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SY-Upps: 2008-11 Niue

Niue ist ein riesiger Korallenkopf mitten im pazifischen Ozean mit einem ebenso riesigen Herzen, so würde ich den kleinsten Staat auf dieser Welt mit wenigen Worten beschreiben.

 

Niue ist anders als die anderen Inseln im Pazifik, es gibt nur wenige Strände, die Küsten sind steil und felsig. Offiziell leben hier noch ca. 1400 Einwohner, wir glauben jedoch, dass es tatsächlich viel weniger Einwohner sind. Aber wenn man die Inselbewohner darauf anspricht, sagen sie die offizielle Zahl oder geben dir den Rat die Einwohner selbst nachzuzählen, wenn du ihnen nicht glauben willst. Es ist eine kritische Frage, da die Insel ihre Selbstständigkeit verliert, wenn sie weniger als 1000 Einwohner aufweist.

 

Die Menschen hier sind herzlich, jeder kennt jeden und selbst wir Segler werden gleich in die Mitte der Einwohner aufgenommen. Jeder grüßt jeden und auch für ein Schwätzchen muss immer Zeit sein. So werden wir wo immer wir auch sind, angesprochen, ob wir von dem Segelschiff im Hafen seien und woher wir kämen. Damit waren wir schnell im Gespräch und lernten den einen oder anderen Einwohner näher kennen. Da sich alle Einwohner persönlich kennen, ist es für sie offensichtlich, dass wir Fremde sind. Aber umso besser, da erfahren sie mal was Neues.

 

Tourismus ist hier sehr begrenzt, da es wöchentlich nur jeden Freitag einen Flug nach Auckland gibt. Somit gibt es hier auch nur ein Hotel und eine Tauchschule. Aber man ist erstaunt, wie viel für den Tourismus und uns Segler getan und geboten wird. Es gibt eine Touristeninformation, Inselkarten, Internetseiten und das Beste für uns Segler, es gibt hier einen Yachtclub!

 

Der Niue Yacht Club – www.niueyachtclub.com - ist der größte kleinste Yachtclub auf der Welt mit zurzeit ca. 1300 Mitgliedern. Sie haben zwar keine eigenen Yachten und keine Marina, aber dafür genug Weltensegler, die hier ihren Stopp machen (ca. 160 Yachten jährlich). Somit ist ihre Aufgabe sich um diese Segler zu kümmern und sie zu verwöhnen. Dieser Yachtclub ist einzigartig, anders kann man das nicht sagen. Jedes Jahr bringen sie 20 gut gewartete Moorings (10 Neuseeland Dollar pro Nacht als Liegegebühr) für die Segelsaison aus, die sie zur Zyklonzeit immer wieder aus dem Wasser holen. Am Steg befinden sich warme Duschen, Toiletten und eine Waschbecken für Handwäsche.

 

Bei einem netten Cafe, das von Jim und seiner Familie geführt wird, befindet sich das Clubhaus des Yachtclubs mit kostenlosen Wifi! Manchmal hat man sogar das Glück, dass man auf seiner Yacht Wifi-Empfang hat, was das Skypen mit Deutschland bei einem Zeitunterschied von 13 Stunden sehr vereinfacht.

 

Keith und Ernie (zwei ältere Herrn, die ihre Rentneraufgabe im Yachtclub gefunden haben) sind Tag und Nacht per Funk auf Kanal 16 zu erreichen und versuchen alle Wünsche der Segler zu erfüllen. So halfen sie uns beim Anlegen an der Pier zum Wasserbunkern, oder versorgten uns mit frischem Obst, oder gaben uns den neusten Wetterbericht. Gut, dazu muss man sagen, dass wir das Glück hatten die einzige Yacht im Hafen zu sein. Aufgrund einer schlechten Wettervorhersage mit einem Tief sind alle Yachten zwei Tage nach unserer Ankunft nach Tonga geflüchtet. Sie wollten uns auch überzeugen mit zu segeln, aber wir sagten, wir würden das schlechte Wetter hier durchstehen, da wir unbedingt diese außergewöhnliche Insel länger erkunden möchten.

 

Unser erstes Highlight erlebten wir gleich am zweiten Tag abends, nachdem Bernd den ganzen Tag den Windpiloten mit Steve wieder ans Schiff montiert hatte und ich die UPPS geputzt hatte. Steve sagte mir morgens, dass er sich sicher sei, dass ich heute zum ersten Mal Wale sehen werde. Ich glaubte ihm kein Wort, bis er bei Sonnenuntergang mit seinem Beiboot zu uns kam und brüllte, ich solle sofort Maske und Schnorchel nehmen und mit dem Beiboot losfahren, denn er hat in der Ferne Buckelwale gesehen.

