelümmelt. Einfach mal nicht gearbeitet, sondern nur entspannt und geschlafen. Elvir wollte uns abends zu einem Trink in der Bar treffen, aber auch dazu hatten wir keine Lust. Wir genossen die Ruhe, endlich mal wieder Privatleben, denn das fehlte uns in Shelterbay Marina. Wenn man an einem Steg liegt, kommen ja ständig Leute vorbei, quatschen oder beobachten, was sicher auch seine angenehmen Seiten hat, besonders wenn man keine Lust auf Arbeiten hat! Am Montag sind Bernd und ich dann losgezogen, um unsere letzten Besorgungen und Einkäufe in Angriff zu nehmen. Elvir hat einen Freund auf dem Obst- und Gemüsemarkt, der täglich frische und ungekühlte Ware bekommt, die wir uns ansehen und wenn möglich auch bestellen möchten. Bei unserer anstehenden Reise ist es wichtig, dass wir ungekühltes Obst und Gemüse an Bord bekommen, denn dieses ist länger haltbar. Auch die Eier sollten am besten frisch aus dem Hühnerstall sein, was bei den Supermärkten nicht der Fall ist.

 

Leider haben wir keine Namen oder Telefonnummer von Elvirs Gemüsefreund, denn wir haben unsere Abrechnung Elvir überlassen, er wollte einen Überblick über die Preise haben. Sollten diese Infos gewünscht sein, finden wir aber schnell von Elvir die Daten heraus. Das Obst und Gemüse ist hervorragend und die Preise auch. Wir bestellen für unsere Überfahrt für ca. 100 Dollar Ware, z.B. 15 Mangos, 5 Salatköpfe, 5 Kohlköpfe, 5 kg Zwiebeln, Kartoffeln, Bananen, Äpfel, Orangen, Limetten, süße Kartoffeln, 100 Stück frische Eier, Paprika, Gurken, Zucchini, was uns alles am nächsten Tag an die UPPS geliefert wird. Nach zwei Wochen haben wir noch mehr als die Hälfte der Ware und mussten bis jetzt, aufgrund von Unachtsamkeit, 2 Bananen wegwerfen.

 

Weiter geht es zu der Einkauf-Mall, wo Bernd bei Victor die Haare geschnitten bekommt, ich mir nachträglich mein Geburtstagsgeschenk aussuchen darf und dann treffen wir Elvir. Wir fahren zu einem Restaurant am Strand des Pazifiks, um ein schönes Abendessen zu genießen.  Ich kann leider die Zeit nicht so genießen, da meine Erkältung, die ich seit Samstag habe, einen dicken Kopf beschert.

 

Dienstag geht es weiter mit den Erledigungen, wir besorgen Stoff, um ein neues Beibootcover für unser neues Beiboot, das wir heute bekommen sollen, nähen zu können. Leider klappt es mit der Lieferung des Beibootes nicht, so dass wir es morgen selbst abholen werden. In Pricesmart (Supermarkt mit Clubkarte wie Metro) gehen wir unsere Fleisch- und Wurstwaren kaufen, sie haben die beste Ware und eine sehr gute Auswahl. Somit sind unsere Einkäufe abgeschlossen, alles andere hatten wir bereits mit einem sehr günstigem Mietwagen in Colon bei Super 99, Mega Depot (Supermarkt mit Großpackungen) und Rey besorgt. Ich würde jederzeit die Proviantierung wieder auf diese Art und Weise gestalten, alles in Colon kaufen, da man in der Marina einfach und schnell die Waren an Bord bekommt. Die frischen oder verderblichen Sachen wie Obst, Gemüse, Käse, Wurst, Fleisch, Butter, Joghurt sollte man in Panama City kaufen.  Abends gehen wir zu unserem „Goodbye Dinner“ mit Elvir.

 

Mittwochs laden wir mit Hilfe von Elvir noch unser neues AB-Beiboot an Bord, eine üble Schlepperei! In Panama wird einem auch nur gegen Bezahlung Hilfe angeboten, so dass wir drei unser Beiboot alleine trugen. Wir schenken Elvir unser altes Beiboot, das er zukünftig für das Paddel-Training seiner Kinder einsetzen möchte. Und nun war die Zeit gekommen uns von Elvir und seiner Familie zu verabschieden. Es ist alles so unwirklich, so dass wir alle gar nicht verstehen, dass wir uns vielleicht nie mehr im Leben sehen werden. Wir hoffen, dass Elvir uns nächste Woche noch in den Las Perlas besucht, wir haben ihn dorthin eingeladen....

