480 Seemeilen westlich von Bora Bora entfernt liegt Aitutaki/Cook Inseln, unser nächstes Ziel. Was für die Amerikaner Hawai ist, ist für die Neuseeländer Aitutaki!
Aitutaki wurde von Captain William Bligh im Jahre 1789 entdeckt, nur wenige Tage vor der Meuterei auf seinem Schiff, der „Bounty“. Es ist schon ironisch, dass James Cook bei der Suche nach dem Paradies an Aitutaki vorbeigesegelt ist, die nun auch noch ausgerechnet zu der Inselgruppe gehört, die nach seinem Namen benannt wurde. Aber nichts desto trotz ist Aitutaki eine schläfrige kleine Insel, die oft mit Bora Bora verglichen wird, jedoch viel weniger touristisch ist. Ihr 50 Km langes Riff erinnert an einen bogenförmigen türkisfarbenden Teppich, der über das indigoblaue Meer ausgebreitet liegt. Ein Band von 21 Motus (kleinen Inseln) umgibt das Riff und ihre leeren weißen Strände sind perfekte Ausflugziele.
Freitag, den 22. August laufen wir mittags um 12.15 Uhr aus Bora Bora aus. Die nächsten dreieinhalb Tage verbringen wir bei bestem Segelwetter auf dem Meer, das schönstes Passatsegeln, wir nehmen die Segel einmal hoch und dann bleiben sie auf ihrer Position.
Unsere Windfahne steuert uns sicher aufs Ziel zu, bis sie plötzlich aus ihrer Halterung bricht. Bernd klettert auf der Badeplattform herum, um alle Teile der Windfahne zu sichern, damit wir nichts verlieren, denn wir können sie auf dem offenen Meer nicht reparieren oder abmontieren. Sie hängt schief am Heck und wir hoffen, sie wird keinen Schaden davon ziehen.
Montagabend, genau eineinhalb Stunden nach Sonnenuntergang erreichen wir Aitutaki. Immer dasselbe, man kommt einfach um eins bis zwei Stunden zu spät an und hängt dann im Dunkeln vor dem Riff. Bernd ist diesbezüglich etwas sauer mit mir, denn ich hatte die Wäsche im Bora Bora Yacht Club noch gewaschen, weswegen wir später als abgesprochen ausgelaufen sind. Nun sehe ich ein, dass es einfach blöd war, denn ein Ankermanöver in der mondlosen Nacht vor dem Riff ist kein Spaß.
Zum ersten Mal haben wir zusätzlich noch eine Ungenauigkeit von 400 Metern in unserer Seekarten, aber mit Hilfe der Richtfeuer an Land und dem Tiefenmesser lassen wir vor der Riffeinfahrt an der richtigen Stelle den Anker fallen. Mir bleibt fast das Herzen stehen als ich im Scheinwerfer vor mir deutlich die Riffkante sehe, aber alles geht gut und wir liegen sicher vor Anker. Die Nacht wird ungemütlich, Schwell steht in die Bucht und somit werden wir von einer auf die andere Seite geschaukelt.
Bei Tageslicht am nächsten Morgen sehen wir, dass ein Katamaran in dem kleinen Hafenbecken liegt, so dass wir mittags, nachdem wir die Windfahne vom Heck abmontiert hatten, mit unserem Beiboot durch die Riffeinfahrt fahren, um die Segler wegen der Riffeinfahrt zu befragen und einen Ersatzbolzen für die Windfahne zu suchen.
Die Riffeinfahrt von Aitutaki ist nur für wenige Schiffe befahrbar, da sie nur 12 Meter breit und bei Niedrigwasser nur 1,40 Meter tief ist. Eigentlich müssten wir bei Hochwasser durchkommen, aber falls wir stecken bleiben sollten, hättten wir wirklich ein Problem, denn wir können im Kanal nicht wenden, da die UPPS 16 Meter lang ist.
