Von Eurer Vergangenheit in Eure Zukunft!
Auf unseren Weg von Niue nach Tonga überschreiten wir sang und klanglos die Datumsgrenze. Den 18. September 2008 sollten wir nie erleben, wir sind direkt von dem 17. September in den 19. September gesprungen! Ich persönlich war sehr froh, dass ich an dem 18. September nicht Geburtstag gehabt habe, undenkbar, dieser wäre ja dann ausgefallen! Spaß beiseite, die offizielle Datumsgrenze liegt ja eigentlich Richtung Neuseeland, aber Tonga hat sich aus irgendwelchen Gründen dem dortigen Datum angepasst!
Das Königreich Tonga ist das letzte echte polynesische Königreich im Pazifik. Im Gegensatz zu anderen südpazifischen Ländern wurde es nie von einer westlichen Macht beansprucht oder gar erobert. 170 Inseln bilden den Staat, wovon nur 36 bewohnt sind. Sie erstrecken sich von Norden nach Süden über eine Länge von 750 Km. Das Inselreich teilt sich in folgende Inselgruppen:
- Die Tongatapu-Gruppe beherbergt die Hauptstadt Nuku’alofa
- Die Ha’apai Gruppe setzt sich aus den 36 Inseln und Inselchen zusammen
- Die Vava’u Gruppe besteht aus 34 kleinen, malerischen Eilanden
- Weitere sehr einsame Inselgruppen sind die Niua-Inseln, die Kotu-Inseln und die Nomuka-Inseln
Unser Ziel ist die Vava’u Gruppe, sie ist eine der schönsten Segelreviere der Welt mit seinen riffumgebenen, buschbewachsenen Inseln, die von schmalen Wasserstraßen durchzogen sind. Sie liegen geschützt in einer smaragdgrünen Lagune, die ungefähr 21 mal 24 km groß ist.
Wir müssen ehrlich zugeben, dass wir eine sehr hohe Erwartungshaltung an Tonga hatten, Bernd meinte, es sei sicher einer der schönsten Plätze im Pazifik, sehr ursprünglich. Vielleicht war dies der Grund unserer anfänglichen Enttäuschung oder das schlechte Wetter, das uns dort mit grauen und wolkenbehängten Himmel begleitete. Es regnete sehr oft, so dass es keinen Spaß machte in die Buchten zu fahren. Wir verbringen die erste Woche in der Hauptstadt Neiafu. Das Städtchen wird von der Seglerszene dominiert, es liegen ca. 100 Segelschiffe vor Anker.
Auch Bars und Restaurants werden oft von hängen gebliebenen Segler geführt, die sich nochmals eine neue Existenz erschaffen möchten. Wir treffen viele Bekannte wieder, gehen in die Bars oder Kaffee trinken oder sorgen uns um die UPPS. Zu unserer Verwundung stellen wir fest, dass es sehr viele Schweine in Neiafu gibt, die sich frei im Dorf bewegen. Hier bemerke ich, dass es echt süße Tiere sind, die in der Natur sehr sauber sind und die Ferkel machen uns sehr viel Freude. Tonga, das Land der Schweine!
Als dann das Wetter für einige Tage Besserung verspricht, freuen wir uns auf die Deckungsreise der Buchten. 5 Tage Sonnenschein geben uns Auftrieb, wir besuchen die Ankerplätze Nr. 30, 11 und 8 (der Revierführer von Mooring hat alle Buchten durchnummeriert). Wir erleben auf Ankerplatz Nr.11 unser erstes Tonga Fiest, mit traditionellen Essen, Tänzen und Musik. Bernd dachte, dies wäre eine gute Möglichkeit das traditionelle Schwein im Erdofen zu probieren, aber er fand dieses leider nicht vor. Enttäuscht gehen wir zurück an Bord, es war eine Touristenveranstaltung, nichts traditionelles.