 

Am Donnerstagmorgen um 6.00 Uhr lösen wir die Festmacher von der Boje und fahren langsam neben dem Panamakanal hinaus aus der Balboa  Bucht. Wir sehen Panama City noch lange hinter uns an der Küste liegen, wir verlassen Panama nach einen halbjährigen Aufenthalt.

 

Die folgenden zwei Tage verbringen wir in einer einsamen Bucht in den Las Perlas Inseln wo wir endlich wieder schwimmen gehen können. Ich koche den Kohl ein und Bernd kümmert sich auch um die eine oder andere Sache am Schiff. Abends genießen wir die Ruhe der Natur. 

 

Am Samstag fahren wir dann nach Contadora, wo wir die Kira von Celle treffen möchten, um ihnen die geliehenen Leinen zurückgeben zu können. Zudem wollen wir Günther treffen, einen Deutschen, der auf dieser Insel seit Jahren lebt und die Funkrunde des Pazifiks betreut.

 

Bei Günther haben wir die Möglichkeit sein Internetzugang zu nutzen, so dass wir endlich unsere Internetseiten aktualisieren können. Günther ist super freundlich, seine Türen stehen den Seglern immer offen und er wird uns eine große Hilfe und Unterstützung auf dem Pazifik sein. Seine Funkrunde, das Pacific Island Net, findet täglich (von November bis April ab 0.00 UTC ab April um 2.00 UTC) außer Sonntags auf 14135 kHz statt.

 

Leider findet der Besuch von Elvir nicht statt, und die Wettervorhersage meldet Wind aus Norden, außergewöhnlich für die Gegend, aber optimal für uns. Also die Reise durch den Pazifik beginnt. Montag, den 17. März 2008 legen wir ab, unser nächstes Ziel sind die Cocos Insel oder Galapagos ca. 900 Seemeilen entfernt. Bernd ist hoch motiviert und freut sich wie ein kleines Kind aufs Segeln und somit packt er gleich den Genacker aus. Mit 9 Knoten sausen wir dahin, sehen zum ersten Mal einen Wal in der Ferne und schöner könnte der erste Segeltag nicht sein. Oder doch nicht?

 

Bei einer Unachtsamkeit von Bernd und einem zögernden Handeln meinerseits verfängt sich das 145 qm Genackersegel am Fockstag und der Alptraum beginnt. Wir hoffen noch, dass sich das Segel von alleine wieder löst, aber dies soll nicht geschehen. Im Gegenteil, es verwickelt sich alles mehr und mehr, so dass Bernd in den Mast hoch gehen muss. Das erste Mal in unserer Segelkarriere muss Bernd wirklich auf offener See, bei Wellen und Wind in die Spitze des Mastes ( 22m ).

 

Ich raste fast aus, habe Angst und bin wütend. In der Ferne sehen wir die Kira von Celle davon segeln, neben der UPPS tauchen Delphine und eine Schildkröte auf und vorne rechts springt ein Manta aus dem Wasser. Aber das ist mir alles egal, mein Mann hängt hoch oben an einem von mir gesicherten Seil, also auch sein Leben liegt nun in meinen Händen. Ach, wie ich in diesen Momente des Seglerlebens hasse! Wie heißt der Titel eines meiner Lieblingsbücher?!? Ach ja, „Himmel, muss ich denn schon wieder segeln gehen!“

 

Es hilft alles nichts, wir bekommen unser Segel nicht mehr frei und müssen die letzte Bucht der Las Perlas Inseln anlaufen, wo wir genau bei Sonnenuntergang ankommen. Die nächsten drei Stunden verbringt Bernd bei ca. 30 Knoten Wind im Mast, er ist dann mit seinen Kräften am Ende und ich muss hinauf. Ich habe allerdings Höhenangst, aber heute ist das auch egal, das Segel muss runter, so schnell wie möglich. Zum Glück hält der Anker! Um 21 Uhr schneide ich dann mit einem Messer den Rest des Segels durch, um das Vorstag endgültig zu befreien. Erschöpft und erleichtert legen wir das kaputte Segel in die vordere Kabine. Na, das war ja ein toller Start für die Überfahrt. 

 

Am nächsten Morgen geht es weiter, der Wind ist immer noch da und somit gehen wir die Reise nun mit Genuasegel ruhiger an. Wir kommen wieder gut voran, haben bestes Segelwetter und genießen den Tag. Wir sehen wieder eine Schildkröte, Delphine und Wale! Die Unterwasserwelt des Pazifiks scheint hervorragend zu sein, denn auch die nächsten Tage verbringen wir immer wieder mit Walen, Delphinen und Schildkröten. Bei Mondaufgang sehen wir neben unserem Schiff einen großen Wal, der das Wasser herausspritzt. Wie gerne hätten wir ihn uns genauer angeschaut, aber die Lichtverhältnisse ließen dies nicht zu.