Nach Rücksprache mit David von O`Vive trauen wir uns bei Hochwasser um 17 Uhr in den Kanal und schaffen es ohne Probleme ins Hafenbecken. Dort liegen wir sehr ruhig und sicher, zum Glück, denn für das kommende Wochenende ist außergewöhnlich schlechtes Wetter angesagt.
Aitutaki ist traumhaft schön, wie die meisten Inseln im Pazifik. Die Menschen sind außergewöhnlich freundlich, wir werden von allen Leuten gegrüßt, und schnell sind wir mit ihnen im Gespräch. Nun ist es ja auch wieder einfacher, mit den Menschen zu reden, denn die Einheimischen sprechen Englisch.
Zunächst müssen wir jedoch einklarieren. Hatten wir doch auf der Fahrt hierher in dem Buch „Vom Alltag in die Südsee“ der zwei Darmstädter ihre Erfahrungen in Aitutaki gelesen und doch denselben Fehler gemacht. Nachdem wir bei Customs waren und das Veteranenamt an Bord war, dachten wir, alles sei okay.
(Wichtig Info, man darf hier kein Obst, Gemüse oder Fleisch aus Französisch Polynesien einführen! Also nur Fleisch aus Neuseeland kaufen, oder alles auf dem Weg essen). Aber wir hatten das Gesundheitsamt vergessen, dieser Herr stand dann am nächsten Morgen etwas sauer an unserem Schiff. Nach mehrmaligem Entschuldigen wurde er aber wieder freundlich und vergab uns!
Im Gegensatz zu Französisch Polynesien sind die Bewohner ärmer, man sieht, sie werden nicht von Europa finanziert. Die Häuser und Autos sind heruntergekommen und alt. Ihr Leben auf der Insel ist nicht einfach. Aber das lassen sie sich nicht anmerken, sondern im Gegenteil, sie erwecken den Anschein eines paradiesischen Lebens. Sie lachen und strahlen über beide Ohren und sind uns gegenüber einfach nur nett.
Wir mieten uns einen Roller und erkunden die Insel, fahren mit unserem Beiboot zu den Motus (kleinen Riffinseln), gehen Essen (hier ist alles viel billiger als in Französisch Polynesien) … - die geplanten Tauchgänge fallen aufgrund des schlechten Wetters aus, zum Wochenende bläst es mit 35 Knoten, an eine Weiterfahrt ist erst einmal nicht zu denken. Erst Mitte nächster Woche soll der Wind langsam zurückgehen.
Wir besuchen sonntags den Gottesdienst, werden danach von dem Pfarrer zu einem Brunch eingeladen (das ist jeden Sonntag für die Fremden so) und fahren mit unserem Roller über die Insel. Das kleine Hafenbecken ist voll mit Segelschiffen, denn alle haben Unterschlupf gesucht. David und Natalie von dem Katamaran O`Vive und wir unternehmen viel und halten oft ein Schwätzchen.
Aitutaki sollte man nicht missen auf einer Reise durch den Pazifik, aber irgendwann hat man doch alles gesehen, besonders bei schlechtem Wetter. Es windet sehr und regnet viel – leider! Da bekommt das Paradies ein anderes Gesicht. Ohne die Sonne macht das Tauchen, die Strandausflüge und die Inselerkundungen keinen Spaß, es wird uns nach einer Woche langweilig! Jeden Morgen besprechen Bernd und David die Wettersituation und aus reiner Verzweifelung, aber auch weil das Essen so lecker ist (besonders der Nachtisch) kehren wir oft im JK`s Cafe ein.
Nach 10 Tagen will Bernd ablegen, nachdem die neusten Grib-Files ein Sturmtief ankündigen. Das möchten wir auf keinen Fall erleben, wir legen somit am 3. September Richtung Niue ab. Übrigens verlassen schlagartig alle Schiffe den Hafen und flüchten nach Westen.