Da der Anker in der Bucht nicht hält und alle Moorings belegt sind, wechseln wir zu Ankerplatz 30. Das war unser Glück, denn abends zieht ein Squall über die Vava`u Gruppe. Die Weingläser fallen vom Tisch, die UPPS schwingt herum und dann von 0 geht die Windanzeige auf 50 Knoten. Das Abendessen bleibt auf den Herd, Bernd springt in sein Ölzeug und geht auf Wache. Wir sind 6 Boote in der Bucht, zum Glück alle gut beleuchtet und in Funkkontakt. Alle Anker scheinen zu halten bis auf ein Boot, das Schwierigkeiten hat, und versucht per Motor sich auf der Stelle zu halten. Auch Bernd hilft mit dem Motor den Anker zu entlasten und ich bete, dass der Spuk bald zu ende ist. 3 Stunden lang haben wir Wind bis zu 52 Knoten und dann kehrt Ruhe ein. Wie wir am nächsten Tag erfahren, sanken ein Schiff und eine Pier im Haupthafen.
Bei unserem zweiten Zwischenstopp in Neiafu nehmen wir an einer Informationsveranstaltung über Opua/Neuseeland teil. Schon jetzt informieren die verschiedenen neuseeländischen Orte über ihr Angebot und versuchen die Segler für sich und ihre Marina zu gewinnen. Für uns ist dies interessant, viele offene Fragen bezüglich Zoll, Einreise und Reparaturmöglichkeiten werden beantwortet. Wir lernen Bob von Cater Marine, einen Schiffszubehörgeschäft, kennen, der sich in den nächsten Wochen sehr bemüht uns zu unterstützen und bereits mit Handwerker vor Ort spricht. Wir erfahren, dass schon in Tahiti die ersten Informationsveranstaltungen stattfanden, Neuseeland bemüht sich sehr, die Segler in ihr Land zu locken.
Die deutsche Seglerrunde hin dessen versucht ein Schweinsessen zu organisieren. Ein österreichischer Bäcker bietet an, in seinem Ofen ein leckeres Schwein zu backen, aber nach langen Verhandlungen über den Preis sehen wir davon ab. Aber nichts desto trotz haben wir viel Spaß mit dem Schweinsthema beim abendlichen Bier, unser Schweinsausschuss war auch gewählt und das Thema ließ uns nicht los. Helmut von Nuku`alofa fand dann eine tolle Lösung. Auf dem Markt bot ihm ein Tonganer an mit ihm zu dem traditionellen Erntedankfest seines Dorfes zu gehen, um ein tradionelles Tonga Fiest zu erleben.
Innerhalb einer halben Stunde ziehen wir los und erleben ein unvergessliches Ereignis. Das ganze Dorf war zusammen gekommen, die Tische bogen sich vom Essen und es standen eine Reihe von Schweinen zum Verspeisen bereit. Die örtliche Kirche sammelt Spenden und im Laufe der Veranstaltung verstehen wir, dass die Familie, die am meisten spendet, das höchste Ansehen gewinnt. Deswegen wurden wir eingeladen, unser Beitrag half der Familie wohl sehr, sie bedanken sich mehrmals, und wir freuten uns, einen Einblick in ihr Leben zu bekommen.
Pünktlich zu Bernds Geburtstag verlassen wir den Hafen und ankern an der kleinen Insel Nuku. Es ist mein Lieblingsankerplatz in der Vava`u Gruppe, und der Vorzeigeort der Tonganer. Selbst der König bringt wichtige Besucher zu dieser kleinen Insel. Wir verleben einen schönen Tag und Bernd freut sich über seine Geschenke, die ich teilweise aus Deutschland mitgebracht hatte. Am 10. Oktober verlassen wir die Vava`u Gruppe und segeln weiter südlich in die Ha`apai Gruppe.