 

Aufgrund von Windmangel, Erschöpfung durch das Segelbergemanövers laufen wir laufen wir am 19. März 2008 die Insel Jicarita für eine Nacht an. Er ist einfach immer wieder schön, wenn man die Nacht durchschlafen, sich in Ruhe duschen und ausruhen kann. 

 

Am 20. März nehmen wir den Anker wieder auf und unsere Reise geht nun wirklich Richtung Cocos Island. Wir müssen relativ wenig motoren, bekommen immer wieder Wind zum Segeln und die Nächte sind so ruhig, dass wir uns treiben lassen und schlafen gehen. Die Überfahrt ist bis heute, Ostersamstag, wunderschön. Gestern habe ich frisches Bauernbrot und Kuchen gebacken, denn auch wir wollen das Osterwochenende zu etwas besonderem machen. 

 

Langeweile kam bisher überhaupt nicht auf. Wie oft musste ich in den letzen Tagen daran denken, dass mich die Freunde in Deutschland immer wieder fragten, was man den ganzen Tag auf dem Schiff bei einer Überfahrt macht. „Ist das nicht langweilig?“, fragten sie. Irgendwie konnte ich damals nie richtig antworten und sagte halt was mir so einfiel. Aber dieses möchte ich nun an dieser Stelle nachholen.

 

In den letzten Tagen auf See habe ich wie bereits beschrieben Kuchen und Brot gebacken, Fußboden aufgewischt, Wäsche gewaschen, Hörbuch von Kerkeling gehört, Internetberichte geschrieben, französisch gelernt,  Genackersegel mit Nähmaschine genäht, stundenweise geschlafen, Kohl in Essig eingelegt, Obst und Gemüse kontrolliert, Joghurt angesetzt, Eier gewendet und Essen gekocht, fotografiert, Müll zerkleinert, Segel gesetzt und runtergeholt, um dann wieder zu setzen, Maschinenraum von Diesel und Wasser befreit und die stellen gesucht, wo es herkommt. Bernd hat hin dessen einige Stellen im Maschinenraum repariert, sich mit der Technik des Satelitenhandys beschäftigt, da sie plötzlich nicht funktioniert, Berichte über die nächsten Reiseziel nachgelesen, gefunkt mit Detlev von Kira von Celle, natürlich auch Segel gesetzt und getrimmt, Navigation gemacht, Logbuch geführt und und und ... Habt ihr nun eine Vorstellung, was wir hier den ganzen Tag machen? 

 

Inzwischen ist es Ostersonntagabends um 22.30 Uhr. Bernd liegt bereits im Bett, ich habe gerade meine Nachtwache. Ca. um 2 Uhr wird gewechselt, denn wir treiben ca. 10 Seemeilen vor der Küste der Cocosinsel und haben eine Strömung von 1.5 Knoten. Leider waren wir 3 Stunden zu spät, um noch bei Tageslicht in die Bucht vor Anker oder an die Boje gehen zu können, die Nacht brach zu früh ein. Im Dunkeln wollen wir nicht in eine unbekannte Bucht fahren, da warten wir lieber auf dem offenen Meer auf den nächsten Tag.

 

Zum Glück hatten wir in den letzten 4 Nächten Vollmond bzw. nun wieder abnehmenden Mond. Dieser ist auf dem offenen Meer immer mein bester Freund. Ohne den Mond ist es hier draußen stock dunkel, aber mit dem Mondaufgang wird es hell, man kann in die Ferne sehen und die Nacht ist nicht mehr beängstigend. Aber alleine der Mondaufgang ist ein unvergessliches Schauspiel der Natur, das man mit Worten nicht beschreiben kann. Man muss es einfach hier draußen auf dem offenen Meer erlebt haben.

 

Heute haben wir auch unseren ersten Hai neben der UPPS schwimmen sehen, worauf Bernds Freude auf unsere Tauchgänge sofort stieg. Er kann es kaum erwarten wieder tauchen zu  gehen. Ich hoffe, dass meine Erkältung, die immer noch nicht weg ist, mir keinen Strich durch die Rechnung macht... mal schauen!

 

Bis jetzt bin ich sehr positiv überrascht wie freundlich der Pazifik ist. Diese Überfahrt ist die beste, die wir bisher hatten, weder das Mittelmeer, noch der Atlantik oder das karibische Meer waren so freundlich. Nachts ist es ruhig, so dass man schlafen kann und tagsüber haben wir angenehmen Segelwind, nicht zu viel oder zu wenig. Ich hoffe, der Pazifik wird dieses freundliche Gesicht beibehalten – ich würde mich sehr freuen!