 

Noch an Deck stehend, sehe ich den ersten großen Wal aus dem Wasser kommen. Ich bin wie versteinert, so ein großes Meerestier hatte ich noch nie zuvor gesehen. Bernd zieht mich ins Beiboot und ein paar Minuten später springt er neben den Walen ins Meer. Erst traue ich mich nicht, aber als Bernd dann sagte, dass es eine ganze Buckelwalfamilie sei: Vater, Mutter und Baby, ist meine Angst vergessen. Ich springe ins Meer und sehe die schönste kleine Familie auf dieser Welt. Mutter, Vater und Baby schwimmen dicht übereinander her, die Mutter achtet auf ihr Baby und da es öfter Luft holen muss als die Eltern, holt sie beim Abtauchen sanft mit der Flosse wieder an sich heran. Schöner kann eine Liebe zwischen einer Familie nicht gezeigt werden.

 

Mir kommen fast die Tränen vor Rührung, so etwas sieht man nicht oft im Leben. Wir haben das Glück, dass wir lange Zeit mit der Familie im Meer verbringen dürfen, nur die einsetzende Dunkelheit zwingt uns zu unserem Schiff zurück. Wie benommen kehren wir auf die UPPS zurück und immer noch voll in Gedanken, nehme ich meine Wäsche von der Rehling ab. Und da kommt ein riesiges Tier mit einem lauten Schnaufen aus dem Wasser aufgetaucht, ich springe vor Schreck an die Seite, ein weiterer Buckelwal  ist genau neben der UPPS.

 

Das sollte nicht unser letztes Erlebnis mit den faszinierenden Tieren sein. Wir haben das Glück sie noch oft in Schiffsnähe zu sehen und mit ihnen schwimmen gehen zu dürfen!

 

Wir mieten uns ein Motorrad und machen zwei Tage lang Inselausflüge. Die Insel hat viel zu bieten, es gibt viele natürliche Schwimmbecken wie z.B. Matapa Chasm in der Rifflandschaft, oder der bekannte Felsenbogen namens Talava Arches oder das absolute Highlight Togo. Togo darf man einfach nicht verpassen. Erst wandert man durch einen Regenwald, dann durch eine spitze Felslandschaft und an den Klippen erreicht man zwischen Felsen einen Palmenstrand mit feinstem weißem Sand. Vielleicht geben Euch die Fotos einen besseren Eindruck!

 

Wir gehen mit der lokalen Tauchschule an einem Vormittag tauchen, unsere Ziele sind der Tauchspot Ana Mahaga und Bubble Cave. Niue zählt zu den besten Tauchspots auf dieser Welt, unsere Erwartungen waren dementsprechend hoch. Allerdings hatten wir nicht gewusst, dass hier der Zyklon Heta am 5. Januar 2004 mit einer Windgeschwindigkeit von mehr als 300 Km/H  und einer Wellenhöhe von bis zu 30 Metern über die Insel herfiel und somit nicht nur Häuser dem Erdboden gleich gemacht hat, sondern auch die Natur zerstört hat und besonders die Unterwasserwelt.

 

Es gibt keine Korallen mehr, nach 4 Jahren sehen wir erste Anfänge von kleinen vereinzelten Korallchen. Dementsprechend ist das Fischleben gering, allerdings sehen wir zum ersten Mal giftige Wasserschlangen, die neben den und den Unterwasserhöhlen die Attraktion sind. Jedoch ist es ein trauriges Bild, das man unter Wasser geboten bekommt, bei einer Sicht bis zu 100 Metern, denn das Wasser ist kristall klar. Faszinierend sind jedoch die Gesänge der Wale, die man unter Wasser hört.

 

Abends gehen wir öfter im Falala Fa Restaurant (auf deutsch: 4 Schwestern) essen und am Sonntag trampen wir zu dem berühmten Washaway Cafe. Angeblich sollen sie tolle Burger haben, aber uns wurde schlecht von dem Burger. Also man hat nichts verpasst, wenn man dort nicht gewesen ist.

 

Dann kommt auch das angekündigte schlechte Wetter, der Wind dreht erst nach Norden und weiter nach Westen. Wind und Welle stehen in die Bucht, was das Anlanden mit dem Beiboot sehr schwer macht. In Niue macht man das Beiboot nicht an einer Pier fest, sondern es wird mit einem Lift aus dem Wasser gehoben. Durch den Schwell erscheint mir dies lebensgefährlich. Wir wagen trotzdem einen Landgang um auszuklarieren und um unsere Rechnung zu bezahlen, falls wir aufgrund schlechter werdenden Wetters überraschend ablegen müssten. Aber das Wetter wurde nie schlechter, sondern es hatte seinen Höhepunkt genau zu dem Zeitpunkt, wo wir den Landfall machten. Die UPPS und ihre Crew wurde wohl noch kräftig durchgerüttelt, aber ansonsten lagen wir sicher an der Mooring!