Dort treffen wir täglich beim Segeln oder vor Anker auf Wale. Es scheinen hier mehr Wale als in der Vava`u Gruppe zu geben, die für ihre Walausflüge bekannt ist. Wir nahmen an keiner Tour teil, da wir ja in Niue das Glück hatten neben unseren Schiff mit einer Walmutter und ihrem frisch geborenen Baby alleine zu schwimmen. Somit wollten nicht noch einmal mit einer Gruppe losziehen, es sollte für uns ein einmaliges Erlebnis bleiben. Aber immer wieder haben wir die faszinierenden Tiere nahe am Boot.
In der Ha`apai Gruppe steuern wir zunächst die nordwestlichen Inseln an, Ofolanga und Luahoko, an denen man nur bei gutem Wetter ankern kann. Zwei Tage genießen wir die Einsamkeit, dann zwingt uns das Wetter zur Weiterfahrt. Wir verlegen in den Haupthafen nach Lifuka, dort liegen bereits wieder 4 deutsche Boote. Hier findet man das ursprüngliche Tonga vor. Ein kleiner Ort, ein paar kleine Geschäfte, viele Schweine und Hühner, Pferde und Ziegen laufen umher, mehr Schweine als Hunde laufen über Straßen. Die Menschen leben von ihrer Farmzucht, wir meinen, wir sind wieder in der Karibik. Die Menschen sind nicht mehr so offen und freundliche wie auf den anderen pazifischen Inseln, sie sind nett aber distanziert. Die Kinder sprechen uns an, sagen immer bye anstatt hallo, weil in Tonga man sich immer verabschiedet, da man weiterläuft.
Wir leihen uns Fahrräder und machen eine Inselrundfahrt auf Lifuka und Foa. Wir lernen Sabine und ihren Freund Brian kennen, die an der örtlichen Tauchschule 3 Jahre gearbeitet haben. Mit ihnen gehen wir die Kathedrale in Mo`unga`one betauchen, ein schöner Tauchspot, allerdings sind örtliche Kenntnisse notwendig. Das Ankern ist nicht einfach, man sollte mit einer örtlichen Tauchschule den Tauchspot besuchen. Es war jedoch ein sehenswerter Spot.
Der Strand von Uoleva ist der schönste Strand, den wir bisher im Pazifik gesehen haben. Bernd muss mich dort regelrecht wegreißen! Ich hätte tagelang dort schwimmen gehen können, wir haben das Glück, dass wir mit Delphinen schnorcheln konnten. 3 Delphine sprangen in der Bucht herum, das war toll! Die Strandspaziergänge machen in dem schönen Sand Spaß und schöne Muscheln sind zu finden. Zumindest sollte jeder Segler hier einen Stopp auf den Weg nach Nuku`alofa einplanen.
Von Tofanga segeln wir nach Ha`afeva Island und Nomuka`iki weiter und dort erreicht Bernd sein Limit. Er ist dem Inselkoller nahe und er meint, falls er noch eine nach rechts oder links gebogen Palme sieht, flippt er aus. Vielleicht ist es für Nichtsegler nicht verständlich, aber wir langweilen uns und sind reisemüde. Eine Veränderung muss her, wir nehmen den Anker auf und segeln nach Nuku`alofa, die Hauptstadt Tongas.
Auf dem eintägigen Törn sehen wir zum letzten mal in dieser Segelsaison Wale. Sie springen aus dem Wasser und tauchen wenig später direkt an unserem Schiff auf. Keine 2 m trennen uns und sie begleiten uns bis zur Ankerbucht. Im Hafen legen wir die UPPS römisch-katholisch an und bereiten uns zur Abreise nach Neuseeland vor. Eine Inselrundfahrt und das letzte Tonga Fiest am Oholei Beach in der Hina Cave runden unsere Erlebnisse ab. Wir verlegen ans Pangai Motu, reinigen das Unterwasserschiff und genießen eine letzte große Seglerparty. Der Chef von Big Mama feiert Geburtstag und hat das gesamte Ankerfeld eingeladen. Wir tanzen, lachen und feiern. Am nächsten Morgen nehmen wir um 9.00 Uhr den Anker auf. Alu`a (Bye Bye) Tonga!













